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Die Feine unter gutgelaunten Grobianen

Juli: Felberiche Die Feine unter gutgelaunten Grobianen

Felberiche! Diese fürchterlichen Dinger pflanze ich nie mehr!“ Das höre ich oft. Zugegeben, Felberiche sind schon, na ja, wie manche von uns: Kennen wir sie nicht alle, diese beneidenswert vitalen, wenig rücksichtsvollen Zeitgenossen, deren erstaunliches Selbstbewusstsein kongenial von einem völlig unbekümmerten Gemüt begleitet wird?

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Schmückt sich mit faszinierend burgunderroten Blütenkerzen: Lysimachia atropurpurea.

Quelle: Traub

Das sich – bei prächtigster Laune – von solchem Firlefanz wie Empfindsamkeit, gutem Benehmen oder gar Unrechts­bewusstsein erfolgreich fernhält?

So sind sie wohl wirklich, die Felberiche – aber keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt ein weißes Schaf unter diesen Gesellen! Darüber wird noch zu reden sein, ist es doch ein echtes Garten-Schmankerl und hierzulande fast noch ein Geheimtipp! Aber zunächst zurück zu den gutgelaunten Grobianen: Die meisten von uns kennen die leuchtend gelb blühende Art (botanisch: Lysimachia punctata).

Für sie und ihre Geschwister, etwa den schönen, im Frühjahr kraftvoll schwarzrot startenden „Firecracker“ mit seinem später etwas vergrünenden Laub und den allerliebsten zart-zitronen­farbenen Sternblütchen, oder den knallgelb blühenden, weiß­bunt belaubten „Alexander“ (man muss ihn nicht mögen) und die weißblütigen Sorten mit ihren nickenden oder aufrechten Blütenkerzen, gilt: Man sollte sie zu nehmen wissen! Pflanzen wir sie in die Nähe zarter, schwachwüchsiger Gartengeschöpfe, finden sie auch noch frischen, schweren Boden vor, werden sie ihre Vitalität lustvoll ausleben und in aufgeräumter Stimmung alles um sich herum zum Kollateralschaden erklären.

Paroli bieten

Setzen wir sie aber zu Nachbarn, die ihnen Paroli bieten können, wie beispielsweise starkwüchsige Staudensonnenblumen (es gibt etliche Sorten), viele Gräser, Astern (nicht alle!), Indianernesseln oder Knöteriche, wandeln sich Seufzer und Flüche in Freude über ihre unerschütterliche Gesundheit, völlige Genügsamkeit, absolute Schneckenresistenz und die Bereitschaft, auch mit Plätzen im Garten Vorlieb zu nehmen, an denen Verwöhntere längst kapituliert hätten.

Und was ist nun mit dem weißen Schaf? Rotschopfige Tochter würde eigentlich besser passen! Die Dame heißt Lysimachia atropurpurea, was viel eleganter klingt als Purpur-Gilb­weiderich, finden Sie nicht auch? Sie schmückt sich mit silbrigem, fein geadertem Laub, trägt lange Zeit im Sommer faszinierend burgunderrote Blütenkerzen, ist sich zu fein zum Wuchern und erfreut, obgleich von kräftiger Gestalt (50 bis 70 Zentimeter schafft sie mühelos), durch ein sanft-bescheidenes Wesen.

Von Rosen wird sie als Gesellschafterin hoch geschätzt, aber auch den Kolleginnen im Staudenbeet ist ihre geheimnisvolle dunkle Blütenfarbe sehr willkommen. In schweren Böden stimmt sie ein wenig grober Sand doch dankbar. Allzu große Trockenheit macht ihr zu schaffen – und im Schatten, da mag sie nun wirklich nicht sein. Versuchen Sie es mal mit ihr, sie ist, ganz und gar unverdient, ein viel zu seltener Gast in unseren Gärten!

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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