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Gartentipps im Mai Arbeiten oder meditieren

Der Mai ist der Monat der Wahrheit im Garten. Jetzt zeigt sich, ob die Beetgestaltung gelungen ist – oder verbesserungswürdig.

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Gelungen: ein üppig bewachsenes Staudenbeet.

Quelle: Callauch

Im Jahr 1887 wurde Kommandant Ren Lansheng von der chinesischen Präfektur Anhui wegen der Veruntreuung von Geldern vom Dienst suspendiert. Das Verfahren zog sich hin und da es noch keine ausländischen Banken gab, auf denen man das Geld verstecken konnte, legte Ren mit dem Kapital einen Garten an, in dem er meditieren und seine Taten bereuen konnte. Der Garten existiert noch heute als „Garten der Meditation“, ist eine Touristenattraktion und widerlegt einmal mehr die Weisheit, dass „Unrecht Gut nicht gedeihet“.

Gärten gedeihen in China mindestens genauso lange wie in Europa und mehr als hier sind sie trotz aller Kultur- und sonstigen Revolutionen am Ort erhalten geblieben. In nur einem der etwa 15000 chinesischen Schriftzeichen, dem Yuan, sind sogar alle wichtigen Komponenten für einen gelungenen Garten in grafischer Form enthalten: Ein großes „T“ für einen kleinen Pavillon, ein Rechteck für einen Teich, dazu das Zeichen für eine Pflanze und einen Fels. Die wenigsten von uns werden bei der Gestaltung ihres Gartens die großartigen Anlagen Chinas vor Augen gehabt haben, doch wenn der Garten gelingen soll, dann ist es gut, sich immer mal wieder ein paar Grundlagen der Grüngestaltung vor Augen zu führen.

Gerade im Mai wird offenkundig, ob die Beetgestaltung gelungen ist. Werden jetzt nach der Abblüte der Tulpen und Osterglocken zunehmend Kahlflächen sichtbar, die noch dazu rasch verkrauten, so ist die Bepflanzung vielleicht noch verbesserungswürdig. Rasche Abhilfe kann man mit dem erneuten Auslegen von Zwiebeln und Knollen machen, die dann in wenigen Wochen mit Sommerflor den Raum füllen werden. Dazu eignen sich Gladiolen, Ananasblume und vor allen Dingen die unübertrefflichen Dahlien.

Würdige Nachfolge  

Neu und ungewohnt sind die Aronstab-artigen Callas, deren gelbe, weiße und orangefarbene Hochblätter eine würdige Nachfolge der langsam vergilbenden Tulpenblätter darstellen. Man setzt sie jetzt direkt zwischen die einziehenden Tulpen und Osterglocken, ohne diese abzuschneiden. Zur Stärkung düngt man einmal kräftig mit rasch wirkendem Dünger, der in die Krume eingearbeitet wird. Erst wenn die Blätter der Frühlingsblüher anfangen zu vergilben, entfernt man sie mit der Schere.

Natürlich macht diese Vorgehensweise etwas Arbeit und entfernt uns damit vom Ideal eines Gartenglücks frei von Sorgen. Die daoistische Idee des „Nichteingreifens in den Lauf der Dinge“, ein Grundpfeiler chinesischer Gärten, wäre so nicht verwirklicht, und sie ist doch auch heute aktuell, wie der Buchtitel „Garten für intelligente Faule“ von Karl Ploberger zeigt.

Das Gartenerlebnis als Muße und Meditation zu begreifen, denn als drückende Arbeit, geht leider an vielen modernen Gartenbesitzern vorbei. Doch eine gute Pflanzung kann viel Arbeit sparen und den Garten als Quelle des Glücks und nicht der Belastung erfahrbar machen. Idealerweise löst eine Blütenwelle die nächste im Jahresverlauf ab, ohne dass der Gärtner im Schweiße seines Angesichts ständig eingreifen muss.

So können bereits während der Tulpenblüte die flachen Teppiche von Polsterphlox, Waldsteinie und Frühlings-Gedenkemein den Boden bedecken und das jähe Ende der Zwiebelpflanzen auffangen. Sie werden leicht von Rodgersien, Tränendem Herz und Orientalischem Salomonssiegel durchdrungen, die langjährig und sofort den Platz füllen und den Übergang zur nächsten Saison vermitteln.

Gute Kandidaten

Auch Sockenblumen und Kaukasus-Vergißmeinnicht sind gute Kandidaten für das nachhaltige Blühen im Staudenbeet. Im Schatten einer Haus-Nordseite und unter Bäumen wird man mit Funkien, Immergrün sowie Farnen einen dauerhaften Flor einrichten können. Bis zum Herbst beleben Astern, Astilben und Japan-Anemonen die Staudenbeete. Anregungen für geglückte Pflanzungen gibt es auf ehemaligen (Kassel-Siebenbergen) und laufenden Gartenschauen (Schwerin) genug. Investitionen in einen gelungenen Garten sind fürs ganze Leben und, wie man am Garten der Meditation in Anhui sieht, weit darüber hinaus.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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