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Experimenteller Botanischer Garten

Sammlungen der Universität Göttingen Experimenteller Botanischer Garten

Als Prof. Heinz Ellenberg im Jahr 1966 seine Tätigkeit in Göttingen als Pflanzenökologe an der Universität aufnahm, benötigte er von Beginn an Freiflächen für die Anlage von Versuchen. Somit lag es nahe, dass eine neue Versuchsanlage im gerade im Aufbau befindlichen Nordgebiet der Universität installiert wurde.

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Anlage im Experimentellen botanischen Garten: Feuchtgebiete im Juni.

Quelle: Callauch

Göttingen. Auf mehr als 30 Hektar Acker- und Weideland entstand der Neue Botanische Garten, der fortan für ökologische Versuche zur Verfügung stehen sollte.

Das Gelände an der Lutter zwischen den Göttinger Ortsteilen Weende und Nikolausberg bietet ein abwechslungsreiches Relief mit vielfältigen Standortbedingungen, die von sonnigen Magerwiesen bis zu schattigen Wäldern und sumpfigen Wiesen reichen. Es ist ein ideales Quartier für die Anlage eines Gartens, in dessen Mittelpunkt nicht so sehr die einzelne Pflanze als vielmehr die Pflanzengesellschaft in ihrem natürlichen Lebensraum steht. Die naturnahen Wäldchen, die kalkreichen Wiesen und die Feuchtgebiete machen die Kultur zahlreicher Pflanzen mit ihren so unterschiedlichen Lebensansprüchen möglich und bieten den Studenten ein weites Studienfeld.

Von Anfang an wurden Versuchsflächen für die unterschiedlichsten ökologischen Fragestellungen eingerichtet, darunter der seit 1968 laufende Sukzessionsversuch. In dessen Mittelpunkt steht die Erforschung der zeitlichen Entwicklung natürlicher und anthropogener Pflanzengesellschaften in unserem Ökosystem. Zeitgleich begannen die Arbeiten an den Grundwasserbecken, die Experimente zur Konkurrenz unter den Pflanzen bei wechselnden Wasserständen zulassen und seit 1970 ständig im Einsatz sind.

Unter den Nachfolgern von Ellenberg, bis 1981 Direktor des Neuen Botanischen Gartens, Prof. Michael Runge und Prof.  Christoph Leuschner, seit 2000 Direktor des mittlerweile in Experimenteller Botanischer Garten umbenannten Versuchsgartens, ging der Ausbau ständig weiter. Ein Wurzellabor, ein Baumkronenpfad und neue Klimakammern wurden eingerichtet, um die Bandbreite der ökologischen Forschungsmöglichkeiten zu erweitern. Der Garten entwickelte sich zu einer lebendigen Einrichtung, in der Generationen von Studenten bereits ihre Diplom-, Master- und Doktorarbeiten anfertigen konnten. Für den Besucher sind die seit 1987 geschaffenen Feuchtbiotope mit Moor-, Sumpf- und Schwimmpflanzen sowie das Alpinum mit Pflanzen aus vielen Gebirgen der Nordhemisphäre attraktiv.

Der Garten legt einen Schwerpunkt auf die Sicherung gefährdeter Pflanzenarten und kultiviert bevorzugt bedrohte Pflanzen in naturnahen Biotopen. Er gibt jährlich ein Samenverzeichnis heraus, welches ins Internet gestellt wird und anderen botanischen Gärten und Forschungseinrichtungen zur Verfügung steht. Jährlich werden etwa 1200 Samen der unterschiedlichsten Gartenpflanzen von in- und ausländischen Forschungseinrichtungen angefragt und versendet.

Trotz stetiger Kürzungen seit Ellenbergs Zeiten kommt der Experimentelle Botanische Garten als Forschungsstätte und Ort der Lehre seinen Verpflichtungen nach. Dieses wäre mittlerweile ohne die tatkräftige, auch finanzielle Unterstützung der „Freunde der Botanischen Gärten“ nicht mehr möglich. Zusammen mit den Veranstaltungen der Göttinger Botanischen Gärten trägt der Förderverein mit seinem Programm wesentlich zur Identifizierung der Bürger mit ihrer Universität bei.

Von Rolf Callauch

  • Der Garten ist für Fußgänger und Radfahrer 24 Stunden geöffnet. Die Gewächshäuser sind Versuchshäuser und nur im Rahmen von Führungen zugänglich. Anmeldungen zu Führungen unter Telefon 05 51/ 39 57 13 oder 39 57 25.
Zur Person

Rolf Callauch, Biologe, ist seit 1984 Kustos am Experimentellen Botanischen Garten, damals noch Neuer Botanischer Garten. Callauch studierte an der Universität Göttingen Biologie mit Schwerpunkten in der Botanik, Ökologie und Vegetationskunde. Von 1976 bis 1977 folgten Studien an der University of North Carolina in Chapel Hill. Von 1980 bis 1984 promovierte er an der Universität Kassel mit einer Dissertation über die Stechpalme (Ilex aquifolium). In dieser Zeit führten ihn mehrere botanische Exkursionen durch Europa, nach Nordamerika und auf die Kanarischen Inseln.

Ende 1984 wechselte der 1952 geborene Biologe wieder an die Universität Göttingen. Seitdem ist er Dozent am Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften und gleichzeitig Kustos. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Lehre in der Botanik und die Aufsicht über den Experimentellen Botanischen Garten. In seine Zeit als Kustos fallen zahlreiche Neuanlagen im Garten wie das Alpinum, ein Alpinenhaus, eine Serie von Feucht- und Trockenbiotopen sowie die Erfassung der Pflanzendaten in elektronischer Form. Der Besucherpavillon und zwei Anzuchtgewächshäuser entstanden auf seine Initiative. Möglich wurden diese Investitionen durch die Einwerbung externer Mittel, die im Gefolge der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit erschlossen werden konnten. Diese führte 1992 zur Gründung der „Freunde der Botanischen Gärten“.

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Die erste wissenschaftliche Sammlung der Universität Göttingen war das 1773 gegründete „Academische Museum“. Der Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) trug darin Gegenstände aus aller Welt zusammen: Mineralien und Gesteinsproben, Fossilien, präparierte Tiere und Pflanzen, aber ebenso Antiquitäten, Kunst- und Alltagsgegenstände außereuropäischer Völker.

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