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Blütenmeer schmückt Wald und Garten

April ist Monat für Sinne Blütenmeer schmückt Wald und Garten

Die Kalkbuchenwälder sind voller Anemonen, Schlüsselblumen und Leberblümchen, ein Reichtum, den man erst dann richtig zu schätzen lernt, wenn man einmal die artenarmen Wälder der Sand- und Silikatböden in anderen Regionen Deutschlands im Frühling besucht hat. Allen voran hat bereits im März der Seidelbast seine duftenden, rosa Blüten geöffnet.

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Rosa Blütenpracht: Der Judasbaum stellt eine besondere Gartenattraktion dar.

Quelle: Callauch

Nach einem langen, kalten Winter wird jede Blüte im Garten und in den artenreichen Wäldern rund um Göttingen ungeduldig erwartet. Von Tag zu Tag öffnen sich weitere Pflanzenarten der Sonne und bieten dem aufmerksamen Beobachter ein spannendes Schauspiel von der Entwicklung in der Natur.

Ebenso wie Schwarzdorn, Forsythie, Kornelkirsche, Zaubernuss und Kanadischer Judasbaum blüht er, bevor die Blätter erscheinen und stellt damit eine besondere Gartenattraktion dar. Alle der genannten Arten kann man gut in unseren Gärten kultivieren, doch sollte man sie im Handel kaufen oder aus bereits vorhandenen Gartenbeständen vermehren und mit den Nachbarn tauschen, denn einige Arten sind geschützt. Ein besonders auffälliges Blütenspektakel bieten die Magnolien. Alle Magnolien sind Gehölze und gehören zu einer uralten Pflanzengruppe, die viele Botaniker für sehr ursprüngliche Vertreter der Blütenpflanzen halten. Bereits in der Kreidezeit vor mehr 100 Millionen Jahren waren Magnolien ein wichtiger Bestandteil der großen Wälder auf allen Kontinenten. In den Kaltzeiten des Quartärs sind sie verloren gegangen.

Ginkgo und der Mammutbaum

Ebenso wie der Amberbaum (Liquidambar), der Ginkgo und der Mammutbaum haben die immer wiederkehrenden Vorstöße der Eismassen dieser Art schließlich in Europa den Garaus gemacht. Zum Glück überlebten sie in Asien und Nordamerika und können heute alle wieder als frostharte und attraktive Gartengehölze bei uns gepflanzt werden. Die Magnolien mit ihren großen, auffällig gefärbten Blüten und den hellgrünen Blättern sind besonders beliebt. Die Sternmagnolie (Magnolia stellata), die Purpur-Magnolie (M. liliiflora) und natürlich die vielen Sorten der Gartenmagnolie (Magnolia x seloungeana) sind auf unseren Böden durchaus gutwüchsig und verbreitet, seltener sieht man die Kobushi-Magnolie (M. kobus und weitere großblättrige Magnolien aus Nordamerika wie die gelbblühende Gurgen-Magnolie (M. acuminata ssp. subcordata).

Jedes Jahr bleibt es spannend, ob die großen, im April austreibenden Blüten der Garten-Magnolien die nächtlichen Spätfröste überstehen oder nach einem grandiosen Start nach einer Nacht bereits braun werden und abfallen. Wer sich nicht an diesem Nervenkitzel beteiligen will, der pflanzt gleich die Purpur-Magnolien, die etwas später blühen und normalerweise nicht vom Spätfrost betroffen werden. Wenn die angekündigte Klimaerwärmung eintritt, gehören die Magnolien sicher zu den Gewinnern in der Gehölzkultur.

Vorkommen im warm-gemäßigtem China

Besonders die immergrüne Magnolia grandiflora steht in Mitteleuropa an der Schwelle zur Winterhärte, denn leichte Fröste schaden ihr nicht, wie ihre Vorkommen im warm-gemäßigtem China und in Nordamerika zeigen. Die eindrucksvollen Bäume entwickeln kopfgroße Blüten und attraktive Fruchtstände, aus denen die roten Samen blank geputzt heraushängen.

Bereits jetzt kann man einen Pflanzversuch starten, die Erfahrungen in klimatisch begünstigten Anlagen wie dem Alten Botanischen Garten in Göttingen sind vielversprechend. Zwar ist die eigentliche Pflanzzeit jetzt vorbei, doch dank der heute aktuellen Kübelpflanzenkultur können fast alle erwähnten Gehölze auch bis in den Sommer hinein erworben und gepflanzt werden, wenn auch zu höhen Preisen als wurzelnackte Ware.

Viele stört das nicht, der schnelllebigen Zeit entsprechend, möchte man rasch etwas Schönes und Großes im Garten haben, Geduld ist nicht unbedingt ein Merkmal des 21. Jahrhunderts. Um so schöner ist es dann, wenn ein Garten nach jahrelanger Gestaltung endlich die Form annimmt, die man sich gewünscht hat und darüber hinaus mit überraschendem, natürlichen Wachstum Aspekte schafft, die man so gar nicht geplant hatte, die aber zum genüßlichen Betrachten und damit zur Ruhe in unruhigen Zeiten einladen. Ein Garten hat eben immer drei Seiten: Die, die der Besitzer sieht, die die der Betrachter jenseits des Zauns wahrnimmt und jene, die von der Natur gestaltet wird.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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