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März: Für Gartenfreunde Ende des Winters

Startschuss im Radieschenbeet März: Für Gartenfreunde Ende des Winters

Auch wenn die Landschaft noch kahl und wintergrau wirkt, die Wälder leblos erscheinen und kalte Winde von den Bergen herab wehen, so ist der März dennoch der Monat in dem die Erwartungen auf den kommenden Frühling mit jedem Tag steigen.

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Bunt wie Ostereier: Die farbenfrohen Krokusse erblühen häufig über Nacht. 

Quelle: Callauch

An den stillen, grauen Tagen zu Beginn des Monats liegt eine Spannung in der Luft wie kurz vor dem Beginn eines Theaterstücks. Nur langsam betreten die Akteure der Frühlingssymphonie die Bühne.

Man muss schon genau hingucken, um die gelben Blüten der Kornelkirschen zu bemerken, einer einheimischen Hartriegelart (Cornus mas), die neben der attraktiven Frühlingsblüte auch eine schöne Herbstfärbung bietet und als Heckenpflanze empfohlen werden kann. Ihr knorriges Holz soll früher das Material für die Gehstöcke geliefert haben, mit denen sich die Studenten Knüppeleien mit den Handwerksburschen am Wilhelmsplatz geliefert haben.

Über Nacht erscheinen die farbenfrohen Krokusse in Beeten und auf dem Rasen, erblühen strahlend im Sonnenschein und sind bei Wetterrückschlägen scheinbar wieder verschwunden. Sie gehören zu den dankbarsten Gartenbewohnern, vermehren sich oft selbst und halten uns viele Jahre die Treue, wenn wir sie nicht mit dem Rasenmäher allzu früh abrasieren. Ganz allmählich wird aus dem Olivgrün der Wiesen das frische Grün des Frühlings. März bedeutet für Gartenfreunde das Ende des Winters und auch wenn Schneeregen bis in den April hinein für Rückschläge sorgen, die Gartensaison lässt sich nicht mehr aufhalten.

Wärme in den Boden

Sobald das Land etwas abgetrocknet ist und die stetig steigende Sonne ein wenig Wärme in den Boden gebracht hat, ist es Zeit, die ersten Aussaaten im Freiland vorzunehmen. Dabei sind Radieschen und Rettiche eine unbedingte Empfehlung, denn sie gelingen immer. Ob runde, rote Saxa und Riesenbutter , die aparte zweifarbige Flamboyant oder die gelbe Zlata, ob die rettichartigen Schmeckhappen Ostergruß und Eiszapfen, ob Münchner Bier oder Schwarzer Winterrettich, sie alle wachsen prima im winterfeuchten Beet. Das Gemüsebeet braucht dazu nicht einmal umgegraben werden, sondern wird einfach nur sauber von den Pflanzresten des Vorjahrs befreit und leicht mit der Hacke gelockert. Hat man einen schweren, lehmigen Boden, so kann man jetzt gut verrotteten Kompost und Sand einarbeiten, was zu besseren Boden- und Pflanzbedingungen führt.

Wer keinen eigenen Kompost hat, kann billige Blumenerde oder die alte Pflanzerde aus den Blumenkästen des Vorjahrs verwenden, um die Bodenstruktur zu verbessern. Nach dem Harken zieht man einige flache Längsfurchen in den lockeren Boden und sät nach Herzenslust aus, aber nicht zu dicht, denn wenn die kugeligen Samen der Radieschen- und Rettichsorten miteinander im Wachstum konkurrieren, dann wird es nur kleine Radieschen geben.

Wer wegen der Abstände unsicher ist, wählt die Sorten im Saatband, die sind zwar etwas teurer, aber dann kann sich garantiert jedes Pflänzchen üppig entwickeln. Rettich und Radies sind eng verwandt, es handelt sich lediglich um Kultursorten von Raphanus sativus (raphanos = leicht wachsend), einem Kreuzblütler der bereits 2700 v. Chr. auf Inschriften an den Cheopspyramiden als Nahrungsmittel für die Fronarbeiter der ägyptischen Baumeister erwähnt wird. Beide entwickeln im ersten Jahr die schmackhaften Knollen und blühen im zweiten Jahr mit einer weißen Kreuzblüte. Doch die erlebt man meist nicht, denn bereits wenige Wochen nach der Aussaat sind Radieschen am besten für den Verzehr geeignet. Uns schmeckt die saftige, herzhafte Knolle, deren Senföle den scharfen Geschmack verleihen, der so gut zur deftigen Brotzeit mit Wurstbrot und Bier passt.

Frühjahrsnässe tut gut

Oft schon vier Wochen nach der Aussaat beginnt die Ernte, es sei denn Wintereinbrüche lassen das Wachstum stagnieren. Doch Schaden nehmen die Hypokotylknollen (das Hypokotyl ist der Sprossteil unter den Keimblättern) der Radieschensorten nicht, die Frühjahrsnässe tut ihrer Umfangentwicklung eher gut. Gedüngt werden muss meist nicht, die verfügbaren Nährstoffe vom Vorjahr reichen zunächst für die Entwicklung im Gemüsebeet aus.

Ganz ähnlich verhält es sich beim Rettich, auch wenn er morphologisch eher eine Wurzel als ein Teil des Sprosses ist. Sein weißes (Mairettich) oder schwarzes Korkgewebe (Herbstrettich) liegt einem dickem Holzteil auf, in dem sich zum Glück aber nur sehr wenig holziges Gewebe entwickelt hat und welches ebenfalls schön scharf nach Senfölen schmeckt. Radieschen und Rettichen wird nachgesagt, dass sie gesundheitsfördernd sind, Vitamine und Mineralien enthalten und ganz allgemein dem Menschen gut tun. Eduard Mörike hat das so geschildert: „Mir ward ganz übel, mausrig, dumm, lief in den Garten hinterm Haus, zog einen herzhaften Rettich aus. Fraß ihn auch auf bis auf den Schwanz. Da ward ich wieder frisch und genesen ganz.“

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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