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Voraussetzungen für schicken Christbaum

Nordmanntanne Voraussetzungen für schicken Christbaum

Der trockene und milde November hat dazu geführt, dass die Pegelstände der Flüsse und Talsperren gesunken sind und die Skiindustrie um ihren Saisonstart bangt. Gern werden solche Wetterlagen dramatisch dargestellt, obwohl sie für die bereits blattlosen Laubwälder und abgeernteten Äcker unserer Kulturlandschaft keine ökologische Katastrophe bedeuten.

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Nicht ohne Tannengrün: Adventsgestecke duften und sind Hingucker. 

Quelle: Callauch

Auch im Fernsehen konnte man in den letzten Novembertagen zur besten Sendezeit immer wieder schneelose Skigebiete und fast leere Talsperren sehen. Als Indikator für die Dürre wurden stets die Bilder einer braunen Scheinzypresse bemüht, deren Laub angeblich bereits Trockenschäden zeigte.

Ärgerlich dabei war, dass es sich bei Chamaecyparis pisifera squarrosa um eine spezielle Züchtung handelt, zu deren Charaktereigenschaften es gehört, außen blaugrün und innen dauerhaft braun zu sein, unabhängig vom Wassergehalt des Bodens. Genau diesen Effekt, Blaugrün vor braunem Hintergrund, wollten die japanischen Züchter erreichen, um eine zweifarbige Scheinzypresse hervorzubringen.

Empfehlung des Naturschutzbundes

Uns wird er nun als Trockenschaden präsentiert. Ebenfalls auf gesundem Halbwissen gewachsen, ist die kürzlich herausgegebene Empfehlung des Naturschutzbundes, bloß nicht ausländische Gehölze in den Garten zu pflanzen. Angeblich wird ihr Laub schlecht von den hiesigen Mikroorganismen zersetzt, weil sie eben ausländisch sind. Abgesehen davon, dass die bodenlebenden Zersetzer weltweit in der gemäßigten Klimazone oft die gleichen Arten sind, kann sich jeder Gärtner nur über diese Empfehlung wundern, denn weder das Laub von Flieder, Forsythien oder Wildem Wein noch von Felsenbirnen oder Silberahorn türmt sich in Anlagen und Parks zu unverrottenden Haufen auf, weil sie hier nicht abgebaut werden.

Gleichzeitig wurde auch noch ein nicht direkt einheimischer Baum, die in den Alpen und Skandinavien lebende Europäische Lärche, zum Baum des Jahres gewählt. Darf das sein? Doch in der friedvollen Adventszeit wollen wir mal nicht so streng sein, sondern eher die harmonischen Aspekte des Weihnachtsschmucks betrachten. Vielleicht ist ja die Lärche nie zum liebsten Weihnachtsbaum der Deutschen geworden, weil sie im Herbst die Blätter abwirft. In den meisten Wohnzimmern wird stattdessen die Nordmann-Tanne Einzug halten. Etwa 20 Millionen Abies nordmanniana werden in dieser Saison wohl verkauft werden – dem wachsenden Markt für Plastikweihnachtsbäumen zum Trotz. Und sie ist nicht mal einheimisch. Da kämen andernfalls nur die Kiefer, die Weißtanne und die Fichte in Frage, weniger beliebte Arten.

Die Eibe scheidet wegen ihrer dunklen Erscheinung von vornherein aus, denn ein Weihnachtsbaum soll strahlen und nicht unheimlich wirken. Die meisten Nordmanntannen kommen aus Dänemark, Irland und Polen zu uns und erfüllen mit ihrem gefälligen Wuchs, der relativ lang haltenden Benadelung und dem glänzend grünen Laub die besten Voraussetzungen für einen schicken Weihnachtsbaum. Trotz ihres markigen Namens, der an endlos weite, verschneite Nordländer denken lässt, ist sie eine asiatische Baumart aus dem Kaukasus, die um 1840 von Alexander von Nordmann entdeckt worden ist.

Höchste Baum der Welt

Immerhin kommt ihrem Entdecker die nordische Herkunft zugute, denn er war ein finnischer Biologe, der nach seiner Ausbildung in Turku und Berlin viele Jahre in Odessa am Schwarzen Meer lebte und arbeitete. Bei seinen zahlreichen Exkursionen stieß er nicht nur auf die schöne Tanne, sondern sammelte und beschrieb zahlreiche Organismen Südrusslands, von den Vögeln bis zu den Parasiten. Welchen Weihnachtsbaum er wohl damals in Odessa hatte? Ab und zu gibt es auch korrekte Meldungen zu Pflanzenarten.

So wurde kürzlich mitgeteilt, dass der höchste Baum der Welt gefunden worden sei. Diese Ehre steht einem Exemplar des Küsten-Mammutbaums zu, der mit 115,4 Metern Höhe alle bisher bekannten Baumriesen in den Schatten stellt. Auch Mammutbäume sind Nadelgehölze und wachsen gut in unserem Klima. Als Gartenbäume sind sie allerdings wegen ihrer ­Größe nur für Parks geeignet. Da sollte man dann doch lieber die Nordmann-Tanne nehmen, sie wächst im Gegensatz zu vielen anderen Tannen gut auf den nährstoffreichen Göttinger Lehmböden und kann nach einigen Jahren, bevor sie zu groß wird, als Weihnachtsbaum gefällt und ganz ökologisch weiter verwertet werden.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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