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Uralte Kulturpflanzen mit Gartenwert

Quitten Uralte Kulturpflanzen mit Gartenwert

Schmeckbirne, Baumwollapfel, Kütte, was mag sich hinter diesen klingenden alten Namen verbergen? Heute widmen wir uns einer fast vergessenen uralten Kulturpflanze, deren Ursprung im östlichen Kaukasus zu finden ist. Erste Nachweise ihrer dortigen Kultivierung liegen mehr als 4000 Jahre zurück. Die alten Griechen brachten den „kydonischen Äpfeln“ göttliche Verehrung entgegen.

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Bewährt: Die Konstantinopler Apfelquitte ist eine aromatische Sorte.

Quelle: Traub

Sie galten als Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit – leicht zu raten, dass Kydonia, das heutige Chania im Nordwesten Kretas, hier als Namensstifterin fungierte. Die Römer brachten Cydonia oblonga, die Quitte, dann über die Alpen mit in den Norden. In der Landgüterverordnung Karls des Großen ist sie bereits verzeichnet, und auch die Medizin wusste früh ihre wohltuenden und heilenden Eigenschaften zu nutzen.

Heutige Forschungen bestätigen die stark antiseptische, entschlackende und Schadstoffe bindende Wirkung ihrer Früchte, die sogar mehr Vitamin C und Mineralstoffe enthalten als Äpfel und Birnen. Sie wachsen, behutsam geschnitten, zu malerisch-bizarren Großsträuchern oder klein bleibenden, aber charaktervollen Baumgestalten heran. Die attraktiven weißen bis zartrosa Blüten verströmen einen köstlichen Duft.

Zum Glück kann ihnen kein Frost gefährlich werden, sie entfalten sich erst spät im Mai. Blätter und Früchte sind mit einem zartfilzigen Pelz überzogen, der in heißen Sommern vor Austrocknung schützt. Cydonia oblonga ist eine mediterran anmutende, erstaunlich genügsame Schönheit. Selbst mit mageren Böden und Trockenheit kommt sie noch gut zurecht. Nur Staunässe und verdichtetes Erdreich behagen ihr nicht.

Für einen sonnigen, vor kaltem Ostwind geschützten Platz ist sie dankbar, denn als südliches Geschöpf liebt sie es mild und warm. So versorgt, werden wir schon im zweiten Standjahr mit herrlich duftenden goldenen Früchten belohnt.

Wie kann es trotz dieser vielen Vorzüge sein, dass ihr Untergang zumindest im mitteleuropäischen Raum schon fast besiegelt schien? Noch Ende des letzten Jahrhunderts wurden die wenigen Kenner und Pflanzwilligen von den meisten Baumschulen abgewiesen: „Das lohnt sich nicht für uns, die ollen Dinger will doch keiner mehr …“.

Die noch bis in die 50er Jahre ob ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten geschätzten „ollen Dinger“ widersetzen sich dem Tempo unserer Zeit. Roh kann man sie bis auf ganz wenige, kaum erhältliche Sorten nicht genießen. Ohne Arbeit also kein Genuss. Sicher ist das einer der Gründe, warum sie mit der aufkommenden Industrialisierung und ihrer nie gekannten Fülle preiswert produzierter Gelees, Konfitüren und Süßigkeiten immer seltener verarbeitet wurde zu köstlichem Quittengelee oder dem in manchen Gegenden in der Weihnachtszeit so beliebten Quittenbrot. Wer weiß noch, wie fein-aromatisch Quittensaft schmeckt und wie vielfältig diese Früchte unsere Küche bereichern können?

Das Schöne ist – wir lernen es gerade wieder! Die immer raumgreifendere Metamorphose vom individuell erzeugten Lebensmittel hin zu geschmacksnivellierten Industrieprodukten ruft mehr und mehr die Sehnsucht nach Authentischem, Unverfälschtem wach, für das man gern ein wenig Mühe in Kauf nimmt. Eine Rückbesinnung, die hier sogar echte Früchte trägt.

Neue Quitten-Kochbücher erscheinen, und es gibt wieder etliche Baumschulen, die Cydonia oblonga veredeln – immer öfter auch über eine Handvoll Sorten hinaus, die vielleicht noch im „Notprogramm“ geblieben waren. Auch, ja gerade für den kleinen Garten ist ein Quittenbäumchen allererste Wahl: Blütenpracht, köstliche Früchte und mediterranes Flair – geht noch mehr?

Von Angelika Traub

Wer mehr über Quitten und die Vielzahl wiederentdeckter Sorten erfahren will, kann den vier Kilometer langen Astheimer Quittenlehrpfad bei Volkach besuchen. Auch Führungen werden angeboten. Kontakt: Marius Wittur, Hadergasse 19, 97247 Untereisenheim, mustea.de.
Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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