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Glanz der hohen Gartenkunst

Erschaffen schöner Gärten Glanz der hohen Gartenkunst

Wissen ist Macht – diesen Satz kennen wir natürlich alle. Aber was hat er in einer Gartenkolumne zu suchen? Macht und Garten, zwei Begriffe, die ungefähr so gut zusammenpassen wie Knoblauch und Himbeereis. Drehen wir die Worte doch ein wenig um, dann kommt man der Sache näher. Wie wäre es mit: Wissen macht Garten?

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Raureif im November –poetischer Jahresausklang im Garten.

Quelle: Traub

Gartenliebhaber sind jederzeit bereit, sich inspirieren zu lassen. In allen Teilen des Landes öffnen sich Gartenpforten, und nun wirklich nicht für Schnäppchenpreise zu buchende Gartenreisen erfreuen sich steigender Beliebtheit. Je nach Geldbeutel kann man sich für überschaubare Gruppen mit exklusivem Programm und Übernachtungen in stilvollen Landhotels oder auch für Veranstalter entscheiden, die mit mehreren Bussen gleichzeitig aufbrechen und in herdenartigen 45er Gruppen die schönsten Gärten Englands, Frankreichs und der Benelux-Länder abarbeiten. Leuchtende Besucheraugen sind trotzdem garantiert.

Nach Hause zurückgekehrt, werden sogleich die Ärmel hochgekrempelt. Beflügelt durchstreift man den Garten mit suchendem Blick, welches ist der würdigste Platz für die mitgebrachten Gartenschätze? Auf keinen Fall sollen die schönen Inspirationen ungenutzt ins Leere laufen. Ein klein wenig Glanz der hohen Gartenkunst muss sich doch auch ins eigene grüne Reich holen lassen.

Das kann durchaus gelingen, aber etwas mehr als ein Kistchen voller Pflanzen, erworben im schönsten Garten, den man je erblickte, braucht es schon. Warum sind die bereisten Gärten so eindrucksvoll? Was ist es, das uns in ihren Bann zieht, unsere Bewunderung hervorruft und mit dem Gefühl beschenkt, Zuschauer eines einzigartigen Schauspiels zu sein? So profan es klingen mag: Vor der Kunst stand das Wissen.

Über den Wolken kann nur schweben, wer zuvor das Fliegen erlernt hat. Im Garten sieht das nicht viel anders aus. Erst, wenn wir unser Handwerkszeug beisammen haben, beginnt der virtuose Tanz der Kreativität. Davor steht nun mal das Lernen – zunächst am besten mit den Händen in der Erde.

Was haben wir für einen Boden, welche Möglichkeiten eröffnet er, welche verweigert er uns? Was kann man ihm Gutes tun, damit möglichst viele Pflanzenträume in Erfüllung gehen? Wie erfasse ich den Genius meines Ortes? Mag ich intime Geborgenheit, oder liebe ich den weiten Blick? Hält mich Struktur oder befreit mich Natur? Welche Sprache will ich meinen Garten sprechen lassen?

Und Pflanzen, immer wieder Pflanzen, dieses anfangs unüberschaubar erscheinende Gestaltungsrüstzeug, gilt es kennenzulernen, überhaupt, nie hört für uns Gärtner das Sammeln von Wissen auf. Mit wachsender Erfahrung und solidem Repertoire gelingt es viel leichter, souveräner, Ideen in Wirklichkeit zu verwandeln.

Irgendwann ist es soweit, man spürt: Jetzt kann ich es, das Komponieren, tatsächlich, der ganz eigene Rhythmus ist gefunden. Großzügigkeit in der Gestaltung zu versuchen, hilft dabei sehr. Warum nicht mal ein paar Stauden verprassen anstelle eines Abendessens im Restaurant? Warum sich nicht mal einen ganzen Quadratmeter einer Sorte gönnen statt des einsamen Exemplars, dessen Wirkung sich schüchtern versendet – was für ein Unterschied!

Wer anfängt so zu denken, den hat sie längst gepackt, die Gartenleidenschaft - und er wird verstehen, was Hermann Pückler-Muskau (1785-1871), der berühmte „Grüne Fürst“, uns hiermit sagen will: „Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz.“

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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