Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Niemand kann asiatischen Schönheiten widerstehen

Strauchpäonien Niemand kann asiatischen Schönheiten widerstehen

Immer noch sind Strauchpäonien, diese einzigartigen Pflanzenpersönlichkeiten mit ihren geheimnisvollen Blüten, die einer fernen Märchenwelt zu entstammen scheinen, bei uns weit weniger bekannt als ihre staudig wachsenden Schwestern, die wir, nicht immer zutreffend, auch Pfingstrosen nennen.

Voriger Artikel
Rosenblüten adeln Holzschuppen
Nächster Artikel
Magnolien überstehen frostige Nächte

Aus China über die USA nach Europa gelangt: die edle Strauchpäonie Rockii von Tamberg.

Quelle: EF

Ihre Heimat ist China und Tibet, wo man sie seit über 2000 Jahren kultiviert, liebt und vor allem tief verehrt.

Auch hierzulande wird sich wohl kaum jemand, der das erste Mal eine ausgewachsene, in voller Blüte stehende Strauchpäonie erblickt, ihrer majestätischen (zwei Meter Höhe und Breite sind keine Seltenheit) und zugleich malerischen Ausstrahlung entziehen können. Wir haben Glück, es gefällt ihnen hier, diesen prachtvollen aristokratischen Schönheiten, und seit einigen Jahrzehnten erobern nach und nach Züchtungen aus aller Welt endlich auch unsere Gärten.

Vor gut 100 Jahren begannen Pflanzenjäger, also all die verwegenen Männer und Frauen (oh ja, auch Frauen!), die über Jahrhunderte unter kaum vorstellbaren Entbehrungen unseren Hunger nach unbekannten botanischen Köstlichkeiten stillten, auch Samen verschiedenster Päonien aus China in ihre Heimatländer zu schicken – der Boden für alle spätere Züchtungsarbeit in Europa, Japan und den USA war bereitet.

Die ersten Samen der nach ihm benannten „Rockii-Päonien“ schickte Joseph Francis Rock (1884-1962) 1926 in die USA. Er war ein ebenso unermüdlicher wie exzentrischer Pflanzensammler, dem kein Abenteuer zu lang und gefährlich, kein Weg zu beschwerlich war. Aber bitte mit Stil – noch in der tiefsten Wildnis bestand er auf edlem Tischgeschirr und seiner klappbaren Reisebadewanne. Leider sind uns die Gedanken der mitreisenden Dienerschaft nicht überliefert…

Arboretum Ellerhoop-Thiensen

Wer einmal ganz und gar eintauchen will in die Schönheit dieser wunderbaren Gehölze, dem sei das ohnehin einen Besuch lohnende Arboretum Ellerhoop-Thiensen nördlich von Hamburg empfohlen. Meist in der ersten Maihälfte überwältigt dort das Schauspiel hunderter blühender „Rockii’s“, begleitet von ihrer nicht minder reizvollen japanischen und amerikanischen Päonien-Verwandtschaft.

Höher, schneller, weiter – ist es uns Menschen nie genug? Was kann man so viel Schönheit noch hinzufügen? Toichi Itoh im fernen Tokio muss ein Besessener gewesen sein. Wieder und wieder versuchte er das, was andere vor ihm längst aufgegeben hatten: Die Kreuzung von Strauch- und Staudenpäonien. Nach ungezählten Jahren und über 20 000 (!) Kreuzungsversuchen keimten 1948 zum ersten Mal Sämlinge. Genau 36 kleine Hoffnungsträgerinnen waren es. Endlich. Späte Freude.

Und dann? – Es sollte ihm nicht vergönnt sein, ihre erste Blüte zu erleben. Erst 1964, acht Jahre nach Itohs Tod, kamen sie zur Blüte.

Schnell wusste die aufmerksame Züchterwelt, dass diese dritte „intersektionelle“ Päonienart, Itohs der widerstrebenden Natur so mühsam abgerungenes Lebenswerk, verspricht, ihre Eltern an Schönheit, Gesundheit und Gartenwürdigkeit fast noch zu übertreffen. Die Züchtung jedoch ist schwierig und teuer, nur langsam kommen neue Sorten hinzu – aber wir wissen ja: Der Weg ist das Ziel.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hannover 96 verweigert Manager Heldt die Freigabe für Köln. Richtig so?