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Die Olive des Nordens ist anspruchslos

Die Weidenblättrige Birne Die Olive des Nordens ist anspruchslos

Der Traum vom Süden - was ist das eigentlich? Lichtdurchflutete Landschaften, leuchtende Farben, sirrende, flirrende Luft, intensive, köstliche Speisen, gelbe Sonnenblumenfelder und Lavendel bis zum Horizont, silbrig blau, betörend duftend. Solche Bilder sind wohl meist dabei. Apropos Silber – dazu kommen wir später noch.

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Südlicher Charme: Die spektakuläre Blüte von Pyrus salicifolia pendula zeigt sich bereits im April.

Quelle: Traub

Gärtner sind jedes Jahr aufs Neue verführt, sich die Sehnsucht nach dem Süden in Pflanzengestalt auf die Terrasse und – noch lieber – in die Beete zu holen. Zunehmend häufiger verlocken uns verheißungsvolle Angebote, besondere, fast winterharte Selektionen diverser mediterraner und noch weiter gereister Schönheiten in unsere Gärten zu pflanzen.

Ach ja, ein Olivenbaum im eigenen Garten, das wäre schon etwas. Klimaerwärmung heißt das magische Wort, das nicht selten unsere Zweifel – voreilig – verscheucht. Natürlich, es liegt ein besonderer Reiz, vielleicht sogar Zauber darin, Außergewöhnliches, Gewagtes im eigenen Garten zu versuchen. Auch ist diese Neigung nicht so furchtbar neu. Ein paar hundert Jahre gibt es sie wohl schon. Dem zunächst rein wissenschaftlichen Interesse der ersten „Pflanzenjäger“ folgte schnell die Sammelleidenschaft wohlhabender Auftraggeber. Heute geht es da zweifellos demokratischer zu, jeder kann zum Pflanzenjäger werden – ein Mouseclick, und man ist dabei. Warum nicht einmal Pionier sein? Die Mutigen unter uns sind wohl ohnehin nicht zu bremsen, ein Glück, denn gäbe es sie nicht, wir wären in unseren Breiten wohl um etliche botanische Errungenschaften ärmer.

Was das Gedeihen von Olivenbäumen im mitteleuropäischen Klima angeht, da wollen wir aber lieber nicht zu optimistisch sein. Wie wäre es stattdessen damit, sich auf längst vorhandene Schätze zu besinnen? Ganz zu Unrecht sieht man Pyrus salicifolia pendula, zu Deutsch die Weidenblättrige Birne, eher selten in unseren Gärten. Sie trägt den sehr passenden Beinamen „Olive des Nordens“ und ist eine ausgesprochene Schönheit. Unseren Wintern begegnet sie von jeher mit Gelassenheit. Auch der kälteste und längste hindert sie nicht daran, sich bereits im April über und über mit kleinen weißen Blüten zu bedecken, die übrigens, ganz unvermutet bei so viel Charme und Poesie, kräftig nach frisch gebackenem Brot duften. Für die Frühaufsteher unter den Insekten eine willkommene Gabe – ihr Summen und Brummen ist weithin zu hören.

Der zierliche Wuchs mit malerisch, wie Brautschleppen herunterhängenden Zweigen und ihr filigranes, silbernes Laub macht sie bestens geeignet, auch oder gerade in kleinen Gärten einen großen Auftritt zu haben. Zierlich, biegsam und anmutig wie eine kleine Tänzerin steht sie da, aber keine Sorge, so schnell wirft sie nichts um. Wind? Der darf gern brausen, da wiegt man sich geschmeidig mit. Ansprüche? Nun wirklich nicht viele.

Zugegeben, eine Sonnenanbeterin ist sie, da gibt sie sich tatsächlich ganz mediterran, und ein allzu schwerer Boden ist ihr nicht angenehm. Kalk hingegen liebt sie sehr, gedeiht aber im leicht sauren Milieu genauso munter. Genügsam und anpassungsbereit nimmt sie, was wir ihr geben können. Grandios macht sich die kleine „Olive“ im Rosenbeet und sorgt dort für einen reizvollen Akzent. Sehr spät im Jahr erst fällt das Laub und mit ihm die vielen haselnusskleinen Holzbirnchen, mit denen sie sich bis dahin schmückt. Der Traum vom Süden – manchmal ist er ganz nah.

Von Angelika Traub

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