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Königin der Gärten blüht üppig

Historische Rosen Königin der Gärten blüht üppig

Rosen, oh je! Wo fängt man an, wo hört man auf? Eigentlich ein zu weites Feld für ein paar Zeilen Text – sei’s drum, einen kleinen Blick auf dieses große Thema wollen wir dennoch werfen, gibt es doch kein gärtnerisches Objekt der Begierde, das mehr Leidenschaft hervorzurufen vermag als Rosen.

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Prächtig: Stanwell Perpetual ist eine kerngesunde zartrosa farbene Alte Rose aus dem Jahr 1838 die sogar den ganzen Sommer über blüht und wunderbar duftet.

Quelle: EF

Seit Jahrhunderten zieht die „Königin der Gärten“ uns nun schon in ihren Bann. Ungezählte Bücher wurden über sie geschrieben, wunderbare, wichtige, brauchbare – und viele überflüssige. Seit der von Kaiserin Josephine in Malmaison zusammengetragenen, damals ihresgleichen suchenden Rosensammlung sind sie nicht mehr aus der Mode gekommen – mussten sich aber sehr wohl unseren modischen Launen beugen. Ein Widerspruch? Nein, gar nicht. Jede Zeit entwickelt ihr gesellschaftliches Selbstverständnis, bringt ihre Moden, Literatur und Musik hervor. Rosen lassen sich recht willig züchterisch überreden, so zu werden, wie es uns gerade gefällt – es ist gar nicht so schwer, ihnen unsere jeweiligen Wünsche aufzuzwingen. Jeder Zeit die Rosen, die sie will, oder sollte man sagen „verdient“?

Ein kleiner Exkurs: Wie war das zum Beispiel in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen es uns merkwürdigerweise gefiel, unseren Wänden Tapeten mit riesigen Mustern zu verpassen (gern in braun-orange) und stakelige, duftlose Rosensoldatinnen mit grellbunten Blüten in unseren Gärten zu pflanzen? Wo war der Zauber von Malmaison geblieben?

Mehr und mehr verschwanden sie, die überbordenden, charmant und üppig blühenden Rosenschätze alter Zeiten. Sogar in den traditionellen Bauerngärten machten sie sich rar. Sie waren „aus der Mode“ gekommen.

Frau namens Gerda Nissen

Viele dieser Schönheiten vergangener Zeiten wären für immer verschwunden, hätte nicht dort oben in Dithmarschen eine Frau namens Gerda Nissen, ganz und gar gegen den Strom, ihre große Liebe zu den Alten Rosen entdeckt. Sie war in ihrer Heimat bald jedem bekannt, diese liebenswerte, beharrliche „Rosenjägerin“, immer mit dem Fahrrad wachen Blicks das Land durchstreifend. Sie überzeugte einige Rosenschulen, ihre Entdeckungen wieder zu vermehren. Ein unschätzbarer Verdienst – heute wissen wir das.

Warum diese Geschichte? Haben wir nicht längst die eierlegende Wollmilchsau? Es gibt doch heute Rosen, die immer wieder blühen und schöne, gesittet wachsende, recht gesunde Büsche mit sanftfarbenen, romantischen Blüten bilden, so wie es halt heute „Mode“ ist – Josephines charmante Prinzessinnen in Luxusausführung, was wollen wir also noch mit den „alten Schachteln“?

Wenn mich beispielsweise Madame Legras de St. Germain und ihre nicht minder reizvolle Freundin Madame Plantier (beide frühes 19. Jh.) in meinem Garten für einige Wochen mit ihrer unglaublich vitalen Lebensfreude, der herrlichen, überschäumenden weißen Blütenpracht und ihrem feinen, köstlichen Duft bezaubern, weiß ich einmal mehr, dass ich sie niemals missen wollte. Nach ein paar Wochen ist der Rausch vorüber, der letzte Ton der Symphonie verklungen. Aber sie wirkt nach, man bewahrt sie in sich – bis zum nächsten Jahr.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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