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Zeugnis der Machtpolitik im Fürstentum Göttingen

Schatzverzeichnisse Zeugnis der Machtpolitik im Fürstentum Göttingen

Jedes Schwein, jedes Pferd, jeder Haushalt ist in ihnen verzeichnet, ausgenommen nur das Federvieh: Die Schatzverzeichnisse des Fürstentums Göttingen aus den Jahren 1418 bis 1527 sind die frühesten Steuerlisten dieser Art in Niedersachsen. Diese Quellen hat jetzt das Institut für historische Landesforschung der Universität Göttingen in einem Buch herausgegeben.

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Spannende Quellen als Buch herausgegeben: Prof. Arnd Reitemeier und Dr. Josef Dolle (v.l.).

Quelle: Vetter

Das Spannende an diesen Listen sei, dass sie so „unendlich detailiert“ seien, so Prof. Arnd Reitemeier, Direktor des Instituts. Der Vergleich der Listen ermögliche Einblicke in Bevölkerungsentwicklungen und sich wandelnde Siedlungs- und Sozialstrukturen. Die Bedeutung dieser Dokumente, die im Archiv der Stadt Göttingen lagern, habe ihn, Prof. Peter Aufgebauer und Dr. Josef Dolle bewogen, einen Antrag auf Editierung zu stellen. Rund zwei Jahre konnte sich daraufhin Dolle der Arbeit an der Verzeichnissen widmen. Die Herausgabe wurde vom Land Niedersachsen, vom Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung sowie von der Calenberg-Grubenhagenschen Ritterschaft gefördert. Im ersten Teilband sind die Schatzverzeichnisse editiert, in einem zweiten Band findet sich eine ausführliche Einführung und die Handschriftenbeschreibung. Durch diese Einführung sei ein neuer Forschungsstand erreicht worden, erklärt Aufgebauer.

Gründe für die Erhebung einer außerordentlichen Steuer, der sogenannten „Bede“, waren anfangs konkrete Anlässe, etwa die Gefangenschaft des Landesherren, die Kosten für die Mitgift bei der Verheiratung der Tochter. Die „Bede“ war im Grunde eine freiwillig gezahlte Steuer. Angesichts der hohen Stellung des Bittenden war eine Verweigerung zumeist jedoch illusorisch, erklärt Dolle.

Neben dem Bewilligungsrecht oblag den Landesständen auch die Verwaltung der außerordentlichen Steuern. Dafür waren sie allerdings auf „städtische Strukturen und Kenntnisse angewiesen“, erklärt Aufgebauer. Die Stadt Göttingen übernahm im Fürstentum diese Aufgabe, ließ sich aber seit Mitte des 15. Jahrhunderts von Vertretern des Adels und der Geistlichkeit unterstützen. „Wer Steuern einzieht, macht sich nicht beliebt“, erklärt Dolle dazu. Andererseits habe die Stadt die Angelegenheit durchaus egoistisch organisiert. Man könne an den Listen ablesen, dass das große Göttingen regelmäßig weniger zahlte als das kleine Uslar. Und so seien die Schatzverzeichnisse auch ein Zeugnis der Machtpolitik, so Aufgebauer.

Die Schatzverzeichnisse des Fürstentums Göttingen 1418-1527, Josef Dolle, Verlag für Regionalgeschichte 2011, 68 Euro.

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