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Von Sommerblumen und Hochstauden

August-Gartentipps Von Sommerblumen und Hochstauden

Seit Monaten wachsen empfehlenswerte Staudenschönheiten wie Herbst-Anemone (Anemone hupehensis), Schweizer Alant (Inula helenium), Wachsglocke (Kirenge­shoma palmata) und Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum) fast unbemerkt zwischen den früh blühenden Stauden, um dann im August ihre ganze Pracht zu entfalten.

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Traum in Rosa: Wasserdost (hinten) und Herbst-Anemone. 

Quelle: Callauch

Auch in einem nassen, kühlen Sommer wie in diesem Jahr erreicht das Pflanzenwachstum irgendwann seinen Höhepunkt und das ist im Spätsommer.

Hochstauden wie der blaulaubige Federmohn (Macleya), dessen altrosafarbene Blütenstände 2,80 Meter Höhe erreichen können, sind unersetzlich im Garten. Lehren sie uns doch wie man mit gutwüchsigen „Platzhaltern“ ein deckendes Staudenbeet gestalten kann, welches dann wenig Raum für anfliegende Unkräuter lässt, und dass man mit großen Pflanzen Geduld haben muss und ihre Blütezeit nicht erzwingen kann.

Spät blühende Hochstauden machen das, wovon wir alle träumen. Sie nehmen sich Zeit, führen ein selbstbestimmtes Leben und wenn die Umstände wie in diesem Jahr etwas widrig sind, dann dauert eben alles etwas länger. Langlebige Stauden sind Teil des kontrollierten Chaos, welches alljährlich auf der grünen Bühne unserer Gärten abläuft. Mit Geschick und viel Eifer kann man versuchen, die Natur in geordnete Bahnen zu lenken, doch letztendlich entscheiden Regen und Sonnenschein, Schnecken und Bodenqualität über den Erfolg unserer Bemühungen.

Und das macht Gärtnern so wunderbar!

Sind wir Herr im eigenen Garten? Oder nimmt uns der Garten wie selbstverständlich in die Pflicht? Noch nie habe ich einen Gärtner getroffen, der nur von Erfolgen zu berichten wusste. Auch nach jahrzehntelanger Gartenerfahrung entgleitet die Scholle regelmäßig dem Griff mit Spaten und Hacke. Und das macht Gärtnern so wunderbar!

Anders als in unserer eiligen, perfektionierten Arbeitswelt bestimmen natürliche Rhythmen das Leben im Grünen. Die Zwiebel sprießt, wann es ihr passt, und die Raupe frisst den Schneeball kahl, ohne uns zu fragen. Herrlich anarchisch geht es zu im Sommerblumenbeet, dem wir mit der Aussaat von Cosmeen, Kalifornischem Mohn, Jungfer im Grünen und Kapuzinerkresse im Juni zwar eine Richtung vorgegeben haben, doch was nach zwei Monaten dann herauskommt, das bleibt spannend und kaum zu kalkulieren.

So geht es Jahr um Jahr, der Garten wird immer ein Gegenentwurf zur geordneten Welt im Haus bleiben und deshalb lieben wir ihn. Sein trotziges Eigenleben wird auf uns abfärben, wird uns stählen für die Auseinandersetzungen im richtigen Leben und mehr Gelassenheit im Umgang mit anderen Lebewesen schenken, inklusive der Gattung Mensch.

Gartenentwürfe von Gefängnisinsassen

Bereits mehrfach haben Gartenentwürfe von Gefängnisinsassen erste Preise auf der Chelsea Flower Show in England geholt, eine der renommiertesten Veranstaltungen dieser Art weltweit. Gestaltet und gepflegt von Menschen im Strafvollzug, herausgearbeitet aus einer bedrückenden Lebenssituation unter fachkundiger Anleitung eines engagierten und gartenbegeisterten Vollzugsbeamten, entstanden grüne Lebensräume von bemerkenswerter Schönheit. Die „Knackis“ werden abends als andere Menschen in ihre Zellen zurückgekehrt sein.

Was also ist zu tun im Augustgarten? Die Hecken werden noch einmal getrimmt, die Staudenbeete umstochen, um einwandernde Grasrhizome zu bremsen. Dabei erscheinen oft Tochterzwiebeln von Traubenhyazinthen und Schneeglöckchen an der Oberfläche, die auf diese Weise vermehrt werden können. Die Afrikanische Schmucklilie wird bei Blühfaulheit aus dem Topf genommen, mit dem Fuchsschwanz geteilt und neu in Kübel gesetzt.

Die Obstbäume werden bei oder nach der Ernte mit Augenmaß geschnitten, das gilt besonders für Pfirsiche und Mirabellen. Jede Menge Arbeit also, aber abends auf dem Sofa stellt sich selten bei schmerzendem Rücken nur heitere Gelassenheit ein. Die Gedanken richten sich auf den nächsten Tag, den nächsten Monat, das nächste Jahr. Was werden sie bringen? Die Aussichten auf neue Ernten und üppige Blüten. Das Versprechen einer gesunden, grünen Welt, die heilsam auf unser Leben, unsere chaotische Gegenwart wirkt. Mehr können wir nicht erwarten, wenn wir von Gartenglück reden.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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