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Staudenpracht aus Nordamerika

Veronicastrum virginicum Staudenpracht aus Nordamerika

Meine Eltern waren beide ,wetterversessen‘, kein Tag ohne Wetternachrichten, immer wurde ans Barometer geklopft, wurden Notizen gemacht…“, so zu lesen bei Marianne Foerster, der Tochter des großen Gartenmannes Karl Foerster. Das schreibt sie in ihrem vor einigen Jahren erschienenen Buch, das uns mitnimmt auf einen Spaziergang durchs Bornimer Gartenjahr, verwoben mit Kindheitserinnerungen.

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Veronicastrum virginicum „Fascination“: an diesem Standort vergesellschaftet mit Sanguisorba tenuifolia Var. Alba, dem hohen Weißen Wiesenknopf.

Quelle: Traub

Ein Satz, der auch heute noch für leidenschaftliche Gartenleute geschrieben sein könnte. Genauso verhält es sich nämlich mit uns Grünfingern – damals wie heute. Der Quantensprung ins weltumspannende „digitale Netz“ hat diese Wettersucht sogar eher befördert denn gemildert. Egal, ob wir beschenkt werden mit einem Bilderbuchsommer, in dem sich strahlender Sonnenschein und gesittete Regenfälle immer zur rechten Zeit abwechseln, die Temperaturen kaum mal paradiesische 25 Grad Celsius überschreiten, und der Garten sich von seiner schönsten Seite zeigt, oder ob wir einen Sommer wie diesen erdulden müssen – Wetter-nachrichten sind eine typische Gärtner-Marotte, als könnte man am Schicksal drehen, wenn man nur auf dem Laufenden bleibt. Sommer wie diese – womit wir beim Thema wären.

Wie verheißungsvoll wuchs alles nach langer Frühjahrstrockenheit. Und nun werden sogar die standhaftesten „Gerüstschaffenden“ in den Beeten von ihrer eigenen Üppigkeit erdrückt. Aber sehen wir’s doch mal positiv. Es ist ein rares Privileg, in einem Teil der Welt zu leben, der über Wasser im Überfluss verfügt. Zum Trost für diejenigen, deren Mundwinkel dennoch nicht recht nach oben wandern wollen, wird heute eine stattliche Gartenschönheit vorgestellt, die sich von keinem Wetter ihre Ausstrahlung, Stand-festigkeit, Schädlingsfreiheit und völlige Schneckenresistenz (!) nehmen lässt und auch noch perfekt geeignet ist, Pflanzungen Charakter und Struktur zu verleihen – und dies bereits recht früh in der Saison bis weit in den Herbst hinein.

Die Rede ist von Veronicastrum virginicum, dem aus Nordamerika stammenden Kandelaber-Ehrenpreis. Er trägt seinen Namen völlig zu Recht und sorgt für prachtvolle Akzente in sonnigen bis halbschattigen Staudengemeinschaften. Gerade Gartenfreunde, bei denen die wunderbaren, leider aber auch launischen Rittersporne sich weigern, ihre erhoffte Schönheit zu entfalten, sollten hier einmal die Ohren spitzen.

Ob man sich für „Apollo“, einen kräftigen Riesen, den malerischen „Lavendelturm“ mit seiner eher transparenten Aura oder die besonders standfeste, wohl höchste Gestalt „Fascination“ mit ihren dunkel überhauchten Stängeln und Blättern und rötlich lila Blütenständen entscheidet, ob man die hoch bewertete „Erika“ mit ihren aus dunklen Knospen hellrosa erblühenden Kerzen bevorzugt – von allen ist eigentlich nur Gutes zu berichten.

Etwas kompakter wachsen Züchtungen wie „Diana“, ihr Weiß macht sich reizvoll vor dunklem Hintergrund, oder „Pink Glow“, die gedrungener daherkommt und schöne rosa Blüten trägt. Vorsicht ist bei den Größenangaben der Staudengärtnereien geboten, sie stellen stets Mittelwerte dar.

In diesem Sommer baut sich die stolze „Fascination“ zu einer fast zwei Meter hohen Lichtgestalt auf, und auch die kleinere Verwandtschaft gibt sich mit der ihr zugeschriebenen Höhe von einem guten Meter ganz sicher nicht zufrieden.Was wünscht sich der Ehrenpreis? Nun, viel Zuwendung braucht er nicht, aber für guten Gartenboden und einen nicht zu trockenen Standort ist er dankbar – auf dass wir ihn stets ehren und preisen.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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