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17:11 24.10.2018
Gruseliger Kinostart: „Halloween. Quelle: Universal Pictures
Göttingen

Donnerstag ist Kinotag.

Der Stehaufmörder

Michael Myers ist zurück: 40 Jahre nach seiner ersten Mordserie greift der Killer im Gruselfilm „Halloween“ wieder zum Messer

Nennt den Namen mit Ehrfurcht, egal, was dem Mann zwischenzeitlich alles missglückt ist: John Carpenter. Sein Meisterwerk war 1978 der trashige Indie-Horrorfilm „Halloween“. Die Zuschauer verschmolzen vor Angst mit dem Kinositz, als die junge Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) im Fenster des Gartenhauses stecken blieb, vor dem sich Michael Myers herumtrieb. Jetzt kehrt der Babysittermörder auf die Leinwand zurück.

Carpenter brachte das mit Hitchcocks „Psycho“ 1960 entstandene Horrorsubgenre des Slasher-Films in Bewegung. Bis heute umfasst das Franchise elf Filme. Zwei Jahre später begann Jason in den „Freitag, der 13.“-Streifen zu morden, 1984 ließ Freddy Krueger in der „Elm Street“ seine Klingenfinger tanzen.

Horror in der Kleinstadtgemeinde

Eine funktionierende Kleinstadtgemeinde wurde in „Halloween“ durch ein unvorhersehbares Ereignis gesprengt. Kritiker sahen darin eine Spiegelung der Angst vorm Atompilz. Mit der Figur der Laurie Strode zog der Feminismus in den Horrorfilm ein, die „Finale-Frau“, die sich wehrt, statt darauf zu warten, dass der männliche „Prinz“ sie rettet. Carpenter sah sein Werk schlicht als „Horrorfilm“ und ignorierte die akademischen Tiefenbohrungen der Kritiker.

Beim Myers-Comeback ist Carpenter nur noch als Produzent dabei. Im Regiestuhl saß David Gordon Green, der im Jahr 2000 mit seinem Debüt, dem Kleinstadtdrama „George Washington“, ein Spiegelbild der amerikanischen Depression schuf und demnächst in „Newsflash“ die Berichterstattung über die Ermordung John F. Kennedys unter die Lupe nimmt.

 

Bei seinem Ausflug ins Horrorfach ignoriert Green alle „Halloween“-Fortsetzungen. Ja, sogar das Ende des ersten Films gehört nicht mehr zum Kanon, wo der tödlich getroffene Michael die Thrillerregel „Das Böse steht noch einmal auf“ zu „Das Böse steht noch 100mal auf“ erweiterte und entkam. Der neue Film geht davon aus, dass man seiner habhaft wurde, dass er seit 40 Jahren in der Psychiatrie sitzt, dann bei einer Verlegung entkommt und zur Halloweennacht nach Haddonfield, Illinois, zurückkehrt.

Die Eröffnung ist unheimlich. Zwei Journalisten wollen Myers interviewen, der – im Innenhof seiner Anstalt angekettet – Sonne tankt. „Er kann sprechen. Er tut es nur nicht“, sagt sein Psychologe, dessen Name Sartian, wie sich später herausstellt, lautmalerisch nicht von ungefähr zu „Satan“ verschliffen wird. Hinter Myers’ Rücken holt einer der Reporter die alte Maske heraus, die er aus der Asservatenkammer stibitzt hat. Während alle anderen Insassen nervös werden und die Wachhunde anschlagen, bleibt Myers (Nick Castle) ruhig. Man sieht nur kurz geschorene Haare, einen grauen Vollbart.

Jamie Lee Curtis ist wieder als in Ehren ergraute Oma Laurie dabei. Einzig Enkelin Allyson (Andi Matichak) hält Kontakt zu der Alten, die ihr Haus zu einer Festung umgebaut hat, um sich auf die eigentlich unmögliche zweite Begegnung mit Myers vorzubereiten. Curtis macht der Kampfmodus sichtlich Spaß, sie erinnert im olivgrünen Feinripp an Ellen Ripley, das andere berühmte „Final Girl“ aus „Alien“.

Ein Regisseur und sein Fluch

Meister des Fantastischen: US-Regisseur John Carpenter

Das ist wohl der Fluch des US-Regisseurs John Carpenter: Mit „Dark Star“ (1974), „Assault“ (1976) und „Halloween“ (1978) schuf der heute 70-Jährige drei echte Klassiker des fantastischen Films. Danach drehte er mit „The Fog“ (1980), „Die Klapperschlange“ (1981) und dem Remake von Howard Hawks’ „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) immerhin noch drei weitere sehenswerte Horror- beziehungsweise Science-Fiction-Filme. Doch nach der Actionkomödie „Big Trouble in Little China“ (1986) ist ihm nicht mehr wirklich etwas eingefallen, was beim Publikum Gefallen oder Grauen erregen konnte.

Die Meilensteine seines künstlerischen Niedergangs sind „Die Fürsten der Finsternis“ (1987), „Das Dorf der Verdammten“ (1995) und schließlich die „Klapperschlange“-Fortsetzung „Flucht aus L. A.“ (1996). Dann war da noch „Ghosts of Mars“ (2001). So schön und mythenbekränzt der rote Nachbar am Nachthimmel funkelt, so hatte doch bis dato noch niemand einen nennenswerten Film über ihn gedreht. Carpenter präsentierte unfreiwillig komische Helden vom Mars, die ihre Feuerwaffen um der Action willen wie Prügel benutzten – obwohl sie doch noch ausreichend Munition im Magazin hatten. Carpenters bislang letzter abendfüllender Film, die durchaus ansprechende Geistergeschichte „The Ward“ (2010), ging so ziemlich am Massenpublikum vorbei.

„Nur“ ein Ausflug ins Trashkino

Aber wo Fans von dem Dramenspezialisten Green ein großes Horrordrama erwartet hätten, belässt es der Regisseur bei einem Ausflug ins Trashkino. Nicht nur, dass er die (damals budgetbedingte) Billigoptik des ersten Films übernimmt, er zitiert auch viele Originalszenen und versieht sie lediglich mit einem neuen Twist. Diese Secondhand-Originalität erschöpft sich bald. Alles Déjà-vu. Der Schnitt: holprig. Auch die genretypischen grob skizzierten Figuren mit ihren plotbedingten Charakterbrüchen und ihrem selbstmörderischen Verhalten in Krisensituationen wirken nicht als Genrehommage, sondern unfreiwillig komisch. Ganz zu schweigen von den hanebüchenen Dialogen.

Die Nacht wird bei Green klaustrophobisch inszeniert. Aber derjenige, der in ihr umgeht, lehrt einen nicht mehr das Fürchten. Als der Mann mit dem Messer ein Baby in der Wiege verschont, sieht man ihn beinahe als Opfer einer bitteren Exklusionsgeschichte. Vielleicht hat Regisseur Rob Zombie in seinem „Halloween“-Remake von 2007 alles verdorben, als er das Mysterium Myers mit Biografie und Sprechtext ausstattete, es zum zornigen, dicken Kind einer Stripperin machte.

Vielleicht ist aber auch nur die große Zeit der Slasher vorbei.

„Halloween“, Regie: David Gordon Green, mit Jamie Lee Curtis, Nick Castle, 109 Minuten, FSK 16. Läuft im Cinemaxx Göttingen, im Movietown Eichsfeld in Duderstadt und in den Central-Lichtspielen Herzberg.

 

Husten tote Ehefrauen?

Krimi nach der Vorlage von Håkan Nesser: „Intrigo – Tod eines Autors“ mit Benno Fürmann 

Håkan Nesser zählt zu den wichtigsten schwedischen Krimiautoren. Sein Markenzeichen: weniger Action, dafür mehr Psychologie. Das gilt auch für die Verfilmung seiner Kurzgeschichte „Rein“, den Beginn einer geplanten „Intrigo“-Anthologie. Der verzwickte Thriller verquickt Fragmente aus dem Leben eines Übersetzers und eines verstorbenen Schriftstellers.

Benno Fürmann als David Moerk in einer Szene des Films „Intrigo: Tod eines Autors“. Quelle: 20th Century Fox

 

Es beginnt skurril: Übersetzer David Moerk (Benno Fürmann) hört aus der Radioaufzeichnung eines Konzerts ein Husten heraus, das er zu kennen meint: So hustete seine Frau Eva (Tuva Novotny), die er tot wähnt. Und dann wird es kompliziert: Bald glaubt er, einem Verbrechen auf der Spur zu sein. Hat der Literat Rein wirklich Selbstmord begangen? Oder haben Reins Frau (Daniela Lavender) und Reins Verleger, ein Liebespaar, nachgeholfen? Parallel taucht Moerk in seine eigene kriminelle Vergangenheit ein. Regisseur Daniel Alfredson („Verdammnis“) zettelt ein wahres Rätselspiel an. Doch trotz psychologischer Spannung irritieren die abrupten Handlungsvolten und philosophischen Anmutungen. Zu viele Fragen bleiben offen.

 

 „Intrigo – Tod eines Autors“, Regie: Daniel Alfredson, mit Benno Fürmann, Ben Kingsley, 102 Minuten, FSK 12, Läuft im Cinemaxx Göttingen

Dynamik in der Röhre

Der U-Boot-Thriller „Hunter Killer“

Die Klassiker des U-Boot-Thrillers heißen immer noch „Das Boot“ (1981) und „Jagd auf Roter Oktober“ (1990). Nun macht sich der Südafrikaner Donavan Marsh daran, dem Genre ein Update zu verpassen. Keine rostigen Metallkatakomben prägen das Bild seines Films „Hunter Killer“, sondern echtes Hightech-Equipment. Unter dem Kommando von Captain Joe Glass (Gerard Butler) wird ein U-Boot zu einer gefährlichen Rettungsmission in den Arktischen Ozean entsandt. Die Besatzung entdeckt ein amerikanisches U-Boot, das von einem russischen Torpedo getroffen wurde – und direkt daneben liegt ein angeschossenes russisches Unterwassergefährt.

 

Die unübersichtliche Lage ist das Ergebnis eines Putschversuches des russischen Verteidigungsministers, der den eigenen Präsidenten gefangen hält und die US-Flotte in einen dritten Weltkrieg hineinziehen will. Glass soll den Präsidenten im Verbund mit einem Navy-Seals-Team befreien.

Gerard Butler als U-Boot Kapitän Joe Glass in einer Szene des Films «Hunter Killer“ Quelle: Concorde Filmverleih GmbH

Dieser Kniff erlaubt es Regisseur Marsh, immer wieder aus der Enge des U-Bootes auszubrechen. Er entwirft einen dynamischen Thriller, der zu Lande und unter Wasser Spannung generiert und seine Lösungsansätze jenseits klassischer Freund-Feind-Schemata sucht. Sogar Hauptdarsteller Butler darf hier ausnahmsweise mal mehr mit Köpfchen als mit Muckis arbeiten.

 

„Hunter Killer“, Regie: Donavan Marsh, mit Gerard Butler, Gary Oldman, 121 Minuten, FSK 12.Läuft im Cinemaxx Göttingen.

 

Von Hunden und Menschen: „Wuff“

Im Zentrum von Detlev Bucks Episodenfilm „Wuff“ stehen vier Frauen, denen Vierbeiner als Katalysator im Leben dienen. Ella (Emily Cox) findet im Mischling Bozer einen Seelentröster. Cecile (Johanna Wokalek) hat für ihren behinderten Sohn einen Berner Sennenhund besorgt.

Hundetrainerin Silke (Marie Burchard) bekommt es mit Ex-Fußballer Oli (Frederick Lau) zu tun. Und Katzenfreundin Lulu (Maite Kelly) datet einen Hundebesitzer. Der Film fährt gewichtige Themen auf, dazu wollen die Ausflüge ins Boulevardeske nicht passen. Man wünscht sich Bucks lakonischen Humor zurück. Dieser Film verdient eher ein maues Wau als ein kräftiges Wuff. bra

„Wuff“, Regie: Detlev Buck, mit Emely Cox, Johanna Wokalek, 113 Minuten, FSK 6. Läuft im Cinemaxx Göttingen und in der
Neuen Schauburg Northeim. 

Von Matthias Halbig, Margret Köhler, Stefan Stosch, Martin Schwickert, Ernst Corinth,

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