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300 Euro kostet eine Blumenzwiebel

Schneeglöckchen 300 Euro kostet eine Blumenzwiebel

Würden Sie 300 Euro für eine winzige Blumenzwiebel zahlen, die sich mit Glück im nächsten Jahr in ein bescheidenes weiß blühendes Pflänzchen verwandelt? Schütteln Sie nicht zu voreilig den Kopf, schon manchen Gartenmenschen hat die Galanthophilie ganz unvermutet gepackt! Galanthophilie? – Natürlich, darin steckt Galanthus. Von den Schneeglöckchen also, diesen tapferen kleinen Hoffnungsträgerinnen in Weiß, ist heute die Rede.

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Lieb und teuer: Schneeglöckchenfreunde zahlen für die begehrtesten Sorten extrem hohe Beträge.

Quelle: Traub

Wie kommt es, dass uns gerade ihr Anblick so anrührt? Warum vermögen ausgerechnet sie es, uns die Vorfreude auf die erwachende Natur so unmittelbar spüren zu lassen, schließlich gibt es auch andere „Frühaufsteherinnen“ im Garten. Und ist es nicht ein viel rauschenderes Fest, wenn sich nur wenig später ihre prächtige Verwandtschaft, die Leucojum vernum, unsere Märzenbecher, in den Wäldern die Ehre geben? Oh ja, das ist es, aber diese erste, schon mitten im Winter aufkeimende Hoffnung auf Wärme, Licht und neues Leben, die verbinden wir eben doch mit den zarten, fast schüchtern daherkommenden weißen Glöckchen.

Und was hat das nun mit dem eingangs erwähnten stattlichen Geldbetrag zu tun? Die Lust am Jagen und Sammeln hat sich ganz offensichtlich tief in uns einen Platz bewahrt und im Laufe der Jahrhunderte schon die sonderbarsten Blüten getrieben. Denken wir nur an die Tulpomanie, diesen Wahn, der nach halsbrecherisch eskalierender Spekulation im Jahr 1637, (man weiß es tatsächlich so genau) jäh kollabierte, ungezählte Existenzen vernichtete und so etwas wie den allerersten „Börsencrash“ der Geschichte markiert.

Na, so schlimm wird es für die „Galanthophilen“, also die ständig wachsende Gemeinschaft der Schneeglöckchenfreunde, wohl nicht kommen. Die Welle ist, wie soll es anders sein, über England und die Niederlande zu uns herübergeschwappt. Denn wer denkt, es gibt das eine Schneeglöckchen, der lasse sich belehren, dass neben dem wohl allen bekannten Galanthus nivalis inzwischen viele hundert Sorten kultiviert werden. Ständig kommen neue hinzu, durch Kreuzungen, aber oft auch durch aufmerksame Sammler, die in ihren Beständen Mutationen entdecken und auslesen. Was gibt es nicht schon alles in der Palette: Gerüschte kleine Prinzessinnen wie „Ballerina“ – der Name könnte nicht passender sein - oder „Grumpy“, dieses drollige Kerlchen, dessen grüne Zeichnung der Innenpetalen an ein grimmiges kleines Schmollgesicht erinnert, „Hunton Giant“ ist tatsächlich ein Riese mit seinen 50 Zentimetern Laubhöhe, „Fiona’s Gold“ mit ihrem gelben Fruchtknoten und den ebenfalls gelb überhauchten Innenpetalen heißt eine der noch seltenen gelben Schönheiten.

Und wie nähern sich nun infektionsbereite Gartenfreunde dem Thema? Man besuche eine der auch hierzulande inzwischen stattfindenden Galanthus-Galas (sie heißen wirklich so, aber keine Sorge, außer den Objekten der Begierde macht sich hier niemand schick). Dort mische man sich mit offenen Augen unter vorsichtige Schnupperer, erfahrene Jäger, zielstrebige Sammler und unheilbare „Süchtige“, nehme mit Erstaunen wahr, dass zwar tatsächlich 300 Euro und mehr für die rarsten und begehrtesten Sorten gezahlt werden, man aber auch schon für sehr zivile Beträge kleine Kostbarkeiten nach Hause tragen kann.

Ein Termin für eine der nächsten Börsen sind die Nettetaler Schneeglöckchentage von Sonnabend, 25. bis Sonntag, 26. Februar. Informationen gibt es unter 0 21 53/59 67 oder oirlicher-blumengarten.de. Nachlesen geht auch: Schneeglöckchen, Zauber in Weiß, Günter Waldorf, DVA 2011.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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