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Gartentipps Sommerfreuden in Goethes Garten
Mehr Familie Tipps Gartentipps Sommerfreuden in Goethes Garten
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16:18 17.12.2012
Hier betrieb Goethe botanische Studien: die südlich anmutende Orangerie im Weimarer Schloss Belvedere.  Quelle: Callauch
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Soll ein Gärtner reisen? Das hat Goethe in seinem Epigramm von 1790 so beantwortet: „Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen, beschränkt, zierlich, mein eigen gehört. Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.“

Reiselustig war der Geheime Rat in seinen jüngeren Jahren und hatte das großherzogliche Ländchen kreuz und quer bereist, auf der Suche nach neuen Ideen, um den Bergbau, die Infrastruktur und die Wirtschaft zu beleben. Stets hatte er dabei ein Auge auf die Pflanzen und sandte neben Samen und Wurzeln genaue Kulturanleitungen an die daheim gebliebene Ehefrau Christiane, um bereits bei seiner Rückkehr Erfolge zu sehen. Er hoffte, „vergnügt mit Dir bald herum zu wandeln“ (12. Juli 1801 aus Jena). Schöne Blütenpflanzen wie die Dahlien, essbare Wurzeln wie Rapontika (Nachtkerze) fanden dadurch ebenso Eingang in seine Gärten wie der heikle Diptam, eine orchideengleiche Zierpflanze.

Inspiration und Erholung

Für Goethe waren die Gartenstunden Inspiration und Erholung. Wurde ihm die Regierungsarbeit zu viel, so ging er auf Reisen oder zog sich in den Garten zurück. Auch wenn es dem Großvater in seinem Stadthaus mit der Familie zu laut wurde, flüchtete er in sein abgelegenes Gartenhaus, um an seinem „Faust“ zu arbeiten. Die Liebe fand er im Garten an der Ilm gleich mehrfach, wie der Gedenkstein an Charlotte von Stein („Hier gedachte ein Liebender seiner Geliebten“) und die zunächst heimlichen Treffen mit Christiane nach seiner Italienreise bezeugen.

Mit großem Eifer hat der Geistesmensch im Boden gewühlt, zumindest am Anfang seiner Gärtnerkarriere, später verlegte er sich aufs Planen und Anregen. Den gesamten Park an der Ilm mitsamt dem römischen Haus verdanken wir seinem Genius. Aus seinen Briefen wissen wir von den Pflanzen, die er bevorzugt verwendete: Stockrosen, die bei ihm einfach Malven hießen, Duft-Veilchen, von denen er oft ein paar Samen an anderer Stelle verstreute, weil er sie so sehr liebte, und die Tapeten-Rose (Rosa x turbinata), die das große Spalier an seinem Gartenhaus bekleidete.

Auch heute noch sind die Arrangements auf den Staudenbeeten in den Weimarer Gärten sehenswert und zur Nachahmung empfohlen. Berühmte Gärtner, etwa Karl Förster aus Potsdam, haben sich daran versucht, Goethes Erbe in seinem Sinne zu erhalten oder wiederzubeleben. Die Kübelpflanzensammlung im Belvedere spiegelt des Dichterfürsten Liebe zu Italien wieder, und als Besucher wundert man sich über die uralten Myrten, Schmucklilien, Feigen und auf Kugel geschnittenen Lorbeerbäume, die sich so wunderbar in seiner Dichtung wiederfinden („Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn…?“).

„Erdkülin für ewig!“

Ja, Goethes Gartenlust ist ganz aktuell, denn nicht anders als er stehen wir begeistert, zufrieden oder einfach nur schwitzend in unseren Gärten und sind wie Goethe „Erdkülin für ewig!“ Das „Erdkülin“ ist ein elsässisches Fabelwesen, das, im Wald verborgen, von Mutter Erde ernährt, mit seiner Milch gute Menschen erquickt, klärt das Goethe-Wörterbuch auf.

Der frühe Erfolgsmensch, aufklärerische Weltverbesserer, fleißige Politiker und Dichter hat erfolgreich einen „Burn Out“ vermieden. Seine Gärten und seine Reisen haben ihn davor bewahrt. Auch nach mehr als 200 Jahren ist er uns damit Vorbild und Therapie. Denn „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum“.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.

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