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Sämlinge gedeihen auch in Pflasterfugen

Mai: Wildkräuter und Staudensprösslinge Sämlinge gedeihen auch in Pflasterfugen

Wenn im Mai die Wälder und Wiesen wieder grün werden, dann ist es leicht Vertrauen in das Leben zu haben. Seine urgewaltige Kraft strotzt uns aus jedem Apfelaustrieb, jeder Magnolienblüte und der verschwenderischen Ausschüttung von Abermilliarden gelber Blütenpollen entgegen.

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Zwischen Steinen und in Fugen fühlen sich manche Pflanzen wohl: Spornblumen (li.) gedeihen hier prächtig.

Quelle: Callauch

Mit dem Frühlingserwachen hat der Gartenbesitzer plötzlich wieder alle Hände voll zu tun: Der Rasen wächst viel zu schnell und muss schon bald geschnitten werden. Vielleicht soll-te man einfach einmal ein Stück davon ungemäht lassen und beobachten, welche Frühlingspflanzen sich einfinden und entwickeln, wenn sie nicht sofort enthauptet werden. Bei uns sind dies Vergissmeinnicht, Wiesenschaumkraut, Knolliger Hahnenfuß, die Wiesenschlüsselblume und Kriechender Günsel. Schöne Blütenpflanzen, die wir gern ein paar Wochen dulden, bevor sie dann mit den ebenfalls stehen gebliebenen Krokusblättern abgemäht werden.

Rasen macht weniger Arbeit

Ein blühender Rasen macht weniger Arbeit und vermoost nicht so schnell wie die Grün-flächen im Sinn eines „englischen Rasens“, die ja auch ei-gentlich nur für das Golfspielen gedacht sind. In Pflasterfu-gen und auf Plattenwegen machen sich jetzt Sämlinge diverser Unkräuter, aber auch zahlreicher Zierpflanzen breit. So sind diesen Mai Dutzende Sonnenhüte aufgelaufen, die aus den edlen Benary-Auslesen der Präriesorten stammen, die im Vorjahr als Prachtstauden im Beet kultiviert wurden. Sie sind ein wahrer Augenschmaus im Hochsommerflor und es lohnt sich daher, die Verbundsteine mit der Kreuzhacke hochzunehmen und die Sämlinge zu topfen.

Später kommen sie dann ins Blumenbeet. Ebenfalls gern in Pflasterfugen entwickeln sich Sämlinge der Jungfer im Grünen, des Goldlacks und sogar der Stockrose. Sie alle hätten eine Chance im Beet verdient und beim Plattenaufnehmen kann man auch gleich die lästigen Begleiter wie Disteln, Quecke, Hundszahn und andere Rhizomunkräuter beseitigen. So ist es manchmal einfacher, einen Gartenweg auf diese Weise zu säubern als mit der chemischen Keule mehrfach im Sommer darüber zu gehen. Einmal haben wir eine engli-sche Gartenbesitzerin kennengelernt, die alles wachsen ließ, was aus Pflasterfugen hervorspross, ausgenommen einiger Problemunkräuter.

Königskerzen, Malven und Storchschnäbel versperrten vielerorts in ih-rem ausgedehnten Garten den Weg und man musste um die Pflanzen herumgehen. Sie fand das völlig in Ordnung, ja sie wollte sogar bewusst den Besucher „verlangsamen“ und ihn dazu anleiten, einmal genauer auf das Hindernis zu schauen und die Art kennenzulernen. Wie viel Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit der Natur (und mit sich selbst!) spricht doch aus so einem Verhalten.

Halbschatten an der Hausnordseite

Doch nicht alle Stauden eignen sich für sonnige Gartenwege. Gerade die langlebigen, eleganten Rodgersien, die zarten Elfenblumen und die schönen Silberkerzen sind nur für den Halbschatten an der Hausnordseite und unter Großgehölzen geeignet. Sie treten hervor, wenn die Belaubung im Mai abgeschlossen ist, und die Frühlingsblüher bereits wieder auf dem Rückzug sind. Wer sie noch nicht hat, sollte sie sich besorgen. Jeder Mensch trägt zahlreiche Leidenschaften in sich. Um sie zu entdecken, muss man nur neugierig und experimentierfreudig sein und bleiben.

So kann ein Besuch in einem blühenden Maigarten die Leidenschaft zur Gartenkunst entfachen und lebenslange Freude bescheren. Allerdings auch lebenslange Kosten, wie Fürst Pückler gezeigt hat, der das Vermögen seiner Familie und anderer Leute mit vollen Händen ausgegeben hatte, um seiner Gartenleidenschaft zu frönen. Ihm hätte die Insel Siebenbergen in der Kasseler Karls aue gefallen, einer der schönsten Gartenanlagen unserer Region. Ganz dazu geeignet, Leidenschaften jeglicher Art zu entdecken

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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