Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Lila Blütenköpfe schweben über dem Beet

Garten im September Lila Blütenköpfe schweben über dem Beet

Der Venus war sie geweiht, diverse Liebestränke braute man aus ihr. Gebündelt diente sie der rituellen Reinigung von Jupiters Opfertisch. Bei Zeremonien im alten Ägypten durfte die „Träne der Isis“ nicht fehlen. Den keltischen Druiden galt sie gar als die heiligste aller Pflanzen, aus der geheimnisvolle Elixiere hergestellt wurden.

Voriger Artikel
Nostalgischer Charme der Duftwicken
Nächster Artikel
Uralte Kulturpflanzen mit Gartenwert

In Gemeinschaft mit Stauden und Gräsern: Verbena bonariensis, das Patagonische Eisenkraut.

Quelle: Traub

Hildegard von Bingen entdeckte vielerlei heilende Eigenschaften, und im Mittelalter war man davon überzeugt, dass aus ihr bereitete „Hexensalben“ Verletzungen durch Eisenwaffen heilen oder sogar abwenden können.

Was muss das für ein Zauberwesen sein, von dem hier die Rede ist? Trotz der beeindruckenden Liste ihr zugesprochener Kräfte – die Reihe wäre noch munter fortzusetzen – handelt es sich bei unserer heutigen Protagonistin um eine eher unscheinbare Gestalt, deren Herkunft bis heute nicht mit Sicherheit geklärt ist. Vermutlich aber hat die weltweite Verbreitung von Verbena officinalis im Mittelmeerraum ihren Ursprung. Als Arzneipflanze findet das „Echte Eisenkraut“ heute noch Verwendung, in unseren Gärten hingegen sieht man es höchst selten. Schade eigentlich, denn im Kräuterbeet, wo nicht selten die bescheiden Auftretenden mit der größten Wirkung, den intensivsten Aromen und Düften überraschen, hätte es einen Platz verdient.

Im Reigen der Stauden hingegen machen diese schönen Schwestern doch eine bessere Figur: Aus Nordamerika kam Verbena hastata zu uns, das über einen Meter hohe, straff aufrecht wachsende Lanzen-Eisenkraut mit seinen namengebenden, sehr lange attraktiven, leuchtend blauvioletten, manchmal auch rosafarbenen oder weißen Blütenähren. Robust, winterhart und gutmütig fühlt es sich auf nicht zu trockenem Boden in naturnaher Gesellschaft am wohlsten.

Allerdings neigt es hier zum Übermut und sorgt für so viele raschwachsende Nachkommen, dass wir vielleicht doch lieber der Dritten im Bunde den Vorzug geben: Die zauberhafte Verbena bonariensis, auf Deutsch nennen wir sie Patagonisches Eisenkraut, ist ein poetisches Geschenk für unsere Gärten.

Eigentlich gehört auch diese filigrane Südamerikanerin zu den Stauden, unsere mitteleuropäischen Winter übersteht sie allerdings nur in milden Lagen. Aber keine Angst, auch sie sorgt dort, wo es ihr gefällt, für eine stattliche Zahl an Nachkommen. Anders als bei der manchmal aufdringlich selbstbewussten nordamerikanischen Verwandtschaft ist uns das hier sogar willkommen. Zart, kaum wahrnehmbar, krabbeln die mageren Winzlinge im Frühjahr aus der warmen Erde. Man mag ihnen gar nicht zutrauen, dass sie sich bis zum Spätsommer in zuweilen mannshohe Gestalten verwandeln.

Und doch gelingt das zuverlässig Jahr für Jahr: Auf schmalen, symmetrisch angeordneten, fast blattlosen Verästelungen scheint die Fülle der violetten Blütenköpfchen vom Juli bis zum Frost über den Beeten zu schweben. Nie stören sie den Rhythmus einer Pflanzung, ob es sich um buntes Staudengeplapper, fein komponierte Gräsergesellschaften oder eine eher puristisch-klare Anordnung handelt.

Diese transparenteste und doch spektakulärste Vertreterin unseres Dreiergespanns hat die Gabe zu brillieren, ohne andere zurückzusetzen. Wer ihren Blütentanz auskosten will, hilft ein wenig nach: Zeitig im Frühjahr im Warmen gesät, gepflegt und umsorgt, geht’s nach dem letzten Frost mit Vorsprung zu Dutzenden in sonnige Beete und Töpfe. Weniger ist mehr? Hier gilt das nicht!

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hannover 96 verweigert Manager Heldt die Freigabe für Köln. Richtig so?