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Garten im Januar macht eine Pause

Ruhe und Entspannung Garten im Januar macht eine Pause

Wenn Schnee und Eis den Boden bedecken und ein eisiger Nordwind um die Hausecken pfeift, dann ist wenig im Garten auszurichten. Vereinzelte Kontrollgänge dienen dem Schutz der Ziergehölze und den darunter entlanglaufenden Hausbewohnern, indem man durch Schneelasten zu schwer gewordene Zweige abschüttelt.

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Aufgebrüht aromatisch und anregend: die Teepflanze Camellia sinensis.

Quelle: Callauch

Danach dann lieber wieder ins Haus an den warmen Ofen und zu einer Tasse Tee zum Aufwärmen.

Schwarzer Tee (Camelia sinensis) , weltweit das am meisten genossene Pflanzengetränk, wurde zum ersten Mal 1669 nach England importiert und erlangte dort rasch Popularität, denn er durfte, im Gegensatz zum Kaffee, auch von den Damen öffentlich getrunken werden. Seine immergrünen, an Kamelien und Lorbeer erinnernden Blätter enthalten das anregende Koffein und liefern bei der ausgeklügelten Verarbeitung die aromatischen Duftstoffe.

Verbotener Transfer von 40 000 Teepflanzen

Man ordnete schwarzen Tee zunächst als eigene Gattung (Thea sinensis) zu den Teegewächsen ein, heute zählt man ihn zu den Kamelien. Lange Zeit hielt China das Teemonopol aufrecht, doch 1848 sandte die East India Company mit Robert Fortune einen versierten Pflanzenjäger nach China, um illegal Teesamen zu sammeln und in die englischen Anbaugebiete am Fuß des Himalaja (Darjeeling) auszuführen. Unter Lebensgefahr gelang es diesem Gärtner und Botaniker den verbotenen Transfer von etwa 40 000 Jungpflanzen nach Indien zu bewerkstelligen und später über die botanischen Gärten der Welt auch in andere Anbaugebiete (etwa das holländische Ceylon) zu lenken.

Fortune verdanken wir nicht nur den Tee, sondern mit der Japanischen Sicheltanne, der Herbstanemone, der Forsythie, der Weigelie und der Mahonie weitere, wichtige Zierpflanzen unserer Gärten. Sicherlich zu Recht wird heute über die Produktpiraterie Ostasiens auf den westlichen Märkten geklagt, doch im 19. Jahrhundert war es genau umgekehrt: Die westlichen Kolonialmächte beuteten rücksichtslos die Pflanzenschätze weltweit aus und scherten sich nicht um Ausfuhrverbote.

Ein weiteres Beispiel ist der Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), ohne den die Entwicklung der Autoindustrie unmöglich gewesen wäre. Der Kautschukbaum ist durchzogen von einem Netz aus Milchröhren, in denen ein Latexsaft zum Schutz der Pflanze vor Fraßfeinden produziert wird. Er wurde bereits von den Indios Südamerikas für Dichtungszwecke und zur Produktion von Vorläufern unserer Fußbälle verwendet.

Als das Unternehmen Goodyear entdeckte, das mit der Schwefelvernetzung (Vulkanisation) des Roh-Latex ein nicht klebendes, dauerhaftes Gummi geschaffen werde konnte, geriet das Monopol Brasiliens durch die explosionsartige Nachfrage enorm unter Druck und 1876 gelang es wiederum einem Engländer, mit List und Tücke die ersten 1000 Setzlinge in den Botanischen Garten von Kew in England zu transportieren. Von dort gelangten sie ins koloniale Singapur und traten einen Siegeszug in den alten Tropen an, so dass Brasiliens Anbaugebiete rasch an Bedeutung verloren.

„Deutsche Kolonialschule“ in Witzenhausen

Für Deutschland, das erst nach 1871 in die kolonialen Machtspiele eingetreten war, blieb dann nur noch die Suche nach Kautschuk-Ersatzpflanzen, wie den Gummibaum (Ficus) und die Forschung nach ertragreichen Sorten tropischer Nutzpflanzen übrig. Botanische Versuchsstationen wurden in Kamerun und Deutsch-Ostafrika (Usambara) angelegt. Die wichtigste, noch heute existierende Einrichtung aus jener Zeit wurde die „Deutsche Kolonialschule“ im nordhessischen Witzenhausen. Sie setzt heute den Schwerpunkt als Teil der Uni Kassel auf eine ökologisch ausgerichtete Tropenlandwirtschaft und besitzt ein sehenswertes Tropengewächshaus.

Als Alternative zur Tasse Tee am warmen Kaminofen bietet sich in den Wintermonaten durchaus ein Besuch in die warmen Gewächshäuser in und um Göttingen an. Neben den Tropenhäusern im Alten Botanischen Garten der Uni Göttingen und dem erwähnten Nutzpflanzenhaus in Witzenhausen sind es die Orangerien in den ehemals königlichen beziehungsweise landgräflichen Residenzen Hannover und Kassel (Wilhelmshöhe). Sie alle erinnern mit ihrer warm temperierten Pflanzenpracht an die Zeit, in der exotische Pflanzen nur wenigen Reisenden in weit entfernten, für die meisten unerreichbaren Weltregionen zugänglich waren.

Von Rolf Callauch

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