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Ruhige Gartentage im Spätsommer

Pflanzung von Bambus Ruhige Gartentage im Spätsommer

Ein Spaziergang durch den Garten im August kann zu einem besonders entspannenden Erlebnis werden: Die überbordende Blüte der Sommer­stauden steht in einem merkwürdigen Kontrast zur atmosphärischen Ruhe eines Spätsommertags, denn die Vögel haben ihren Werbungsgesang bereits eingestellt.

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Ausladender Wuchs: Phyllostachys aurea im Japanischen Garten in Langensalza.

Quelle: Callauch

Nach Trockenphasen legen die Rosen eine Blühpause ein, um dann im Spätsommer noch einmal so richtig loszulegen. Düngen sollten wir sie nicht mehr, allenfalls eine Mulchung mit Kompost, Rasenschnitt oder billigen Blumenerden ist angebracht.

Die Gartenarbeit konzentriert sich auf den Rückschnitt ausladender Gehölztriebe, das Krauten zwischen den Dahlien und das Ziehen der lästigen Winden (Zaun- und Ackerwinde), die anscheinend genauso von der neuzeitlichen Düngung durch Regen und Staub profitieren wie die überall aufkommenden wilden Brombeeren. Für die bereits abgeblühten Junistauden wie Polster­phlox, Mädchenauge und Kokardenblume ist jetzt die beste Zeit zur Teilung und Verpflanzung.

Lücken mit neuen Arten füllen

Kirschen und Pfirsiche bekommen einen Sommerschnitt, bei dem besonders die kranken und abgestorbenen Äste beseitigt und eine lichtdurchlässige Krone erzeugt werden soll. Der letzte, kalte Winter hat einige empfindliche Rosensorten, den Sommerflieder und mediterrane Gewürze wie Salbei und Rosmarin geschädigt oder sogar vernichtet. Hier kann man mit Topfware Nachpflanzungen vornehmen oder die Lücken mit neuen Arten füllen.

Immer wieder steht die Pflanzung von Bambus bei Gartenbesitzern in der Diskussion. Nachdem in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach und nach die meisten Bambusarten und Sorten der meist verbreiteten Gattung Fargesia geblüht haben und danach abgestorben sind, kommt eine Nachpflanzung nur zögerlich in Gang. Der Grund für das damalige, gleichzeitige Absterben lag in der gemeinsamen Herkunft des Fargesia-Bestands. Alle Bambusse stammten von wenigen Aufsammlungen in China aus der Zeit um 1907 ab und ihre Blütezeit setzte naturgegeben etwa 90 – 100 Jahre später ein. Nach der Blüte stirbt Fargesia ab. Die wenigen Sämlinge aus Selbstbestäubung blieben schwachwüchsig und litten unter der Inzucht, so dass sich von selbst keine neuen Bestände aufbauen konnten.

Nachwuchs aus der chinesischen Heimat

In neuester Zeit hat man mit frischem Nachwuchs aus der chinesischen Heimat und Kreuzungen zwischen den Arten wieder ein neues Sortiment aufgebaut, welches mit Sorten wie „Winterfreude“ (besonders sonnenhart) und „Viking“ erneut kräftige, bis drei Meter hoch wachsende Bambussorten zur Verfügung stellt. In einigen Gärten der Umgebung, etwa im Japanischen Garten in Bad Langensalza, kann man sehen, dass auch die verwandte Bambusgattung Phyllostachys gut wüchsige Gebüsche aus Bambus erzeugen kann.

Die über vier Meter hohen Halme und der ausladende Wuchs zeigen aber auch die weit wuchernde Konkurrenzkraft vieler Bambusarten, die nicht für jeden Garten geeignet ist. Dem besonderen Charakter des Bambus muss man bei der Platzauswahl genauso Rechnung tragen wie dem Umstand, dass er viel Platz beanspruchen kann, keinen Unterwuchs duldet und im Winterhalbjahr häufig als vergilbte, braune Wand dasteht, weil ihm die Kälte und die Wintersonne zusetzten.

In ostasiatischen Gärten wird Bambus daher behutsam eingesetzt und gern für feuchte, schattige Stellen benutzt. Die dortigen, meist doppelt so hohen Niederschläge wie in Göttingen machen eine Bambuskultur leichter. Bambus steht in den ostasiatischen Kulturen synonym für einen aufrechten Lebenswandel. Ein schönes Ziel, an das man durch die Anpflanzung im eigenen Garten täglich erinnert werden kann.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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