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Entwicklung der Gartenkultur über Jahrtausende

Gärten in Ägypten und China Entwicklung der Gartenkultur über Jahrtausende

Eine längere Kälteperiode im Januar mit klirrendem Frost und einer dicken Schneedecke über den Gartenbeeten erinnert uns daran, dass wir in einer Zwischeneiszeit leben. Jeder warme Sommertag ist das Geschenk einer kurzen Klimaerwärmung zwischen zwei 100    000 Jahre langen Eiszeiten.

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Tradition: 1000- jähriger chinesischer Garten in Suzhou.

Quelle: EF

Die Stellung der Erdachse, die Aktivität der Sonnenflecken und die Verteilung der Kontinente auf unserem Planeten bestimmen das Klima in geologischen Zeiträumen. Wir leben derzeit in einer durch Kälte gekennzeichneten Zeitperiode, die nur durch kurze Warmzeiten unterbrochen wird.

Dieses Klima hat wenig gemein mit den lang dauernden Warmzeiten etwa im Karbon vor etwa 300 Millionen Jahren, als Wälder unseren Planeten von den Polen bis zum Äquator bedeckten. Damals sind aus baumförmigen Farnen, Bärlappen und Schachtelhalmen die Steinkohleflöze entstanden, die heute verheizt werden.

Gegenwärtig befindet sich die Erde in einer anderen Position, doch die nächste Eiszeit kommt bestimmt. Als es vor etwa 10    000 Jahren Frühling wurde und die große nördliche Eiskappe rasch zu schmelzen begann, hinterließ uns das zurückweichende Eis die fruchtbaren Böden, die wir heute in Deutschland bearbeiten können.

Aus der Tundra, die damals Deutschland bedeckte, entwickelte sich rasch eine temperierte Waldlandschaft und über wenige Jahrtausende wurden Ackerbau und sesshafte Besiedlung möglich. Die Entwicklung der ersten Hochkulturen am Nil und zwischen Euphrat und Tigris spielten eine entscheidende Rolle für die Kultur und damit die Gartenkultur.

Bereits vor etwa 3500 Jahren wurden geometrische Gartenanlagen mit Mauern und Wasserbecken auf Wand- und Grabmalereien in Ägypten festgehalten. Sie sind die ersten Belege für eine hoch entwickelte Gartenkultur, die längst nicht mehr nur der Ernährung, sondern dem Anbau von Genuss- und Zierpflanzen diente. Auf der Grabmalerei aus der Zeit Tutmosis III. um 1475 können wir bereits Wasserpflanzen in künstlichen Becken mit Seerosen und Lotosblumen erkennen. Weinreben decken Spaliere, Feigen und Dattelpalmen spenden Schatten. Geometrische Formen prägen die Gartenanlagen, gerade Wege verbinden Schattenplätze und Wasserläufe, eine Mauer schirmt das Paradies ab.

Chinesische Gartenkultur

Die meisten dieser antiken Gestaltungselemente wurden in späteren Gartenkulturen der Griechen, Römer und schließlich in den repräsentativen Anlage der barocken Großmächte nördlich der Alpen aufgenommen und weiter entwickelt. Erst in den Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts finden sich Elemente aus dem fernen Osten. Pagoden, Teepavillions und Drachendächer künden vom Kontakt Europas mit der chinesischen Gartenkultur.

Marco Polo war im 13. Jahrhundert der erste, der aus dem fernen Osten berichtete, die Jesuiten im 16. Jahrhundert gaben bereits detaillierte Beschreibungen der Pflanzen und Anlagen. Schon damals wurden Forsythien, Pfingstrosen, Zierkirschen und Chryanthemen als Bestandteile der chinesischen Gärten beschrieben. Wahrscheinlich ist Chinas Gartenkultur die älteste der Welt. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass bereits vor etwa 7000 Jahren im fruchtbaren Lößgebiet am Jangt- se erste Bauern sesshaft wurden und den Ackerbau begannen.

Zwar liegen aus dieser Zeit keine Abbildungen vor, es ist aber wahrscheinlich, dass neben die Ernährungspflanzen bald die Genuss- und Zierpflanzen getreten sind. Zu Zeiten der ägyptischen Gärten dürften in Ostchina bereits herrschaftliche Anlagen mit Teichen und kleinen Gebirgen existiert haben. Auch wenn China, anders als Ägypten, Persien und Rom, seine Kultur über Jahrtausende fortführen konnte, so sind die heute im Land der Mitte anzutreffenden Gärten meist jüngeren Ursprungs, gehen aber auf Vorbilder aus der Zeit des ersten Kaisers (um 213 v. Chr.) zurück.

Die zahlreichen Bürgerkriege und nicht zuletzt die Kulturrevolution haben vieles zerstört. Heute bemüht man sich um die Wiederherstellung traditioneller Gärten oder um die Bewahrung bestehender Anlagen, denn längst hat man ihre Bedeutung für die nationale Identität und den Tourismus erkannt. Viele unserer Gartenpflanzen stammen aus China und gehören wie Magnolien, Ranunkelstrauch und Zierkirschen zum Inventar westlicher Gärten.

Wer wollte schon ohne Ginkgo, Kamelien und die Rosen- und Pfingstrosenzüchtungen leben, die unsere eiszeitlich verarmte, europäische Blütenpracht bereichern. Sie sind Ausdruck einer wenige Jahrtausende währenden Sommerperiode, die wir gerade erleben dürfen. Bereits in 400 Generationen wird der nächste Eisschild über Skandinavien liegen. Länder wie Schweden oder Kanada werden aufgehört haben zu existieren, die Alpen werden ihre Gletscher bis zur Donau schieben und um Göttingen wird sich eine öde Tundra ohne Bäume ausbreiten.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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