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Jungredakteure aus Leidenschaft

Beruf Jungredakteure aus Leidenschaft

Begabte Nachwuchsjournalisten haben die Chance bei einer Schülerzeitung sich auszuprobieren. Wer besonderes Interesse und Können zeigt, hat später gute Karrierechancen in der umkämpften Medienbranche.

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Die Zeitung „Mittelpunkt“ von Chefredakteur Mark Offermann (links) und Art Director Linus Luka Bahun.

Quelle: Caroline Seidel

Hannover. Schulmagazine bieten viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren: für gute Schreiber wie für Online-Talente und Fotografen. Viele Zeitungen freuen sich über Nachwuchs und sind für Jugendliche oft eine hilfreiche Etappe beim Weg in Studium und Beruf.

Ein schönes Beispiel für preisgekrönten Journalismus in Schülerzeitungen kommt aus Seifhennersdorf (Landkreis Görlitz/Sachsen). Niemand wollte Julia Kluttig und Immanuel Jork vom Oberland-Gymnasium unterstützen, eine Familie zu begleiten, die im Flüchtlingsheim lebt. Viele Briefe an die Ausländerbehörde in Zittau blieben unbeantwortet. Also sind sie auf eigene Faust losgefahren, haben vor Ort recherchiert und saßen kurz danach auf dem Sofa des Kosovo-Albaners Flamur Rama. Was dann geschah, beschreiben sie in einer Reportage, die sich so spannend liest, dass man vor dem Schlusspunkt nicht aufhört. Dafür haben Julia Kluttig und ihre Redaktion in diesem Jahr mit ihrem Magazin „Wooling“ den „Spiegel“-Schülerzeitungspreis gewonnen.

Schülerzeitungen punkten vor allem dann bei ihren Lesern, wenn sie Aktuelles aus ihrer Schule kritisch aufgreifen. „Gute Themen sind die, die nah dran sind an den Lesern. Dabei spielt natürlich die Schule eine große Rolle, aber auch Lifestyle- und Medienthemen bekommen bei uns gute Resonanz“, sagt Linus Luka Bahun, Art Director beim „Mittelpunkt“ an der Gesamtschule Hardt in Mönchengladbach. „Mittelpunkt“ wurde im Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2013 ausgezeichnet.

Thema mit Leidenschaft

Wer in seiner Schule mit einem guten Themenvorschlag in die Redaktion einsteigen will, orientiert sich am besten an seinen eigenen Interessen: „Man sollte ein Thema vorschlagen, bei dem man sich auskennt und für das man auch Leidenschaft spürt“, sagt Mark Offermann, Chefredakteur beim „Mittelpunkt“. Die Themenpalette ist breit: Sie reicht von Tattoos, Migration und Homosexualität über Tipps zur Berufswahl, das Handyverbot an der Schule bis hin zu einer Anleitung, wie man im Matheabitur die Software hackt, um versteckt mit Mitschülern zusammenzuarbeiten. Sie stand in „Tempus“, der Zeitung des Carl-Benz-Gymnasiums in Ladenburg – und musste nach Intervention der Schulleitung aus der zweiten Auflage gestrichen werden.

„Der Mut zum Risiko gehört dazu“

Viele Macher von Schülerzeitungen kennen das Problem: Kritisches über die eigene Schule zu berichten ist ihnen wichtig und stärkt ihr Ansehen bei den Lesern. Doch Lehrer und Schulleitung reagieren manchmal nachtragend und haben viele Möglichkeiten, ihnen das Leben schwer zu machen. „Der Mut zum Risiko gehört dazu, wenn man eine gute Schülerzeitung machen will“, sagt Katharina Schröder von „Tempus“. Auch Kai Mungenast, Vorstandssprecher der Jugendpresse, eines Zusammenschlusses junger Medienmacher, kennt die Schwierigkeit. Mitarbeiter der Jugendpresse bieten ihre Hilfe an und bemühen sich, Schüler und Schulleitung an einen Tisch zu bringen.

Wie viel Zeit die jungen Redakteure in ihr Magazin stecken, variiert: Für Linus Luka Bahun ist von zwei Stunden am Tag bis zu einer 24-Stunden-Schicht unmittelbar vor Redaktionsschluss alles drin. „Ich mache teils mehr für den ‚Mittelpunkt‘ als für die Schule“, sagt der Abiturient, der jetzt mit einem Medienpsychologie-Studium liebäugelt.

Schülerzeitungen sind ideal zur Probe

Vom zeitlichen Aufwand sollte sich niemand abschrecken lassen, empfiehlt der Berliner Personalberater Andreas Nolten. Denn die Schülerzeitung sei ideal, um sich auszuprobieren: „Interessen kommen nicht angeflogen, man muss Gelegenheiten wahrnehmen.“ Außer dem Schreiben gibt es dafür viele Chancen: programmieren für die Online-Ausgabe, Anzeigen akquirieren, fotografieren, das Layout gestalten oder die Organisation in die Hand nehmen.

Kontinuierliche Mitarbeit hilft auch, wenn man das Abschlusszeugnis in der Hand hat. „Das Engagement an sich hat einen Wert in den Augen späterer Arbeitgeber“, sagt Nolten. Vor allem beim Einstieg in den Journalismus: „Uns zeigt es, dass ein Bewerber wirklich für den Journalismus brennt“, sagt Jörg Sadrozinski, Leiter der Deutschen Journalistenschule in München. AuchPreise helfen: Die Bundesländer schreiben mit der Jugendpresse Wettbewerbe aus, ebenso der „Spiegel“. Einige Redakteure haben so einen begehrten Praktikumsplatz erhalten. Julia Kluttig wird nicht nur von der „Sächsischen Zeitung“ gefördert, sondern absolviert ein Praktikum in der Redaktion des „View“-Magazins. Ihr Kollege Immanuel Jork macht ein Praktikum beim „Stern“. „Man merkt, dass Medien ein Interesse daran haben, sich nach dem Abitur die Besten zu sichern“, sagt Kluttig.

Nicole Walter

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