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Kamelien schaden niedrige Temperaturen nicht

Garten im Februar Kamelien schaden niedrige Temperaturen nicht

Dichte Schneedecken und langwierige Fröste haben in den vergangenen Wochen auch die letzen Blüten am Winterjasmin und Duftschneeball verdorren lassen. Die duftende Winterblüte (Chimonanthus) und die Zaubernüsse (Hamamelis) wagen sich noch nicht hervor, sie warten die ersten milden Perioden im Frühjahr ab.

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Lieben ein luftfeuchstes Klima: Kamelien.

Quelle: Callauch

Trotzdem braucht man auf bunten Blütenzauber nicht zu verzichten, denn der Winter ist die Zeit der Kamelien. Allerdings sind sie auf einen geschützten Platz im kalten Wintergarten angewiesen, wenn ihre auffallende Blüte zur Geltung kommen soll. Warme Gewächshäuser oder lufttrockene Wohnzimmer sind ungeeignet. Die wenigen Freilandsorten, die für einen Versuch in unserem Klima zur Verfügung stehen, zeigen uns bei richtigem Winterwetter meist die kalte Schulter und lassen beleidigt ihre Blütenknospen fallen, bevor sie sich überhaupt geöffnet haben. Wer einen gegen direkten Sonnenschein geschützten Platz am Haus hat, kann es einmal mit Freilandpflanzungen versuchen, doch allzu groß sollte man die Erwartungen nicht schrauben.

Voraussetzung ist allerdings ein kalter Wintergarten

Sicherer ist die Kultur in Pflanzkübeln und Kamelien gehören zu den einfachsten und anspruchslosesten Kübelpflanzen überhaupt. Voraussetzung ist allerdings ein kalter Wintergarten für die Aufbewahrung ab November, der gerade so viel geheizt wird, dass starke Dauerfröste ausbleiben. Den meisten Sorten schaden gelegentliche Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht. Als Torferde kommt jede humusreiche Blumenerde in Frage. Wenn man die glänzend-grünen Pflanzen im Mai wieder an einen halbschattigen Platz im Garten stellt und das Gießen nicht vergisst, dann setzen sie bereits im Juni wieder neue Blütenknospen an, die den nächsten reichen Winterflor garantieren.

Kamelien stammen alle aus Ostasien und lieben ein luftfeuchtes Klima mit geringen Jahresschwankungen der Temperatur. Deshalb gedeihen sie außerhalb ihrer ostasiatischen Heimat besonders gut in den Südalpen (Tessin), an den milden Atlantikküsten sowie an den Ost- und Westküsten der USA. In diesen Regionen findet seit etwa 200 Jahren eine intensive Züchtung neuer Sorten statt, die das Sortiment auf fast 20    000 Kultivare anwachsen ließ.

Die meisten gehören zur Art Camellia japonica, die mit Sorten wie „Snowman“ (weiß), „Elegans“ (weiß-rosa) und „Bob Hope“ (rot) die meisten Kamelien stellt. Bereits früh wurden andere Kamelienarten eingekreuzt und besonders in Frankreich und den USA entstanden wunderbare Sorten, die die Elternarten an Gesundheit und Frosthärte noch übertreffen.

Kamelien in portugiesischen Gärten

Entdeckt wurde die Kamelie von Forschungsreisenden nach Ostasien, die verstärkt ab dem 16. Jahrhundert als Händler und Missionare den fernen Osten entdeckten. Die uralten Kamelien in portugiesischen Gärten sind vielleicht die ersten, die nach Europa kamen. Ende des 18. Jahrhunderts gelangten zwei Pflanzen nach Deutschland, eine in die Herrenhäuser Gärten und eine nach Pillnitz bei Dresden. Beide leben noch und sind wahrscheinlich die ältesten Kübelpflanzen unseres Landes. Sie zeigen, daß die Kultur leicht sein muß, denn sonst wären sie unter dem steten Wechsel gärtnerischer Betreuung längst untergegangen.

Den Namen „Camellia“ verdanken wir dem schwedischen Botaniker Linne, der die immergrünen Zierbäume 1735 zur Ehrung des Jesuiten-Laienbruders Georg Joseph Kamel benannte, der ab 1688 in Manila als Botaniker und Arzt arbeitete. Kamelien sind langlebige, dankbare Wegbegleiter. Sie lassen uns im Winter den Glauben an den blütenreichen Frühling nicht verlieren.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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