Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Tipp des Tages Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Göttinger Kinos
Mehr Familie Tipp des Tages Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Göttinger Kinos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:28 12.09.2018
Tobias Moretti als Macheath in dem Film "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm" Quelle: Wild Bunch Germany
Göttingen

Alle Kinostarts der Woche im Überblick:

Ein oder zwei Monde genügen

Nun kriegt Bertolt Brecht doch noch seinen „Dreigroschenfilm“: „Mackie Messer“

Von Stefan Stosch

Endlich kann Mackie Messer mit einem Metallköfferchen in der Hand die Bank gründen, die er schon immer gründen wollte – denn damit ist bekanntlich mehr Geld zu verdienen als mit dem Einbruch in eine solche. Endlich darf er von der Räuberseite auf die der Bürger wechseln, denen fühlte er sich ja schon immer zugehörig. Und endlich kriegt Bertolt Brecht seinen „Dreigroschenfilm“, den er nie hat drehen dürfen.

90 Jahre nach der Uraufführung der „Dreigroschenoper“ am Berliner Schiffbauerdamm hat Regisseur Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Experte, dieses ehrgeizige Projekt gestemmt. Brechts eigene Ambitionen waren einst im Clinch mit der Produktionsfirma gescheitert.

Was das Material betrifft, konnte Drehbuchautor und Regisseur Lang aus einem reichen Fundus schöpfen: Da war ja nicht nur das Stück, sondern auch Brechts viel kapitalismuskritischerer, im dänischen Exil 1934 nachgereichter „Dreigroschenroman“. Da war sein Exposé „Die Beule“ zum geplanten Film, und da waren seine soziologischen Erläuterungen zum „Dreigroschenprozess“, den er zusammen mit Kurt Weill 1930 gegen die Nero-Film angestrengt und geradezu absichtsvoll verloren hatte, um die gesellschaftlichen Machtverhältnisse klarzustellen. Der politisch denkende Künstler gegen die allein am Kommerz interessierte Filmindustrie: Für Brecht handelte es sich um einen Schau-Prozess für die Öffentlichkeit. „Die Filmindustrie ist zu doof und muss erst bankrott gehen“, lautet hier ein zentraler Satz des Dichters.

Die Fassung von Regisseur Georg Wilhelm Pabst kam 1931 weitgehend ohne Brechts Ideen ins Kino. Noch einmal zwei Jahre später war Brecht auf der Flucht vor dem von ihm als „Anstreicher“ verspotteten Adolf Hitler. Brechts bis dahin in 18 Sprachen übersetztes Sensationsstück hatten die Nationalsozialisten sofort nach der siegreichen Reichstagswahl 1933 verboten.

Und nun sind im aktuellen Film noch einmal die süffigen Songs vom Haifisch mit den Zähnen zu hören, von der sich rächenden Seeräuber-Jenny und vom Fressen und der erst danach folgenden Moral. Noch einmal verführt Mackie Messer die holde Polly, die Tochter des Bettlerkönigs Peachum, der aus dem Elend ein einträgliches Geschäft gemacht hat. In üppigen Dekors und mit ordentlich Schwung wird die Geschichte vor uns ausgebreitet.

Aber das Pittoreske ist nur eine Erzählebene in Langs Film und vielleicht noch nicht einmal die wichtigste. Zugleich erleben wir Brecht (Lars Eidinger) immer wieder im Disput mit den Filmproduzenten, die mit seinen kostspieligen Szenen partout nicht einverstanden sind. Mitten in den Szenen bewegen sich die Streithähne, kommentieren diese und brechen sie so auf.

Wir sehen also eine Annäherung an jenen Film, den Brecht gar nicht hat drehen können. Die Schauspieler dürfen immer wieder aus ihren Rollen hervortreten – Verfremdungseffekte, wohin man blickt. Brecht gibt Regieanweisungen und sagt: „Über dem Kanal geht der Mond auf. Ein oder zwei Monde genügen.“ Und dann gehen eben zwei Monde auf.

Damit aber nicht genug: Zum Ende ziehen SA-Horden auf, Bücher werden verbrannt. Auch Brechts entmutigte Originalstimme ist zu hören, wenn er sein Exil-Gedicht „An die Nachgeborenen“ rezitiert.

Bis in unsere Gegenwart springt der Film und lässt den Bankdirektor Mackie Messer von Geschäftsleuten als den idealen Staatschefs schwadronieren, sodass einem unweigerlich der aktuelle US-Präsident in den Sinn kommt. Ein Heer von Elendsgestalten marschiert auf den Westminster-Palast los. Zieht jetzt auch noch die Revolution herauf?

Immer intensiv: Der Schauspieler Lars Eidinger

Lars Eidinger ist intensiv: Augen wie Abgründe, ein Lächeln, bei dem einem mulmig wird. „Man fantasiert sich in die Figur hinein“, verriet Eidinger 2015 in einem Interview sein Darstellungsprinzip. Konfliktbeladene Rollen beschäftigen ihn über den Dreh hinaus. Seit er 2009 mit Maren Ades Beziehungsdrama „Alle anderen“ bekannt wurde, beschäftigen seine Rollen auch die Zuschauer über den Abspann hinaus. Wenn Eidinger mitspielt, kann sogar ein Fernsehkrimi zu etwas Besonderem werden – wie bislang drei Auftritte im „Polizeiruf 110“ beweisen.

Der 42-jährige Grimmepreisträger (verheiratet, eine Tochter) studierte an der Ernst Busch Akademie für Schauspielkunst. Seit 2000 ist er im Ensemble der Berliner Schaubühne, wo er als „Hamlet“ und „Richard III.“ in Ostermeier-Inszenierungen zu einem der Großen der Theaterwelt aufstieg.

Eidinger kommt demnächst quasi im Wochentakt ins Kino. Vom 3. Oktober an wird er in Florian Henckel von Donnersmarcks Oscar-Anwärter „Werk ohne Autor“ zu sehen sein. In Christian Alvarts Thriller „Abgeschnitten“ spielt er vom 11. Oktober an einen Kinderschänder. Nur drei Wochen später ist Eidinger in Markus Göllers Roadmovie-Komödie „25 km/h“ unterwegs – zwei Brüder brechen zu der Mofa-Deutschlandtour auf, von der sie bereits als 16-Jährige geträumt hatten. Auch in der RTL-Miniserie „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ ist er dabei. An den Mörder in Fritz Langs Original von 1931, der in Berlin spielte (die neue Version in Wien) erinnert sich jeder. Er wurde von Peter Lorre gespielt. Auch dieser Schauspieler hatte Augen wie Abgründe. Big

Eine Übermenge an Stoff will Lang unterbringen, einen Parforceritt unternimmt er, in dem gelegentlich mehr ausgestellt als erzählt wird und manche Aktualisierung nicht besonders organisch wirkt. Nie kann man sich länger als ein paar Minuten auf eine Handlungsebene konzentrieren.

An einer Figur aber kann man sich festhalten: Lars Eidinger spielt Brecht als arrogant-verschmitzten Zigarrenraucher mit Stahlbrillengestell, der in jeder Diskussion die Oberhand behält und feixend mit einem Bonmot von dannen zieht. Alles, was aus Eidingers Mund kommt, ist Brecht-Originalton, collagiert aus Brecht-Stücken, Brecht-Briefen, Brecht-Gedichten. Der Drehbuchautor Lang hat diese Texte nach eigenem Gusto zusammengebaut.

Um Brecht herum spielt ein eindrucksvolles Ensemble deutschsprachiger Schauspielprominenz: Tobias Moretti als Mackie Messer, Joachim Król als mitleidloser Geschäftsmann Peachum, Claudia Michelsen als seine frustrierte Gattin, Hannah Herzsprung als sich emanzipierende Polly, Robert Stadlober als gewitzter Komponist Kurt Weill.

Brechts „Dreigroschenfilm“ ist insgesamt dennoch eher eine unterhaltsame denn eine aufrührerische Mischung. Bei einem solchen Klassiker ist das vielleicht gar nicht anders möglich. Aber man hat Freude an Brechts zeitlosen Gassenhauern und diesem tollen Ensemble.

„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, Regie: Joachim A. Lang, mit Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, 131 Minuten, FSK 6, Lumière Göttingen

Reden ist Silber, Schießen ist Gold

Action – sonst nichts! Mark Wahlberg in Peter Bergs filmischem Kugelhagel „Mile 22“

Von Stefan Beutelsbacher

BerlinSie arbeiten im Verborgenen. Ihre Missionen sind noch geheimer als die der CIA. „Wir sind Geister“, erklärt ihr Anführer James Silva zu Beginn des Actionthrillers „Mile 22“. Die neueste Mission führt die Spezialeinheit in ein fiktives asiatisches Land mit dem höchst unwahrscheinlichen Namen Indocarr, in eine fiktive Stadt in den Bergen. Dort, auf stickigen, verstopften Straßen, erwartet Silva und das Kinopublikum vor allem eines: Gewalt. Viel Gewalt.

Die Story ist schlank. Silva (Mark Wahlberg) soll den Informanten Li Noor (Iko Uwais) eskortieren. Li besitzt offenbar Kenntnisse über einen geplanten Anschlag auf die USA. Er wird von den Terroristen gesucht und hat sich in die amerikanische Botschaft Indocarrs geflüchtet. Nun will er das Land verlassen, aber es gibt ein Problem: Der nächste Flughafen liegt nicht um die Ecke – sondern 22 Meilen weit entfernt.

In dem Moment, in dem Silva und Li aus der Botschaft treten, beginnt ein brutales Spektakel. Gewehrkugeln pfeifen, Fenster bersten, Blut spritzt. Das Drehbuch von „Mile 22“ beschäftigt sich nur kurz mit weltpolitischen Verstrickungen – um sich dann möglichst schnell Handgranaten und Raketenwerfern zu widmen. Silvas Team wird gehetzt, ohne Gnade, ohne Pause. Regisseur Peter Berg reiht die Szenen so rasant aneinander, dass einem schwindelig werden kann.

Der Protagonist Silva fällt in dem Bilderwirbel vor allem durch zwei Dinge auf: seine Abgebrühtheit im Angesicht des Todes – und sein ewiges Gerede. Mal lässt er sich über die Weltgeschichte aus, mal über Waffen, mal über seine Ex-Frauen. Wahlberg spielt damit gewissermaßen einen neuen Typus Killer. Früher erledigten Superkämpfer ihre Widersacher meist schweigend. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone feuerten Kugeln durch die Gegend, keine Wortsalven. In „Mile 22“ hingegen wird beim Töten gerne gequatscht. Manchmal schleudert Wahlberg dem Publikum quasi-philosophische Gedankensplitter zu, aber meistens ist es nur Blabla.

Mark Wahlberg als Jimmy Silva in einer Szene des Films "MILE 22". Quelle: Courtesy of STXfilms

Wer in dem Werk eine höhere Wahrheit sucht, eine Lektion, irgendetwas, das man aus dem Kinosaal mitnehmen kann, der wird enttäuscht. Nicht einmal die Hauptfigur entwickelt sich weiter. Silva bleibt den ganzen Film über ein Befehle brüllender Rowdy. Ein Nervenbündel, immer in Eile, immer auf der Zinne. Statt Persönlichkeit bietet Silva Schimpf-Monologe, in denen sich ein „Fuck“ an das nächste reiht:„Fuck, Fuck, Fuck“.

„Mile 22“ hallt nicht im Zuschauer nach, höchstens der Lärm der Granaten tut es – und genauso dürfte es Regisseur Peter Berg auch geplant haben. Er drehte den Film nicht für Feinsinnige, er drehte ihn wohl für Menschen, die sich im Kino gerne Gewalt ansehen. „Mile 22“ ist pure Action. Berg scheint die Idee, alles aufs Wesentliche zu reduzieren, nach drei vorherigen Kooperationen mit Wahlberg – „Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“, „Patriots Day“ – perfektioniert zu haben.

„Mile 22“, Regie: Peter Berg, mit Mark Wahlberg, Lauren Cohan, 94 Minuten, FSK 16, Cinemaxx Göttingen

Komödie: Glücklich nur mit Mann

Hollywood hat das Seniorenkino als Marktsegment entdeckt. Nun kommt mit Bill Holdermans „Book Club“ ein Genreprodukt ins Kino, das sich an das weibliche Ü60-Publikum richtet. Im Zentrum steht ein Lesekreis, in dem sich vier Freundinnen treffen. Die Lektüre von „Fifty Shades of Grey“ sorgt bald schon dafür, dass die Damen sich wieder auf ihr eigenes Liebesleben besinnen. Die frisch verwitwete Diane (Diane Keaton) bändelt mit einem Piloten (Andy Garcia) an. Die Lebefrau Vivian (Jane Fonda) sieht sich mit einem Liebhaber aus alten Tagen konfrontiert. Die geschiedene Bundesrichterin Sharon (Candice Bergen) probiert ein Datingportal aus, und Carol (Mary Steenburgen) mischt ihrem Mann Viagra ins Bier. So bekommt jedes Töpfchen sein Deckelchen.

Mit erschreckender Einfältigkeit bedient Holderman die (unterstellten) Harmoniebedürfnisse seiner Zielgruppe. Wirklich ärgerlich ist jedoch die Idee dahinter: Offenbar können die Frauenfiguren im Film nur durch männlichen Beistand glücklich werden. (schw)

„Book Club“, Regie: Bill Holderman, mit Diane Keaton, Jane Fonda, 106 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen

Killer-Aliens kehren zurück

Vor 31 Jahren kam ein Action-Film in die Kinos, der zunächst bei der Kritik nicht nur auf Gegenliebe stieß, heute aber als einer der legendärsten Streifen des Genres gilt. Ein Film, der zudem knapp 100 Millionen US-Dollar einspielen konnte. Und das bei einem geschätzten Budget von kaum mehr als 15 Millionen. Der unter anderem mit der Action-Ikone Arnold Schwarzenegger besetzte „Predator“ rund um ein außerirdisches Monsterwesen war so erfolgreich, dass mehrere Nachfolger lanciert wurden, darunter etwa „Predators“ aus dem Jahr 2010. Nun findet eine weitere Forterzählung der Saga ihren Weg in die Kinos: Regisseur Shane Black („Iron Man 3“) berichtet von der Rückkehr der extraterrestrischen Killer. (dpa)

„Predator - Upgrade“, Regie: Shane Black, mit Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, 107 Minuten, FSK 16, Cinemaxx Göttingen, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Central-Lichtspiele Herzberg

Neues von Debra Granik

„Winter’s Bone“ (2010) von Debra Granik war nicht nur für mehrere Oscars nominiert. Mittels der US-Sozialstudie konnte sich auch die damals kaum, heute indes weltbekannte Aktrice Jennifer Lawrence nachhaltig ins Gedächtnis vieler Kinobesucher einschreiben. Jetzt lanciert Granik erneut ein Drama, in dem es um am Rande der Gesellschaft lebende Amerikaner geht. Im Fokus von „Leave No Trace“ stehen ein Vater und seine dreizehnjährige Tochter (Nachwuchs-Schauspielerin Thomasin McKenzie). Lange schon leben Will und Tom in einem Waldgebiet am Rande der nordwest-amerikanischen Stadt Portland. Eines Tages aber werden Vater und Tochter entdeckt. Basierend auf dem Roman „My Abandonment“ von Peter Rock.

„Leave no Trace“, Regie: Debra Granik, mit Ben Foster, Thomasin McKenzie, Dana Millican, 109 Minuten, FSK o.A., Cinemaxx Göttingen

Wenn kleine Kater groß werden

Tag und Nacht hüpft Findus auf seiner neuen Matratze herum, der genervte Petterson möchte dagegen seine Ruhe haben. Lösung des Problems: ein eigenes Spiel- und Hopshaus für den Kater, das sein väterlicher Freund ihm aus einer alten Klohütte baut. Findus findet Gefallen an seiner Selbstständigkeit - und zieht gleich ganz in sein neues Domizil. Darüber ist sein Herr nun wieder sehr traurig. Themen des dritten Films der beliebten „Petterson und Findus“-Trilogie nach den Kinderbuch-Weltbestsellern von Sven Nordqvist sind Erwachsenwerden, Abnabelung und Loslassen Können. Erneut unter der Regie von Ali Samadi Ahadi gibt es dabei ein Wiedersehen mit den Stars Stefan Kurt, Marianne Sägebrecht und Max Herbrechter. (dpa)

„Pettersson & Findus: Findus zieht um“, Regie: Ali Samadi Ahadi, mit Stefan Kurt, Marianne Sägebrecht, Max Herbrechter, 78 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Songs aus seinem Album „Ain’t Worth A Damn“ spielt der deutsche Bluessänger und -gitarrist Bad Tember Joe am Mittwoch, 12. September, auf der Bühne im Apex, Burgstraße 46, in Göttingen.

11.09.2018

Die musikalische Produktion „Schwanengesang“, Rausch und Requiem nach Franz Schubert, präsentiert das Deutsche Theater in Göttingen, Theaterplatz 11, am Mittwoch, 12. September.

11.09.2018

Zwischen Orchideen, Lianen, Epiphyten und anderen Tropenpflanzen entfalten sich Hunderte von bunten Faltern im Alaris-Schmetterlingspark in Uslar, Zur Schwarzen Erde 6.

11.09.2018