Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gartentipps Lila Blütenköpfe schweben über dem Beet
Mehr Familie Tipps Gartentipps Lila Blütenköpfe schweben über dem Beet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 18.12.2012
In Gemeinschaft mit Stauden und Gräsern: Verbena bonariensis, das Patagonische Eisenkraut. Quelle: Traub
Anzeige

Hildegard von Bingen entdeckte vielerlei heilende Eigenschaften, und im Mittelalter war man davon überzeugt, dass aus ihr bereitete „Hexensalben“ Verletzungen durch Eisenwaffen heilen oder sogar abwenden können.

Was muss das für ein Zauberwesen sein, von dem hier die Rede ist? Trotz der beeindruckenden Liste ihr zugesprochener Kräfte – die Reihe wäre noch munter fortzusetzen – handelt es sich bei unserer heutigen Protagonistin um eine eher unscheinbare Gestalt, deren Herkunft bis heute nicht mit Sicherheit geklärt ist. Vermutlich aber hat die weltweite Verbreitung von Verbena officinalis im Mittelmeerraum ihren Ursprung. Als Arzneipflanze findet das „Echte Eisenkraut“ heute noch Verwendung, in unseren Gärten hingegen sieht man es höchst selten. Schade eigentlich, denn im Kräuterbeet, wo nicht selten die bescheiden Auftretenden mit der größten Wirkung, den intensivsten Aromen und Düften überraschen, hätte es einen Platz verdient.

Im Reigen der Stauden hingegen machen diese schönen Schwestern doch eine bessere Figur: Aus Nordamerika kam Verbena hastata zu uns, das über einen Meter hohe, straff aufrecht wachsende Lanzen-Eisenkraut mit seinen namengebenden, sehr lange attraktiven, leuchtend blauvioletten, manchmal auch rosafarbenen oder weißen Blütenähren. Robust, winterhart und gutmütig fühlt es sich auf nicht zu trockenem Boden in naturnaher Gesellschaft am wohlsten.

Allerdings neigt es hier zum Übermut und sorgt für so viele raschwachsende Nachkommen, dass wir vielleicht doch lieber der Dritten im Bunde den Vorzug geben: Die zauberhafte Verbena bonariensis, auf Deutsch nennen wir sie Patagonisches Eisenkraut, ist ein poetisches Geschenk für unsere Gärten.

Eigentlich gehört auch diese filigrane Südamerikanerin zu den Stauden, unsere mitteleuropäischen Winter übersteht sie allerdings nur in milden Lagen. Aber keine Angst, auch sie sorgt dort, wo es ihr gefällt, für eine stattliche Zahl an Nachkommen. Anders als bei der manchmal aufdringlich selbstbewussten nordamerikanischen Verwandtschaft ist uns das hier sogar willkommen. Zart, kaum wahrnehmbar, krabbeln die mageren Winzlinge im Frühjahr aus der warmen Erde. Man mag ihnen gar nicht zutrauen, dass sie sich bis zum Spätsommer in zuweilen mannshohe Gestalten verwandeln.

Und doch gelingt das zuverlässig Jahr für Jahr: Auf schmalen, symmetrisch angeordneten, fast blattlosen Verästelungen scheint die Fülle der violetten Blütenköpfchen vom Juli bis zum Frost über den Beeten zu schweben. Nie stören sie den Rhythmus einer Pflanzung, ob es sich um buntes Staudengeplapper, fein komponierte Gräsergesellschaften oder eine eher puristisch-klare Anordnung handelt.

Diese transparenteste und doch spektakulärste Vertreterin unseres Dreiergespanns hat die Gabe zu brillieren, ohne andere zurückzusetzen. Wer ihren Blütentanz auskosten will, hilft ein wenig nach: Zeitig im Frühjahr im Warmen gesät, gepflegt und umsorgt, geht’s nach dem letzten Frost mit Vorsprung zu Dutzenden in sonnige Beete und Töpfe. Weniger ist mehr? Hier gilt das nicht!

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige