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Hochstauden und Schmetterlinge

Der Garten im August Hochstauden und Schmetterlinge

Sie zählen zu den Sommerboten: die Schmetterlinge. Wer Hochstauden in seinem Garten anpflanzt, hat nicht nur Freude an den Gewächsen, er tut auch etwas für die Umwelt.

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Mahlzeit: Distelfalter auf Felberich.

Quelle: Callauch

Zu einem richtigen Hochsommertag gehört die flirrende Hitze über den reifenden Kornfeldern ebenso wie das Flattern der Schmetterlinge über blühenden Hochstauden in einer sonnendurchfluteten Gartenlandschaft. Besonders letzteres schien in den vergangenen Jahren immer seltener zu werden, die Schar bunter Falter nahm stetig ab.

In diesem Sommer lassen sich dagegen wieder mehr Schmetterlinge sehen. Vielleicht hat ja das Rebhuhnschutzprogramm in den südniedersächsischen Landkreisen dazu beigetragen, dass die Schmetterlingsraupen in der ansonsten ausgeräumten Agrarlandschaft eine bessere Nahrungsquelle gefunden haben.

In blumenreichen Randstreifen blühen Hederich, Bienenfreund, Sonnenblumen, Lein und Buchweizen und sollen Insekten fördern, die den jungen Rebhühnern zugute kommen. Ein Spaziergang entlang solcher Randstreifen zeigt, dass auch Falter, Bienen und andere Insekten von dieser Maßnahme profitieren. In den Gärten lassen sich derzeit neben Kohlweißlinge, Tagpfauenauge und Bläuling besonders viele Distelfalter sehen, sofern man entsprechende Nahrungsquellen anbietet. Falter saugen mit ihren langen Rüsseln Nektar aus den Blüten und sind daher auf entsprechende Pflanzen angewiesen.

Neben dem Klassiker der Falterblumen, dem Schmetterlingsstrauch (Buddleia davidii), sind besonders Entenschnabel-Felberich (Lysimachia clethroides), Karden (Dipsacus sylvestris) und Disteln (Carduus und Cirsium) beliebte Futterpflanzen. An einer quadratmetergroßen Gruppe Entenschnabel-Felberich kann man bis zu 100 Pfauenaugen und Distelfalter zählen.

Zug über die Alpen

Distelfalter sind Wanderschmetterlinge, die ab Mai aus dem Mittelmeerraum über die Alpen ziehen, mehrere Generationen ihrer schwarzen, dornigen Raupen in Mitteleuropa produzieren und dann im Herbst teilweise wieder in den Süden ziehen. Vielleicht trägt die verlängerte Sommerperiode zu ihrem zunehmenden Auftreten bei uns bei.

Eine andere beliebte Futterpflanze ist die Spornblume (Centranthus ruber), eine mediterrane Zierstaude mit langem Sporn, die mit etwas Glück das seltene Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) in unsere Gärten lockt. Diese Kolibris unter den Faltern sind dämmerungsaktiv und ebenfalls weit gereiste Wanderer. Sie schweben zur Nahrungsaufnahme im Schwirrflug vor den Blüten von Spornblume, Phlox und Labkräutern.

Zweite Blütewelle

Centranthus ist eine empfehlenswerte Gartenstaude für sonnige, steinige Plätze an Wegrändern und im Steingarten. Sie breitet sich selbstständig auf ihr zusagende Plätze aus und wird nach der ersten Blüte im Juni bis auf den Boden zurück geschnitten, um dann eine zweite Blütenwelle im September zu entwickeln. Wer ein großes Wandelröschen (Lantana camara) als Kübelpflanze kultiviert und im Sommer auf der Terrasse oder dem Balkon blühen lässt, darf sich auf den Besuch vieler bunter Sommerboten freuen.

Neben den gut gelittenen Zierpflanzen sollte man irgendwo im Garten oder auf benachbarten Grünstreifen den weniger beliebten, aber für den Naturhaushalt so wichtigen Disteln und Karden einen Lebensraum gönnen. Mit der Nickenden Distel (Carduus nutans), der Gemeinen Distel (C. vulgare) und der Wolligen Kratzdistel (C. eriophorum) entwickeln sich ansehnliche Hochstauden, die neben Schmetterlingen auch zahlreichen Immen und auch dem Distelfink Nahrung bieten.

Eine artenreiche Gartenwelt trägt zum Naturschutz aber auch zur Erlebniswelt der Menschen bei, man muss sie nur aktiv gestalten. Ohne die leichtlebigen Sommerboten, den Schmetterlingen, hätte Goethe niemals die Inspiration für seinen Faltervers finden können, der so gut in diese heitere Zeit passt: „Und in Papillons Gestalt, flattr’ ich, nach den letzten Zügen, zu den vielgeliebten Stellen, Zeugen himmlischer Vergnügen, über Wiesen, an die Quellen, um den Hügel, durch den Wald“.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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