Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Ausflüge Überraschend vielschichtig, weltoffen und jung
Mehr Familie Tipps Ausflüge Überraschend vielschichtig, weltoffen und jung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 21.05.2012
Weserrenaissance: Rathaus in der Fußgängerzone.
Paderborn

Katholisch ist Paderborn durchaus, mit den damit einhergehenden Sehenswürdigkeiten wie dem eindrucksvollen romanisch-gotischen Dom und dem angrenzenden, architektonisch im krassen Kontrast dazu stehenden Diözesanmuseum. Traditionell und historisch ist die Stadt – mit den Resten der mittelalterlichen Kaiserpfalz (Archäologisches Museum), einigen schönen Fachwerkhäusern (zum Beispiel das Adam-und-Eva-Haus) oder dem Weserrennaissance-Rathaus.

Und auch wenn böse Zungen bei manchem Gebäudebestand innerhalb des Altstadtringes von Bausünden sprechen – einen gewissen Charme kann man der Nachkriegsarchitektur nicht absprechen.

Paderborn ist auch jung und hat für kulturelle Kurzweil allerhand zu bieten. Welche Stadt leistet sich etwa in heutiger Zeit noch einen neuen, 24 Millionen Euro teuren Theaterneubau (im September 2011 mitten in der Stadt eröffnet)? Darüber hinaus locken wechselnde Ausstellungen in der städtischen Galerie in der Reithalle am Schloss Neuhaus. Ferner gibt es hier eine schöne barocke Gartenanlage, ein Beispiel für den hohen Freizeitwert der Stadt.

Die einstige Residenzstadt gilt zwar als konservativ, was aufgrund der kirchlichen Prägung zu vermuten ist. Sie sei aber auch weltoffen: „Wir hatten schon einen muslimischen Schützenkönig“, sagt der stellvertretende Touristik-Chef Karl Heinz Schäfer. Und Paderborn sei lebhaft. Das zeigt sich laut Schäfer vor allem beim Liborifest, einem der größten und ältesten Volksfeste Deutschlands. 1,5 Millionen Besucher bevölkern jedes Jahr Ende Juli die Partymeile in der Innenstadt – in diesem Jahr von 28. Juli bis 5. August.

Am besten lässt sich der Besucher bei einer Stadtführung von der Vielschichtigkeit der Stadt überzeugen und ihre gemütlichen Ecken und Winkel, darunter eine Vielzahl an Biergärten, zeigen – entweder klassisch beim historischen Stadtrundgang oder auf moderne Art und Weise per Segway-Tour, als GPS-Stadtrallye oder bei einer Geocaching-Schnitzeljagd. Gästeführerin Bärbel Höntzsch: „Paderborn kann mit anderen Städten durchaus mithalten.“

Deutschlands kürzester Fluss

Quellkeller: Im Gewölbe der ehemaligen Kaiserpfalz entspringt eine der Pader-Quellen.

Der Fluss Pader wird gespeist aus sechs Quellbächen. Der Wasserreichtum in Folge hydrogeologischer Schichtenverwerfung gilt als ungewöhnlich: mehr als 200 Quellen liegen im Stadtgebiet und sprudeln ganz ordentlich: etwa 5000 Liter Wasser pro Sekunde. Die Pader mündet nach vier Kilometern bei Schloss Neuhaus in die Lippe und ist damit Deutschlands kürzester Fluss. Sein Wasser misst ganzjährig zwölf bis 16 Grad. Paderborn hat sich mit ihrer „urbanen Wasserlandschaft“ als Unesco-Welterbe beworben.

Von Abacus bis Zuse

Das Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF) in Paderborn ist mit einer Ausstellungsfläche von 6000 Quadratmetern das größte Computermuseum der Welt. Im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Nixdorf Computer AG werden 5000 Jahre Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnik präsentiert: 2000 Objekte, 1001 Geschichten, wie es auf dem Deckblatt eines HNF-Faltblattes heißt. Das beginnt bei Keilschrift-Tafeln und dem Abacus bis hin zu Themen wie Robotik und künstliche Intelligenz oder den Rechenmaschinen des deutschen Computerpioniers Konrad Zuse.

„Getürkt“: Nachbau des Schachtürken von Wolfgang von Kempelen– ein „Automat“, der Schach spielen kann.

Der Besucher erfährt, wie Lochkarten hergestellt und genutzt wurden – die Jaquard-Steuerung von 1805 eines Webstuhls lässt sich zum Beispiel per Knopfdruck eindrucksvoll in Gang setzen. Imposant die Ausmaße des 1947 gebauten Großrechners: der ENIAC benötigte 80 Quadratmeter. Zum visuellen Vergleich: Der fingernagelgroße Chip von 1997 erbrachte die gleiche Rechnerleistung.

Zu den Besonderheiten des HNF zählen der sogenannte Schachtürke von Wolfgang von Kempelen aus dem 18. Jahrhundert, der als Nachbau zu sehen ist, und der original IBM-Bordrechner der Gemini-II-Raumkapsel (1963). Kaum mehr als eine Platine ist der Apple I aus dem Jahr 1976, von dem es weltweit nur noch 70 Exemplare gibt. Mit Minibildschirm und Tastatur versehen ist der zwölf Kilogramm schwere Laptop von Osborne (1983).

Das HNF lässt die Besucher vieles selbst probieren. So kann man mit dem Avatar über den gleichnamigen Film kommunizieren oder gegen einen Computer „Schnick-Schnack-Schnuck“ spielen.

Paderborn-Infos

Paderborn gilt mit etwa 145 000 Einwohnern als zweitgrößte Großstadt Ostwestfalens. Die Stadt mit einer über 1200-jährigen Geschichte ist Hochschulstandort (Universität, Theologische Fakultät, Katholische Fachhochschule und Fachhochschule der Wirtschaft) mit zusammen etwa 17 000 Studierenden.
Paderborn ist von Göttingen aus entweder über die A 7, die A 44 und die A 33 (rund 150 Kilometer) oder über Uslar (B 241), Beverungen (B 83) und Bad Driburg (B 64) – etwa 120 Kilometer – jeweils in etwa anderthalb Stunden zu erreichen.
 Die Bahn bietet ICE-Verbindungen über Kassel-Wilhelmshöhe oder über Hannover an (mit Umstieg) oder mit der Bodenfelder- und der Nordwest-Bahn (umsteigen in Ottbergen) an. Die Zugfahrt dauert knapp zwei Stunden. Informationen im Internet: paderborn.de/tourismus und hnf.de

Überraschend vielschichtig, weltoffen und jung: Paderborn hat dem Ausflügler mehr zu bieten als nur Kirchenkunst. Einen Theaterneubau für 24 Millionen gibt es in der Stadt ebenso wie eine barocke Gartenanlage. Das Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF) in Paderborn ist mit einer Ausstellungsfläche von 6000 Quadratmetern das größte Computermuseum der Welt.

Von Britta Eichner-Ramm

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!