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Ausflüge 400 Jahre Weserrenaissance-Schloss Bevern
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21:32 15.03.2012
Prächtige Fassade: Weserrenaissance, ein Baustil mit regionalem Namen. Quelle: EF
Bevern

Fürstliche Residenz, Erziehungsanstalt, SA-Schule: das Baudenkmal im Weserbergland hat eine wechselvolle Vergangenheit. In sieben Themenbereichen, verteilt auf einer Fläche von 800 Quadratmetern präsentiert die Sonderausstellung die Geschichte des Schlosses in ihren unterschiedlichen Facetten und illustriert das Leben der Menschen im Schloss über 400 Jahre lang: angefangen mit dem Adelsgeschlecht, das dem Ort und dem Schloss seinen Namen gab bis zu den nach dem Zweiten Weltkrieg in Bevern gestrandeten Menschen aus Osteuropa sowie der Arbeit des Kulturzentrums heute. In vielen kleinen Geschichten und seltenen Exponaten zeichnet die Schau ein detailreiches Bild der Schlossgeschichte.

„Wunderlichen von Bevern“

Als prachtvolle Residenz für  den reichen Junker Statius von Münchhausen 1612 fertiggestellt, erlebte das Schloss seine Blütezeit im 17. Jahrhundert unter Herzog Ferdinand Albrecht I. von Braunschweig-Lüneburg. Dieser war ein leidenschaftlicher Sammler von Literatur und Kunst, wissenschaftlichen Instrumenten und allem, was er irgendwie bemerkenswert fand. Das schon zu Lebzeiten des „Wunderlichen von Bevern“ berühmte Kunst- und Raritätenkabinett ist ein Höhepunkt der Ausstellung.

Präsentiert wird eine große Auswahl der ursprünglichen Schätze des Kabinetts: Neben wissenschaftlichen Instrumenten wie einem frühen Mikroskop zeigt die Ausstellung Raritäten wie eines der ersten Exemplare einer Laterna Magica (kleines Foto), dem Vorläufer heutiger Filmprojektoren. Ein besonders wertvolles Exponat, kündigt das veranstaltende Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern an, ist auch die prächtig ausgemalte Glockendon Bibel von 1524, aus der Anfangszeit der Buchdruckkunst. Daneben zeigt das Kabinett auch spektakuläre Memorabilien wie den Steigbügel Julius Cäsars und Kurioses wie ein „Komponierkästchen“, den angeblichen Zahn eines Riesen oder Knochen vom Einhorn.

Erziehungsanstalt

Einen prominenten Raum für die nächsten sechs Monate erhält der Flügelaltar aus der St.-Johannis-Kirche in Meinbrexen, den Statius von Münchhausen einst in Auftrag gab. Erschaffen wurde der Renaissance-Altar wahrscheinlich von einem Hildesheimer Künstler.
Leitthema der Schau ist der Satz, der ihr den Titel gab: „Bist Du nicht artig, kommst Du nach Bevern!“ Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Strafe durch die Schicksale vieler Schlossbewohner. So hatten all jene Männer, Frauen und Kinder besonders zu leiden, die im 19. Jahrhundert in der „Correctionsanstalt“ durch harte Arbeit zu „besseren“ Menschen gemacht werden sollten. Später gehörten in einer Erziehungsanstalt für elternlose Kinder Strafen als Mittel der Erziehung zum Alltag. Diese Zeit heftete dem Schloss jene Redewendung an, die im Weserbergland zum Sprichwort geworden ist.

„Die Ausstellung bietet damit eine einmalige Gelegenheit, sich ein Bild von der Vergangenheit des Schlosses zu machen, wie sie wohl nie mehr wiederkommt“, sagt Christian Leiber, Leiter des Kulturzentrums Weserrenaissance-Schloss Bevern. So kommen für die Schau Objekte für ein halbes Jahr wieder an ihren Ursprungsort zurück, die weit über Europa hinaus auf Museen und private Sammlungen verstreut sind.

Veranstaltungsprogramm

Begleitet wird die Ausstellung das ganze Jahr über von Vorträgen, Führungen (auch für Besucher mit Handicaps), Open-Air-Veranstaltungen Konzerten, Theateraufführungen und einer nächtlichen Schloss-Party (am 14. Juli). Eine Führung am Mittwoch, 11. April, titelt „Geheimnisvolle Entdeckertour mit Spiel, Spaß und Spannung“. Ein philosophisches Schlossgespräch am 12. Mai widmet sich dem Thema „Freiheit und Verantwortung. Vom Zweck des Strafens“. Die Sonderausstellung wird bis 30. September gezeigt. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, Gruppenführungen nach Anmeldung. Infos unter Telefon 0 55 31 / 99 40 10. Das Veranstaltungsprogramm in dem jede Epoche des Bauwerks von 1612 bis heute vertreten ist, steht zum Download im Internet: schloss-bevern.de.

kah

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