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Arbeit Zupacken ist wichtig

Immer wieder stehen die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie in der Kritik – von schlechten Arbeitsbedingungen und vielen Überstunden ist die Rede. Jedoch bieten Sie eine fast lebenslängliche Jobgarantie.

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Der Beruf „Koch“ ist einer von sechs Ausbildungsberufen in der Gastronomie.

Quelle: Alois Müller

Hannover. Wer nichts wird, wird Wirt – so spottet der Volksmund über die Arbeit im Gastgewerbe. Eine Branche mit Zukunft, krisenfeste Arbeitsplätze mit Perspektiven im In- und Ausland, lebenslange Jobgarantie inklusive – so wirbt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin für die sechs Ausbildungsberufe in der Gastronomie. Immer wieder stehen die Arbeitsbedingungen in der Branche in der Kritik. Und doch bietet sie viele Chancen – gerade abseits der Ballungszentren und gerade für handfeste Typen, denen tägliche Arbeit am Computer ein Gräuel ist.

Wenig erfreulich für die Branche fällt das Fazit des jüngsten Ausbildungsreports des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus: Gleich zwei Ausbildungsberufe – Koch und Hotelfachmann – landen auf den hintersten Plätzen, auf Platz 23 und 24 von 25 Berufen. „Eine schlechte fachliche Anleitung, viele Überstunden, ein oft rauer Ton und der Eindruck, ausgenutzt zu werden, bestimmen bei vielen Auszubildenden in dieser Branche den Arbeitsalltag“, lautet die Bilanz im Report.

Hohe Abbruchquoten

Die Abbruchquoten sind hoch: Bei Restaurantfachleuten wird mehr als jedes zweite Ausbildungsverhältnis (51 Prozent) vorzeitig aufgelöst, so der DGB. Bei den Köchen sind es mit 49,4 Prozent kaum weniger. Im Durchschnitt aller Befragten wird jedes vierte Ausbildungsverhältnis (24,4 Prozent) vorzeitig gelöst. „Die hinteren Ränge für die Ausbildungsberufe des Hotel- und Gaststättengewerbes sind leider traurige Tradition“, sagt Guido Zeitler. Er ist Referent bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in Hamburg. „Der Kunde ist König. Aber bei den Unternehmen steht der Mensch nicht im Mittelpunkt.“ Dabei gibt es seiner Erfahrung nach keine Unterschiede zwischen internationalen Ketten und kleinen Familienunternehmen aus der Region. „Es kommt vielmehr auf den Direktor und die Mitarbeiter vor Ort an, wie mit Azubis umgegangen wird. Ich rate daher jedem, sich möglichst genau über den Ausbildungsbetrieb zu informieren“, erklärt Zeitler.

Auch Ingrid Hartges, Dehoga-Hauptgeschäftsführerin, rät dazu, sich vor Ort einen persönlichen Eindruck vom Betrieb zu machen. Die Expertin empfiehlt ein Schnupperpraktikum. Trotz der enttäuschenden hinteren Plätze für die Gastronomie im Ausbildungsreport: Für viele ist eine Tätigkeit im Gastgewerbe genau das Richtige. „Alle, die gern in einer Dienstleistung nah am Menschen arbeiten, sind hier grundsätzlich gut aufgehoben“, erläutert Zeitler.

Einblick in den Service-Bereich

Insgesamt sechs Ausbildungsberufe gibt es in der Branche: Fachkräfte im Gastgewerbe lernen in ihrer zweijährigen Ausbildung vor allem alle Seiten des Service kennen, erläutert der Dehoga. Angehende Restaurantfachleute sind am Büfett, in der Bar oder im Restaurant tätig. Auf ihrem Lehrplan steht aber auch die Ausrichtung von Festen und Tagungen. Nah am Gast und praktisch ausgerichtet sind auch die Einsatzbereiche von Köchen und die Aufgaben von Hotelfachleuten. Letztere arbeiten in allen Abteilungen eines Hotels: vom Empfang über den Service bis hin zur Ausrichtung von Veranstaltungen. Die Ausbildung zur Fachfrau und zum Fachmann für Systemgastronomie ist laut Dehoga stärker kaufmännisch geprägt, ebenso wie die von Hotelkaufleuten. Sie werden schwerpunktmäßig in der Buchhaltung und in der Personalabteilung eingesetzt.

Niedrige Voraussetzungen für einen sicheren Arbeitsplatz

Ingrid Hartges betont, dass die formalen Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz nicht so hoch sind wie in manch anderer Branche. „Bei uns haben Sie mit einem guten Hauptschulabschluss gute Chancen.“ Darüber hinaus biete das Gastgewerbe jungen Menschen gerade in vielen strukturschwachen Regionen sichere Arbeits- und Ausbildungsplätze, sagt Hartges: „Gerade in ländlichen Regionen sind Hotels und Gaststätten verlässliche Arbeitgeber. Eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland gibt es nicht.“ Außerdem sei es in kaum einer Branche nach absolvierter Ausbildung so leicht, für eine Weile außerhalb von Deutschland zu arbeiten, schnell in Positionen mit großer Mitarbeiterverantwortung aufzusteigen und sich selbstständig zu machen.

Zeitler warnt Bewerber dennoch vor zu hohen Erwartungen: „Auch viele Facharbeiter arbeiten später nach der Ausbildung knapp über der Niedriglohngrenze. Das sollten sich angehende Azubis in der Branche klarmachen.“ Er verweist auf Untersuchungen des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, das einen durchschnittlichen Bruttoverdienst bei Hotelfachleuten von 1.800 Euro im Monat und bei Köchen von 2047 Euro ermittelt hat.

Thorsten Wiese

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