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Bunte Farben trotzen dem Grau

Gartentipps für November Bunte Farben trotzen dem Grau

Das kupferfarbene Laub der Buchen zaubert dieses Jahr eine lang währende, goldene Herbststimmung in unsere Wälder und Parks, weil die Temperaturen Anfang November noch mild sind und viel Sonne scheint.

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Schönheit unter den Herbstblühern: Herbstzeitlose (Colchicum speciosum).

Quelle: Callauch

Auch die Ahorne, Pfaffenhütchen, Kirschen und Schneebälle sind besonders bunt gefärbt, und einen echten „Indian Summer“ kann erleben, wer Amberbaum, Tintenbeere und Eisenbaum gepflanzt hat, denn diese steuern die im europäischen Herbst eher seltene Farbe Rot bei.

Dabei ist die Herbstfärbung lediglich Ausdruck der zellulären Abbauprozesse in den Pflanzenblättern und die farbigen Pigmente sollen diesen wichtigen Prozess schützen. Zu starke Sonneneinstrahlung kann die Verlagerung von wertvollen Nährstoffen aus dem Kronenraum in Stamm und Wurzel unterbrechen, so dass mit dem Blattabwurf zu viele davon verloren gehen könnten. Die Pigmente absorbieren überschüssiges Licht, schützen die empfindlichen Transportmechanismen und ermöglichen den Pflanzen eine Sicherung wertvoller Stoffe für den Austrieb im nächsten Frühling.

Es ist ein Wunder, dass wir Menschen diesen profanen molekularen Vorgang makroskopisch als spektakuläres Naturerlebnis wahrnehmen und ein Grund dauernder Freude im Herbst. Da wir noch mitten in der Pflanzzeit stehen, kann man die überall sichtbare Farbenpracht nutzen und sich für eigene Neupflanzungen die schönsten Gehölzarten mit Herbstfärbung aussuchen.

Felsenbirnen, Schneebälle und Spireen,

Neben den bereits erwähnten Gehölzen sind es bei den Sträuchern Felsenbirnen, Schneebälle und Spireen, die leuchtende Farben bilden, bei den Bäumen Zucker- , Fächer- und Tataren-Ahorn, Ginkgo und eigentlich alle ostasiatischen Zierkirschen.

Herbstfärbung an einem sonnigen Novembertag zu genießen kann ein echter Grund dafür sein, das warme Heim für einige Stunden zu verlassen. Gute Ziele dafür sind die Forstbotanischen Gärten in Göttingen und Hann. Münden, die Botanischen Gärten Göttingens sowie die Kasseler Karls­aue und die grandiose Wilhelmshöhe, wo eine große Artenvielfalt zu finden ist.

Trockene Tage im November sind eine gute Gelegenheit, die Sommerblumenbeete abzuräumen, hässlich gewordene Stauden abzuschneiden und immer noch Zwiebeln und Knollen für die Frühlingsblüte im Boden zu versenken. Während die Frühjahrs-Krokusse jetzt zeitgerecht unter die Erde gebracht werden, ist für die noch blühenden Herbst-Krokusse die Pflanzzeit eigentlich schon vorbei, denn sie werden bereits im August gelegt und sind jetzt zu bewundern. Trotzdem kann man sie mit verwenden, denn oft sind sie jetzt genauso im Angebot der Gartencenter wie die ebenfalls herbstblühenden Zeitlosen.

Zu empfehlen sind die Herbstkrokusse Crocus robustus (blau), der blauviolette C. kotschyanus und der Safran-Krokus C. sativus (hellviolett). Besonders C. robustus kommt unter Gehölzen und zusammen mit duldsamen Frühlingsstauden wie Nieswurz und Dreizipfel-Lilien viele Jahre verlässlich wieder und ist eine Quelle dauernder Gartenfreude. Das gleiche gilt für die Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale und C. speciosum), deren Blüte eine rosafarbene Offenbarung ist, sofern man nicht die üppigen Blätter im Frühling rigoros abgeschnitten hatte, um den Rasen zu mähen oder die Sommerblumen auszubringen.

Blattschopf schützt vor Nässe und Frost

Die großen Gräser wie Chinaschilf und Pampasgras gehen nun ungeschnitten in den Winter, denn ihr Blattschopf schützt sie vor Nässe und Frost. Erst wenn nasser Schnee ihre stolze Gestalt in die Knie zwingt, werden sie zurückgeschnitten oder gegen stauende Nässe zusammengebunden.

Gegen Ende des Monats wird es immer dunkler und ungemütlicher im Garten, so dass die Zeit fürs Adventskranzbinden gekommen ist. Vieles kann man aus dem eigenen Garten verwenden, besonders die feinen Äste der grünen Scheinzypressen eigenen sich gut für langlebige Kränze.

Vielleicht ist nach der Pflanzzeit endlich Zufriedenheit eingekehrt und frohe Erwartung auf den nächsten Frühling, so wie es Hoffmann von Fallersleben ausgedrückt hat: „Ich habe gesorgt schon treu und gut, und was jetzt still in der Erde ruht, das wird bei des Lenzes Wehen erstehen.“

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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