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„Fruchtmumien“ und Weihnachstdeko

Garten im Dezember „Fruchtmumien“ und Weihnachstdeko

Früh hat in diesem Jahr der Winter seine weiße Mütze aufgesetzt und den Garten mit funkelnden Schneekristallen bedeckt. Die Gartenarbeit ist damit weitgehend zum Erliegen gekommen. Trotzdem tut es gut, ab und zu die warme Stube zu verlassen und in den Garten zu gehen, denn er ist und bleibt eine tägliche Quelle der Lust.

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Prächtig für die weihnachtliche Dekoration geeignet: die Stechpalme (Ilex aquifolium).

Quelle: Callauch

Im Vorbeigehen kann man befallene Äpfel oder Zwetschen, sogenannte „Fruchtmumien“, abpflücken und im Dauerkompost entsorgen. Für den Weihnachtsschmuck findet man Tannengrün, rote Hagebutten, glänzende Stechpalmen und Fruchtstände von Nachtkerzen und Malven. Am 4. Dezember werden meist die „Barbarazweige“ geschnitten und ins Haus geholt, wo sie zum Weihnachtsfest erblühen. Sie sollen an die heilige Barbara erinnern, die trotz vieler Widrigkeiten nie den Mut verloren hat und die besonders in Kirschzweigen ein Hoffnungszeichen auf zukünftige, lichtere Zeiten erblickte. Gleichzeitig stehen Kirschblüten für Frühling und Liebe (China), in der christlichen Kirche entsprechend auch für die Sünde.

Doch auch außerhalb der geheizten Stuben gibt es bereits einige Winterblüher zu sehen: Die Higa-Kirsche in der Sorte „Autumnalis“ öffnet jetzt ihre zartrosa Blüten. Rein gelb sind die Trichterblüten des Winterjasmins, die ganze Hauswände beranken können und aus der Entfernung manchmal wie eine vorgezogene Forsythienblüte wirken. Leider duftet Jasminum nudiflorum gar nicht. Das tut aber im Übermaß sein wärmeliebender Verwandter, der uns im Sommer als Kletterpflanze erfreut (Jasminum officinale) und dessen Namensverwandte, die Pfeifensträucher oder Gartenjasmine, deren Duft uns auch jetzt noch gut in Erinnerung ist.

Blüten duften im Übermaß

Unter den Gartenjasminen verdient besonders die Sorten „Virginal“ und „Schneesturm“ Beachtung. Ihre dichten, reichen Blüten duften im Übermaß und ähneln am ehesten den tropischen Jasminblüten, die in Ostasien in vielen Tempeln hängen. Jetzt in den Wintermonaten wird oft der chinesische Duftjasmin (Jasminum polyanthum) als Topfpflanze im Handel angeboten. Seine Blüten sind in der Knospe rosa überlaufen, aber rein weiß in geöffnetem Zustand. Sie duften berauschend und können Träume vom nächsten Frühling beflügeln, sofern man einen kühlen und hellen Platz zum Hinstellen hat, denn Trockenheit und Zimmerwärme sind nicht geeignet für seine dauerhafte Kultur.

Der duftende Winterschneeball (Viburnum farreri, etwa im alten Botanischen Garten zu sehen und zu riechen) ist dagegen sogar vom Frost nicht unterzukriegen und duftet von November bis März unverdrossen vor sich hin. Zwar schädigen starke Minusgrade die rosaweißen Blüten durchaus und lassen sie braun werden, doch rasch öffnen sich an anderer Stelle neue Duftdolden, sobald die Wintersonne wieder scheint.

Von Düften geschwängert ist so mancher Dezembertag im warmen Haus. Nordmann-Tannenduft wird noch vom zitronenartigen Douglasienduft übertroffen und in einigen Kirchen lässt der Weihrauch (eigentlich ein mittelalterliches Desinfektionsmittel) so manchen nach Atem ringen. Düfte von Muskatnuss und Rosen bauen dagegen den Stress ab, Stimmung und Wohlbefinden wird durch Lavendel-, Eucalyptus- und Zitronenöl, etwa bei einem Saunaaufguss, positiv beeinflusst.

Geruch von Rosmarin und Thymian

Düfte wirken direkt auf unser Gehirn und können die Erinnerung an vergangene Ereignisse beflügeln. Ganz bewusst sollte man sie im epikureischen Sinn, dass Glück individuell planbar ist, zur Steigerung der Lebenslust einsetzen. Dabei wird dann vielleicht die Freude des vergangenen Sommers über herrlich unbeschwerte Ferientage in sonnigen Gefilden wieder lebendig. Der würzige Geruch von Rosmarin und Thymian erinnert an sonnige Mauern und gut gewürzte, exotische Speisen oder die Freude über eine gelungene Aussaat im Kräuterbeet.

Es war sicher kein Zufall, dass der griechische Philosoph Epikur (um 314 v. Chr.) seine Wirkungsstätte in einem Garten fand, quasi eine antike Bildungsstätte im Grünen. Seine Empfehlungen für ein gelingendes Leben könnten direkt aus der Beobachtung eines lebendigen Gartens abgeleitet sein. Nach ihm sind es die täglichen, kleinen Freuden, die uns dauerhaftes Glück bescheren. Das kann der erfrischende Duft einer Minze sein, die man zwischen den Fingern zerreibt, die entspannte Erschöpfung nach der schweißtreibenden Arbeit einer Beetgestaltung oder die Freude, wenn man eine neu gepflanzte Pfingstrose aufblühen sieht, die die in sie gesetzten Erwartungen noch übertrifft.

Ein Garten beschenkt uns zu allen Jahreszeiten mit unzähligen Eindrücken und reiht ein lustvolles Erlebnis an das andere. Er kann wie bei Epikur im alten Athen dafür sorgen, dass aus einem gelingenden Leben vielleicht sogar ein glückliches Leben wird.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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