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Mut zum Zupacken ist jetzt gefragt

Gartenpflege im Juli Mut zum Zupacken ist jetzt gefragt

Nach Wochen von Sonnenschein und Trockenheit im Frühling, haben uns die Sommermonate reichlich Niederschläge gewährt. Es scheint so, dass der warme Frühling dieses Jahr besonders die Schmetterlinge gefördert hat. Selten habe ich auf botanischen Wanderungen so viele Kaisermäntel, Kleine Füchse, Admirale und Schachbrettfalter gesehen.

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Selten gab es so viele Schmetterlinge wie in diesem Jahr: Das Pfauenauge sitzt auf einem Entenschnabel-Felberich.

Quelle: Callauch

Das Taubenschwänzchen zeigte sich nach vielen Jahren einmal wieder an der Spornblume im Hausgarten und die Blütenköpfe der Flockenblumen waren und sind noch zu Dutzenden mit den Blutströpfchen besetzt, einem attraktive Kleinschmetterling mit blutroten Punkten auf samtschwarzen Grund. Andererseits sind viele Erdorchideen auf den trockenen Kalkhängen im Werratal bereits in der Blüte vertrocknet, so dass vom Helmknabenkraut und der Purpurchorchis dieses Jahr stellenweise nur verkümmerte Exemplare zu sehen waren. Im Hausgarten waren die Fraßschäden durch Schnecken geringer als in anderen Jahren, wahrscheinlich weil es die Schnecken dann doch eher feucht lieben. Umgekehrt fand man selten so viele Blattläuse aller Arten und Farben an Rosen und anderen Gehölzen.

Sonnenauge und Entenschnabelfelberich

Die reichlichen Regenmengen im Juni waren nicht nur eine Erholung für die Regentonnen und eine Entlastung für den gießenden Gärtner, sondern sie haben den Hochsommerstauden auch den richtigen Schub gegeben, um in die Höhe zu schießen. Rittersporn, Sonnenauge und Entenschnabelfelberich haben sich überhaupt nicht von der Trockenheit abhalten lassen und stehen in voller Pracht im Staudenbeet. Gleichzeitig laufen aber auch überall die Gänsedisteln auf, und es gilt zu jäten.

Diese einfache Tätigkeit ist bei vielen äußerst unbeliebt, doch allemal besser, kostensparender und effektiver als ein unüberlegtes Spritzen mit Herbiziden. Nicht, dass Herbizide in speziellen Fällen wie zwischen Pflasterfugen und bei Problemunkräutern (Giersch, Zaunwinde) keine Berechtigung hätten, aber in den Staudenbeeten haben sie nichts zu suchen. Da ist Handarbeit zur Unkrautbeseitigung ohne Alternative. Das wichtigste Werkzeug ist jetzt aber die Heckenschere, am besten akkubetrieben, leicht und mit möglichst langem Schwert.

Die abgeblühten Frühlingsstauden wie Orientalischer Mohn, Akelei und Pfingstrosen werden damit gestutzt oder ganz auf den Boden zurückgeschnitten. Zierstauden mit leicht invasivem Charakter wie Spornblume und Japan-Anemone können mit gezieltem Schneiden beherrschbar werden. Buxbaum wird jetzt auf Form oder als Hecke geschnitten, und zwar so radikal, dass er nicht jedes Jahr an Umfang zunimmt. Das gleiche macht man mit Kugeleiben und immergrünen Lorbeerkirschen. Spornblume wird genauso wie Lavendel bereits im Abblühen bis knapp über den Boden zurück geschnitten.

Rückschnitt der Rittersporne

Als Lohn der Mühe wird er dann ein weiteres Mal im August/September blühen, genauso wie ein rechtzeitiger Rückschnitt der Rittersporne eine zweite Blütenwelle im Spätsommer zur Folge hat.

Gerade in den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, einige überalterte Gärten in Göttingen zu sehen, bei denen über Jahre der Schnitt von Rosen und Gehölzen vernachlässigt worden war. Die Probleme mit zu hohen, oben kandelalberartigen und unten kahlen Hecken, mit riesigen, abdunkelnden Koniferen auf zu kleinen Grundstücken, sind nach Jahren der Vernachlässigung kaum in Eigenarbeit zu beheben. Soweit sollte man es nicht kommen lassen und jeden Sommer mit Schneidewerkzeugen die Grundstückshecken auf ein hantierbares Maß reduzieren, potentiell zu große Nadel- und Laubbäume gar nicht erst pflanzen, die Stauden- und Rosenbeete dauerhaft sonnig halten. Mut zum Zupacken gehört zum richtigen Gärtnern. Die Zeit zur Verjüngung durch Schnitt ist im Garten jetzt gekommen.

Von Rolf Callauch

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