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Zauberformel von Lehre und Leben

„Göttinger Theologen“ Zauberformel von Lehre und Leben

Einer der ersten Göttinger Theologieprofessoren, Joachim Oporin, stand im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung der  Vorlesungsreihe „Göttinger Theologen“. Thomas Kaufmann, Professor für Kirchengeschichte an der Georgia Augusta und Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, führte ein in das Leben und Wirken von Joachim Oporin – eines Theologen, der nicht ganz zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei, wie Kaufmann sagte.

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Oporin, geboren 1695 in Neumünster, studierte Theologie in Wittenberg. 1735 wurde er an der noch jungen Georgia Augusta dritter Theologie-Professor. Er stand damit in der Hierarchie, die sich laut Kaufmann unter anderem in Gehalt und Vorlesungszeiten ausdrückte, unter seinen beiden Kollegen. Die ordentliche Professur in Göttingen sah Oporin als eine göttliche Berufung an - was nicht unüblich gewesen sei, so der Referent. Nicht selten komme es vor, dass die wissenschaftliche Fachwelt im Rückblick  diejenigen Lehrenden für unbedeutend halte, die bei den Studenten besonders beliebt gewesen seien, sagte Kaufmann. Unter den drei Theologie-Professoren jedenfalls, die an der jungen Göttinger Fakultät lehrten, „muss Oporin derjenige gewesen sein, der die Studenten am ehesten ansprach“, so Kaufmann. 

Thomas Kaufmann

Thomas Kaufmann

Quelle:

Unter Oporins Schülern war Heinrich Mühlenberg. Dessen Bemerkungen ließen darauf schließen, „dass er bei Oporin die Verbindung von Lehre und Leben – eine Zauberformel des Pietismus – besonders schätzte“, führte Kaufmann aus. Pietisterei galt als subversiv und generierte Verdacht. Aber in Oporin hatten die pietistischen Studenten, die sich Repressionen ausgesetzt sahen, einen Rückhalt, so der Referent.  Verschiedene Quellen deuteten darauf hin, dass es ein enges Netzwerk frommer Studenten gegeben hat, für die Oporin ein Vertrauter war.

Joachim Oporin (1695-1753).

Joachim Oporin (1695-1753).

Quelle:

Dass die Studenten ebenso gelehrt wie fromm sein sollten: Dies stand laut Kaufmann im Zentrum der theologischen Ausbildung, wie Oporin sie verstand und praktizierte. Bei Kollegen und Studenten galt er den überlieferten Zitaten nach vor allem als ein Verteidiger des christlichen Glaubens.  Polemik auf der innerkonfessionellen Ebene betrieb Oporin nicht. „Skeptizismus und Indifferenz – das waren seine Feinde“, so Kaufmann.

Mühlenberg schrieb über die Begegnung mit seinem akademischen Lehrer einmal in der dritten Person: Bei Oporin wurde „Mühlenberg, der arme Sünder, zum ersten Mal am Gewissen gerührt, erweckt und zur Sinnesveränderung ermutigt.“ Zeitlebens, so Kaufmann, hielt Mühlenberg Oporins Andenken in Ehren. Oporin starb 1753 in Göttingen.

Von Telse Wenzel

Der nächste Vortrag in der Reihe „Göttinger Theologen“ befasst sich mit Heinrich Ewald. Es referiert Rudolf Smend, der bis zu seiner Emeritierung Professor für Alttestamentliche Wissenschaften an der Georgia Augusta war, am Montag, 12. November, um 18.15 Uhr, im Hörsaal T01, Platz der Göttinger Sieben 2, in Göttingen.
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