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Kinder- und Jugendbibliothek der Uni Göttingen

„Sammlungen der Universität“ Kinder- und Jugendbibliothek der Uni Göttingen

Wenn nationalsozialistische Fibeln neben Grimms Märchen stehen, wenn handkolorierte Einzelstücke neben moderner „Massenware“ aufleuchten, wenn man 300 Jahre Kinder- und Jugendliteraturgeschichte in die Hand nehmen und bestaunen darf – dann hat man den Weg zur Sammlung Seifert gefunden.

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Hier treffen sich selbst Eisbär und Pinguin: Dieses Pop-Up zeigt das kindgerechte Treiben in einer Polarstation.

Quelle: Lorenz

Die Sammlung Seifert – manch einem mag sie noch bekannt sein aus der letztjährigen Ausstellung „Der rote Wunderschirm“ – ist mit ihren knapp 12 000 Bänden historischer Kinder- und Jugendliteratur eine der größten Privatsammlungen in Deutschland.

Mehr als 25 Jahre lang hat Jürgen Seifert (1928-2005), Hannoveraner Politikwissenschaftler und Bürgerrechtler, unermüdlich gesammelt – Bücher, Kinder- und Jugendliteratur. Sein Ziel war dabei ein ganz besonderes: Er wollte die Geschichte der Kindheit und Erziehung in Papierform einfangen.

Auf Flohmärkten, in Antiquariaten und schließlich auch im Internet jagte er den Texten nach, die in der Forschung als exemplarisch gelten oder einen Wechsel der jeweils vorherrschenden Weltsichten und Forschungsperspektiven zeigen. 2008 wurde die Sammlung von der Universität Göttingen erworben.

Unter der Frage, wie Bücher ihre jungen Leserinnen und Leser beeinflussen, steht sie uns heute in ihrer gesamten historischen und thematischen Breite zur Verfügung. Als Lese- und Lernwerkstatt ist sie im universitären Kontext beinahe einzigartig . Akademische Forschung, individuelles Interesse und schulische Kooperationen können gleichermaßen bedient werden.

Wer sich in Wort und Bild in der Zeitgeschichte versenken möchte, beginnt am besten bei den Anfängen der Kinderbücher . Erst im Zuge der Aufklärung und mit veränderten Produktionsbedingungen auf dem Buchmarkt konnte eine solch zielgerichtete Literatur entstehen, die das Kind nicht einfach als klein geratenen Erwachsenen wahrnahm.

Das älteste Buch in der Sammlung ist eine Übersetzung (Ausgabe von 1715) des französischen Telemachs von Fénelon (1690). Als Erziehungsroman, Sprachlehrbuch und Fürstenspiegel zugleich richtet sich das Werk an die gesellschaftliche Elite, und erzählt, wie der junge Telemach auf der Suche nach seinem Vater diverse Abenteuer, aber auch Proben seiner Moral bestehen muss und in Themen wie Diplomatie, Ökonomie, Kriegsführung und Künste gebildet wird. 

Obgleich Seifert prunkvolle und handkolorierte Bilderbücher nicht verschmähte und ein großer Teil der Sammlung den Beginn der Kinder- und Jugendliteratur im 18. Jahrhundert nachzeichnet, finden sich neben solchen Schätzen auch zahlreiche neuere Zeitschriften, Groschenhefte und Kinderbeilagen, geordnet nach Schwerpunkten.

So wird zum Beispiel Propagandaliteratur aus dem Dritten Reich, die offensiv für die nationalsozialistische Ideologie wirbt, zum Krieg und zum absoluten Gehorsam erzieht, in regelmäßigen Projekten mit Schulen und interessierten Gruppen bearbeitet und – auch mit Blick auf unsere Gegenwart – kritisch beleuchtet.

In der großen Bandbreite  verschiedener Epochen trifft man dennoch nicht nur auf politisch oder erzieherisch motivierte Werke. Wer einfach gerne spielt und deswegen ein Kind geblieben ist, findet auch  Geschichten zum Anfassen : Verschiedene Pop-Up-Bücher zum Drehen, Schieben, Ziehen, Ausfüllen und Aufklappen laden den Leser zum Mitmachen nicht nur im Kopf ein.

Die dreidimensionalen Gebilde aus Pappe und Papier gleichen teilweise eher Plastiken als Büchern und werden zu Schauräumen für die Phantasie. Vielleicht, weil man sie im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen und bestaunen kann. Im Zeitalter von Internet, Kinofilmen in 3D und medialer Sturmflut  werden sie auch heute noch in hoher Auflage produziert.

Die Bibliothek für Kinder- und Jugendliteratur, Waldweg 26, Raum III / 0.147, ist montags bis freitags von 12 bis 14 Uhr für Studierende und Interessierte geöffnet.

Neben den beiden historischen Sammlungen Seifert und Vordemann beheimatet sie rund 20 000 aktuelle Kinder- und Jugendbücher.

Auch Schulklassen können die Bibliothek mit Werkstattcharakter für Seminare nutzen.

   
Historisch: bis zu 300 Jahre alte Kinderbücher. Rumpf

Historisch: bis zu 300 Jahre alte Kinderbücher. Rumpf

Quelle:
Gemütlich: Auch stille Lesestunden sind möglich. Lorenz

Gemütlich: Auch stille Lesestunden sind möglich Lorenz

Quelle:
Katalogisierung: Häufig müssen Herkunft und Entstehungsjahr erst erschlossen werden. Lorenz

Katalogisierung: Häufig müssen Herkunft und Entstehungsjahr erst erschlossen werden. Lorenz

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