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Große Vielfalt der Farben

Gartentipps im Februar Große Vielfalt der Farben

Auch wenn Schnee und Frost gerade noch die Landschaft in ein eisiges Kleid hüllen und die Pflanzenwelt scheinbar noch in tiefstem Winterschlaf liegt, so tut sich im Boden bereits etwas. Die ersten Blüher machen sich bereit.

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Primel 

Die Winterblüher Schneeglöckchen und Winterling erscheinen beim Abtauen des Schnees sofort an der Oberfläche und entfalten ihre putzigen Blütenköpfe. Die Knospen vom süß duftenden Seidelbast zeigen bereits rosarote Streifen und die Winterblüte bietet derzeit mit ihren Schneehäubchen ein besonders apartes Fotoobjekt. Noch im Februar kann man Tulpen und andere Frühlingsblüher legen, allerdings muß man offenen, frostfreien Boden abwarten und behutsam mit den bereits angeschwollenen Zwiebeln umgehen, damit sie an den treibenden Stellen nicht beschädigt werden.

Sobald der Schnee sich zurückgezogen hat und Sonnenstrahlen die Erde erwärmen, werden die ersten Frühlingsblüher ihr Haupt erheben. Unter den heimischen Arten gehören das Leberblümchen und die hohe Schlüsselblume (Primula elatior) zu den ersten Frühlingsboten, etwas voran gehen ihnen die Schaftlose Primel (Primula acaulis) und die Rosen-Primel (Primula rosea). Derzeit kann man beide Primeln bereits in Gartencentern kaufen und besonders die Primula acaulis begeistert als Topfpflanze mit einer großen Vielfalt der Farben und einem feinen Duft.

Während die Rosen-Primel eine Teichrandpflanze ist und sich am wohlsten im Sumpfbeet fühlt, kann man die Schaftlose Schlüsselblume nach dem Abblühen in der Wohnung an frostfreien Tagen in Rasen, Beete und unter Gehölze auspflanzen. Obwohl sie an Vitalität und Farbenkraft zukünftig nachläßt, kann sie in einem bescheideneren Umfang viele Jahre wiederkommen.

Kulturversuche

Bereits Charles Darwin faszinierte diese kleine Schönheit und er begann ab 1860 mit Kulturversuchen im eigenen Garten. Später nahm er die Hohe Schlüsselblume (P. elatior) und die Wiesen-Schlüsselblume (P. veris) dazu und fand heraus, daß es sich um drei eigene Arten handelte, auch wenn die Botaniker lediglich Varietäten unterschieden. Darwin war bekannt, daß Bauernkinder genau in die Primelblüten hineinguckten, bevor sie ihre Blumenketten daraus flochten, denn die Blüten der langgriffeligen Primeln eigneten sich besser als die, in deren Gesicht die Staubblätter sichtbar wurden, weil ihre Griffel darunter verborgen waren.

Er fand heraus, daß innerhalb einer Primelart immer diejenigen Individuen am meisten Samen, und damit potenzielle Nachkommen, zeugen konnten, die vom jeweils anders geformten Partner bestäubt worden waren, also die langgriffeligen Formen von den kurzgriffeligen und die mit langen Staubblättern von denen mit kurzen Staubblättern. Diese Beobachtung konnte er auch an weiteren Primelarten, wie der Hohen und der Wiesen-Schlüsselblume, machen. Obwohl die Primeln ja eigentlich Zwitter sind, verhalten sie sich wie Mann und Frau, "die beiden Pollenarten und die beiden Narben erkennen sich gegenseitig" (Darwin), und diese Erkenntnis war ein Anstoss für ihn, über die Bedeutung von Blütenstrukturen für die Entstehung neuer Arten nachzudenken. Erst 1943 bestätigte die Genetik Darwins Konzept und nannte dies das "Inkompatibilätssystem", eine Einrichtung zur Vermeidung von Selbstbestäubung. Einmal mehr hatte der Theologe Darwin seine Fachkollegen deklassiert.

Praktische Hilfe

Später fand Darwin solche "dimorphen" Formen auch beim Lein und beim Blutweiderich. Beim Veilchen beschrieb er die zwei völlig verschiedenen Blütentypen, die sich während der Vegetationsperiode entwickeln und zog über Jahre Unmengen von Veilchen aus aller Welt in seinem Garten an. Seine Ergebnisse faßte er in dem Buch "Die verschiedenen Blüthenformen" zusammen und gab damit Hybridzüchtern praktische Hilfe, Kulturpflanzen zu kreuzen und Unfruchtbarkeit zu vermeiden. Darwins Primeln blühen vor unserer Haustür und wir können beim nächsten Frühlingsspaziergang einmal an ihn denken und aufmerksamer in die Blütenkelche schauen, das kleine Wunder der Verschiedengriffeligkeit ist auch heute noch zu sehen.

Von Rolf Callauch

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