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„Oh, wer um alle Rosen wüsste…“

Garten im Juni „Oh, wer um alle Rosen wüsste…“

Auf ansprechende Weise hat Christian Morgenstern in einem Vers auf zwei Dinge hingewiesen, die uns stets beschäftigen, wenn wir an Rosen denken: An die große Zahl der Rosen, von denen uns leider die meisten ein Leben lang unbekannt bleiben, und an den Rausch der Sinne, den Rosen auslösen können:

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Eine der schönsten Gallica-Rosen: Ipsilante. 

Quelle: Callauch

„Oh, wer um alle Rosen wüsste, die rings in stillen Gärten stehn. Oh, wer alle wüsste, der müsste wie im Rausch durchs Leben gehen.“

Nach einem harten Winter, der vielerorts die Rosen bis zum Boden hinab gezwungen hat, nach einem nasskalten Mai, der den duftenden Sonnenanbetern so gar nicht gefiel, beginnt nun der Rosenmond Juni, in dem sich normalerweise die ganze Pracht der Rosenblüten entfaltet. Dieses Jahr dauert im Garten aber alles etwas länger und so braucht auch die Königin der Blumen eine angemessene Zeit, um die Saison einzuläuten.

Viele der englischen Rosen und etliche der modernen Teehybriden sind vom Frost eingegangen oder treiben erst spät wieder vom Boden her aus. Dann muss man sorgfältig prüfen, was da hoch kommt. Es könnte auch die Unterlage der Wildrose sein, auf der der Edelreiser einst gepfropft wurde, und der ist für die Weiterkultur weniger interessant.

Es müssen also neue Rosenbeete her

Nach den ersten Sichtungen im April haben wir gleich neue Rosen bestellt, um die alten, totgeglaubten zu ersetzen, doch nun im Juni wird doch die eine oder andere Schönheit wieder sichtbar und will uns doch noch etwas länger Gesellschaft leisten. Es müssen also neue Rosenbeete her oder es wird im Anschluss an die vorhandenen Rasen umgestochen, um den Neuerwerbungen Platz zu schaffen. Denn nach sorgfältiger Auswahl neuer, resistenter und ADR-geprüfter Zwergstrauch-, Edel- und Stammrosen wollen wir sehen, ob sie im eigenen Garten so schön aussehen wie im Katalog.

Gepflanzt werden Rosen heute fast das ganze Jahr über, sofern man Topfpflanzen nimmt. Wurzelnackte Ware wird im Frühling und im Herbst gesetzt. Wichtig ist, daß der Ballen gut durchfeuchtet in den Boden kommt, das Pflanzloch nicht zu eng gerät und überhaupt ein sonniger, luftiger Platz, am besten in Lößlehm, vorhanden ist. Unter schattigen Bäumen und an kalten Nordseiten haben Rosen nichts verloren. Dort büßen sie viel von ihrer Lebenskraft ein und blühen kaum.

Morgensterns „Rausch durch Rosen“ hat die Menschen zu allen Zeiten begeistert. Die Chinesen betrieben eine Rosenkultur bereits vor 4500 Jahren, aber die erste Abbildung haben wir aus dem kretischen Palast von Knossos, wo auf dem „Fresko mit dem blauen Vogel“ zwei Rosenstöcke zu sehen sind, die wahrscheinlich Gallica-Rosen darstellen. Diese Rosenart wurde vor 3700 Jahren auf Kreta im Bild verewigt, wahrscheinlich war sie auch die Rose der antiken Griechen und Römer.

Gäste mit Rosen überschüttet

Die römischen Kaiser sollen ihre Gäste so mit Rosen überschüttet haben, dass der eine oder andere Betrunkene unter dem knietiefen Blütenteppich erstickt ist. Hauptlieferant war Ägypten, wo Cleopatra ihre Liebhaber in einem Bett, umgeben von duftenden Rosenblüten, empfangen hat.

Im Mittelalter standen die Rosen in den Klostergärten für die eher geistige Liebe (rote Sorten) und die Reinheit Marias (weiße Sorten) und später im Barock und Rokoko für die Lebenslust der herrschenden Klasse. Könige und Fürsten hatten genug Personal und Zeit, um sich diesem exklusiven Hobby zu widmen. Die Gärten der französischen Kaiserin Josephine und die der hessischen Landgrafen bargen die bedeutendsten Rosensammlungen ihrer Zeit, und beide sind durch Farbmalereien im 18. Jahrhundert verewigt (Pierre Redoute und Salomon Pinhas). So wissen wir heute, welche „alten Rosen“ damals modern waren.Heute sehen wir uns einer Vielfalt von etwa 30 000 Sorten gegenüber, für Laien und Fachleute eine Herausforderung und eine Qual der Wahl.

Die Rose hat über Jahrtausende nichts von ihrer Anziehungskraft verloren, steht immer noch synonym für die Liebe und den Sommer, und löst Gefühle aus, wie es Theodor Storm bedichtete: „Noch einmal fällt in meinen Schoß die rote Rose Leidenschaft, noch einmal hab’ ich schwärmerisch in Mädchenaugen mich vergafft, noch einmal legt ein junges Herz an meines seinen starken Schlag, noch einmal weht an meine Stirn ein juniheißer Sommertag.“ Hoffen wir also auf einen warmen Rosenmond Juni, der nicht nur die Rosenblüten, sondern auch unsere Herzen öffnet.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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