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Tipp des Tages Neue Radtour macht Halt im Weltall
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09:39 08.10.2018
Bei einer neuen Themenführung durch die Stadt Göttingen sind die Teilnehmer auf dem Fahrrad unterwegs.  Quelle: Katharina Meyer
Göttingen

Seit Sonntag können sich Göttinger und Besucher auf dem Fahrrad durch die Stadt führen lassen. Die Tour führt ins siebte Jahrhundert und macht Halt im Weltall.

Am Sonntag hatte die neue StadtführungGöttingen erfahren” des Tourismusvereins Göttingen Premiere. Auf dem Fahrrad führte das gut zweistündige Programm zu Göttinger Wahrzeichen außerhalb des Innenstadtkerns. Die anekdotenreiche Radtour ist für Kleingruppen buchbar.

„Jetzt brauchen wir eure Phantasie”, sagt Holger Kotzam. Die Gruppe steht an der Stadthalle. Die Teilnehmer der Stadtführung sollen sich vorstellen, alle Gebäude seien verschwunden. Um sie herum nur Wald und eine kleine Lichtung. Vorbei fließt die Gote Richtung Leine. „Ein paar Pfahlbauten stehen hier, die Wände aus Weidenruten und Lehm. Darin wohnt eine kleine Schar Menschen. Sie sind Viehhirten, Knochenschnitzer und Ackerbauern. Wir sind jetzt im 6. oder 7. Jahrhundert nach Christi, und hier liegen die Wurzeln Göttingens.” Durch Worte wie diese werden Aspekte der Geschichte Göttingens erlebbar, die Stadtführer Kotzam mit vielen Anekdoten und in einer Spanne von 14 Jahrhunderten erzählt.

Pensionierter Polizeibeamter, Chorleiter und Stadtführer

Kotzam ist Polizeibeamter, seit Kurzem pensioniert, Chorleiter von Chorios, Studierender im dritten Lebensalter und nun eben auch Stadtführer. „Mich jetzt zur Ruhe setzen? Nee, das ist nicht meins. Ich habe Lust, weiter Neues zu erfahren”, sagte Kotzam kurz vor seiner ersten Tour. Nach Jahren im Polizeidienst kennt er sich gut mit Konflikten in Göttingen aus. Die Radführungen sieht er als Chance, die positiven Seiten der Stadt stärker in den Fokus zu nehmen. Im Vergleich zum Stadtrundgang „können wir mit dem Rad einen weiteren Kreis schlagen und Göttingen dadurch umfassender kennenlernen“, so Kotzam.

Die Gruppe bleibt an diesem wolkigen Sonntagmittag trotz einiger Voranmeldungen klein. Der Oktober sei natürlich nicht die geeignetste Jahreszeit, um mit einem Outdoor-Projekt zu starten, gibt Kotzam zu. Andererseits lassen sich passionierte Radfahrer wie er von kühler Luft nicht abhalten und mit Handschuhen und dicker Jacke sind die zwei Stunden im Freien gut durchzuhalten.

Mit dem Fahrrad auf der Autobahn

Los geht`s am Bahnhof. Nach einigen Informationen zur Single-Situation in Göttingen erzählt Kotzam von den Göttinger Sieben und der Empörung über ihr Denkmal am Bahnhof. Kurz darauf wackelt das Göttingen-Fähnchen seines Fahrrads als Nummer 328 des Tages vorbei an der Zählstation der „ersten Fahrrad-Autobahn Deutschlands” (Kotzam) in Richtung Campus. Strampelnd umrundet die Gruppe die Innenstadt, bis kurz vorm Ende der Führung stets außerhalb des Walls. Wenige hundert Meter trennen die Orte, an denen die Teilnehmer absteigen, und Kotzam zum Besten gibt, was er durch seine Recherche in Bibliotheken, dem Stadtarchiv und im Internet über Göttingen gelernt hat.

„Jetzt werfen Sie mal einen scharfen Blick in diese Richtung. Da steht nämlich ein Kollege von mir“, sagt der Polizist im Ruhestand und weist auf Heinz-Erhardt-Figur, die in der Pose des Verkehrspolizisten an der Kreuzung Weender Landstraße / Nikolausberger Weg für Ordnung zu sorgen vorgibt. Die Figur stammt aus Erhardts „Natürlich die Autofahrer“, einem von fünf Filmen, die er in Göttingen gedreht hat. „Zwischen 1940 und 1961 war Göttingen Filmstadt”, sagt Kotzam. Während des Krieges seien die Requisiten aus Berlin-Babelsberg in zwei Scheunen in Reyershausen gelagert und später bei den Drehs in Göttingen eingesetzt worden. „Und wussten Sie, dass Göttingen mal einen Flughafen hatte?“, fragt er. So birgt die Führung gerade für Neugöttinger potenziell überraschende Geschichten.

Spuren Göttingens im All

Mit einer altmodischen Hupe sorgt der Guide für Aufmerksamkeit.  Quelle: Katharina Meyer

Mit seiner altmodischen Hupe im Anschlag führt uns Kotzam durch die Measurement Valley der Göttinger Messtechnik-Unternehmen zu den Leineauen und von dort aus in den Weltraum: Zur Sonde Rosetta, die bei ihrem Einsatz 2016 ein Messgerät der Göttinger Firma Sartorius verwendete. „So verbindet sich hier in Göttingen die Theorie der Universität mit der Praxis der Wirtschaftsunternehmen”, schließt der Radführer.

StadtführungGöttingen erfahren“ buchen

Feste Termine für Einzelpersonen sind derzeit nicht geplant. Gruppen bis zu zehn Personen, werktags maximal acht Personen, können die Tour auch während der Herbstmonate in der Touristeninformation Göttingen im Alten Rathaus oder telefonisch unter 0551/4998031 buchen.

Von Katharina Meyer

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