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Vier Kontinente, sechs Jahrtausende

Musikinstrumentensammlung Vier Kontinente, sechs Jahrtausende

Die Georg-August-Universität Göttingen verfügt über eine bedeutende Musikinstrumentensammlung. Ihr Bestand umfasst derzeit rund 2000 Musikinstrumente aus aller Welt, vorwiegend jedoch solche Europas, Asiens und Afrikas, einschließlich Altägyptens.

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Quelle: Eckardt

Sie wurde 1964 durch den Ankauf der Privatsammlung des Cellenser Blockflötenfabrikanten Hermann Johannes Moeck (1896-1982) gegründet, als Forschungs- und Lehrsammlung am Musikwissenschaftlichen Seminar verankert und seither systematisch weiter ausgebaut.

Ihr typologisch, historisch und kulturgeographisch weitgefächerter Bestand spiegelt in hervorragender Weise die globale ideengeschichtliche Vernetzung dieser Artefakte. Zugleich reflektiert die Sammlung damit – ganz im Sinne ihres Begründers Prof. Heinrich Husmann (1908-1983) – das fruchtbare Zusammenwirken der drei musikwissenschaftlichen Teildisziplinen Historische Musikwissenschaft, Systematische Musikwissenschaft und Ethnomusikologie.

Unter den Exponaten befinden sich – als Bestandteile der ehemaligen Privatsammlung des Musikarchäologen Hans Hickmann (1908-1968) – die mutmaßlich älteste erhaltene altägyptische Bogenharfe (zwischen 2700 und 2200 v. Chr.) und eines von weltweit nur sieben erhaltenen Exemplaren der sogenannten „koptischen Laute“ (etwa 3.-8. Jahrhundert n. Chr.).

Ferner beherbergt die Sammlung mit dem Göttinger Blockflötenfund aus dem 14. Jahrhundert, einer Leihgabe der Göttinger Stadtarchäologie, eines der ganz wenigen im Original erhaltenen Musikinstrumente des europäischen Mittelalters.

Die moderne Musikinstrumentenkunde

Auch die Göttinger ›Tagore-Tambura‹, eine von dem bengalischen  Musikgelehrten Raja Sir Sourindro Mohun Tagore (1840-1914) im späten 19. Jahrhundert als Prunkinstrument zu Schenkungszwecken in Auftrag gegebene indische Bordunlaute, sei hier genannt.

Tagore pflegte einen regen Austausch mit westlichen Kollegen, so auch mit dem Händelforscher Friedrich Chrysander (1826-1901). Mit seinen Publikationen über die indische Musiktheorie trug er maßgeblich zur Entstehung der westlichen Vergleichenden Musikwissenschaft beziehungsweise Ethnomusikologie bei.

Die moderne Musikinstrumentenkunde erforscht ihren Gegenstand als Funktions- und Bedeutungsträger in der ganzen Fülle seiner typologischen Erscheinungsformen sowie mit Blick auf seine lokalen soziokulturellen Bindungen und globalen kulturhistorischen Verflechtungen.

Die Georg-August-Universität Göttingen verfügt über eine bedeutende Musikinstrumentensammlung. Ihr Bestand umfasst derzeit rund 2      000 Musikinstrumente aus aller Welt. ©Eckardt

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Die Interdisziplinarität, die dieses Gebiet im Allgemeinen kennzeichnet, spiegelt sich im Besonderen auch in dem reichen Forschungsprofil der Göttinger Musikinstrumentensammlung wider, zu dem interne wie externe Musikwissenschaftler und Musikinstrumentenkundler beigetragen haben und nach wie vor beitragen.

Einen vollständigen Überblick hierüber bieten, auf der Homepage der Sammlung verfügbar, der Bestandskatalog und der chronologisch und sachlich gegliederte Forschungsbericht.

Forschung und Lehre

Studierende des Faches Musikwissenschaft befassen sich im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Qualifikationsarbeiten regelmäßig lernend und forschend mit den Beständen der Sammlung und tragen so zu ihrer wissenschaftlichen Tiefenerschließung bei.

Hierzu gehört die – auf systematischem Vergleichen beruhende – typologische Analyse und Klassifikation der Objekte ebenso wie eine möglichst umsichtige Provenienzforschung, die die Objekte nicht nur als Vertreter eines bestimmten Typus zu kontextualisieren trachtet, sondern darüber hinaus auch den an der Biografie des individuellen Exemplars beteiligten Akteuren nachspürt.

So forscht etwa die Magistrandin Julia Denise Bertram derzeit über das Thema „Julius Konietzko, Lore Kegel, Boris Kegel-Konietzko – Handel mit ‚Ethnologika‘ in der Zeit zwischen 1910 und 2012 am Beispiel eines in den Beständen zweier Göttinger Universitätssammlungen repräsentierten Hamburger Kunsthandelshauses“.

Von Klaus-Peter Brenner

Die Musikinstrumentensammlung befindet sich im historischen „Accouchierhaus“, Kurze Geismarstraße 1, und ist sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die Musiksammlung ist im Internet unter uni-goettingen.de/musikinstrumentensammlung zu erreichen.
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