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Kamelien: Hochblüte zur Winterzeit

Garten im Februar Kamelien: Hochblüte zur Winterzeit

Kahl und grau präsentiert sich die Winterlandschaft im Februar und die eiskalten Nächte lassen Gedanken an den nicht mehr so fernen Frühling gar nicht erst aufkommen. Sogar die Winterblüher wie Winterling und Schneeglöckchen sind nicht zu erspähen, wenn die Temperaturen dauerhaft im oft zweistelligen Minusbereich liegen.

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Blütenreiche Zierpflanze: Kamelie im großen Gewächshaus in Kassel-Wilhelmshöhe. 

Quelle: Callauch

Genau in diese Lücke fällt die Hochblüte der Kamelien und Mimosen. Voraussetzung ist natürlich ein kühler Wintergarten oder ein frostfreies Gewächshaus. So etwas hatte im 19. Jahrhundert eigentlich jeder, der es sich leisten konnte ein stattliches Bürgerhaus zu bauen. Der Roman „Die Kameliendame“ (Alexandre Dumas 1848) belegt es: In dieser Zeit war die Kamelie eine begehrte Schönheit unter den Zierpflanzen. Adel und wohlhabende Bürger wetteiferten darum, in ihren Gewächshäusern eine exotische Blütenpracht zu entfalten.

Besonders in England und Frankreich entstanden ständig neue Kameliensorten und in einer 1845 erschienen Monografie wurden bereits 700 Züchtungen aufgeführt. Es war die Zeit, als Kassel für fast ein Jahrzehnt französisch wurde und die Beziehungen der hessischen Hofgärtner zum Garten der Kaiserin Josephine in Malmaison nicht nur Rosen umfassten, sondern auch auf Kamelien ausgedehnt wurden. Als der Gärtnerssohn Jacob Seidel 1812 aus der französischen Armee ausmusterte und nach Dresden zurückkehrte, da hatte er Kamelienpflanzen im Gepäck und gründete daraus die Seidelsche Kamelienzucht, die bereits 1848 etwa 1100 Sorten umfasste und bis 1989 bestand.

Wiederaufbau ihrer Zweige

Berühmt ist die Pillnitzer Kamelie, die etwa um 1780 in den Dresdner Vorort gelangte und seitdem im Freiland kultiviert wird. Allerdings mit einem Winterschutz und den sollte man Kamelien außerhalb des Weinbauklimas immer gönnen. Zwar sind etliche Sorten relativ frostbeständig, doch frieren sie jeden Winter zurück, verbrauchen viel Kraft für den Wiederaufbau ihrer Zweige und blühen fast nie, weil sie alle Knospen in der Kälte abwerfen. Ob der deutsche Jesuitenpater Georg Joseph Kamel die Kamelie in seinem philippinischen Missionsgebiet je gesehen hat (es gibt dort nur eine Art) wird sich nie mehr klären lassen, aber der schwedische Großmeister unserer Pflanzennamen Carl von Linne hielt ihn 1735 für würdig, die schönen Blütensträucher nach ihm zu benennen. Und eine Empfehlung bleiben sie bis heute.

Fast unbesehen kann man die heute wieder massenhaft vermehrten und günstig überall angebotenen Kamelien kaufen, wenn denn der Topf nicht ausgetrocknet ist. Wie andere Kübelpflanzen wollen Kamelien am liebsten einen humosen Boden und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das trockene Wüstenklima unserer Wohnzimmer lässt ihre Blätter verdorren und sie über kurz oder lang absterben.

Wässern der Töpfe

Nach der Blüte im Winter kommen sie an einen schattigen Platz im Garten, wo man sie den Sommer über fast vergessen kann, solange ein ausreichendes Wässern der Töpfe gewährleistet ist. Mit den ersten Nachtfrösten werden sie ins kühle, helle Winterquartier geräumt und können von Oktober bis März durchblühen, wenn man geeignete Sorten besitzt.

Gut passen zu ihnen die buschigen Azaleen (Rhododendron simsii), Zinerarien (Pericallis-Hybriden) und die schwefelgelben Mimosen, die aber Akazien sind (etwa Acacia decurrens). Ihre Kombinationen decken fast das gesamte Farbspektrum ab und mit der langsam steigenden Sonne wächst durch sie die Vorfreude auf ein neues, blütenreiches Jahr, welches sich bald auch außerhalb der geschützten Glasflächen entfalten wird. Das große Gewächshaus von 1822 in Kassel-Wilhelmshöhe gehört zu den ältesten Glashäusern Deutschlands und bietet neben nostalgischer Architektur eine überschaubare, aber wunderbar gestaltete Sammlung der erwähnten, winterblühenden Pflanzen: Es lädt zum Winterspaziergang unter Glas als Balsam für die Seele ein.

Von Rolf Callauch

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