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Wenn die Knospen wieder schwellen

Garten im Februar Wenn die Knospen wieder schwellen

Die länger werdenden Tage im Februar machen eine Nachjustierung der Zeitschaltuhren an Innen- und Außenlichterketten erforderlich, sofern man sie nicht mit dem anderen Weihnachtsschmuck am Dreikönigstag, dem 6. Januar, abgeräumt hat. Den Pflanzen reicht die verlängerte Fotoperiode bereits, um die Knospen schwellen zu lassen.

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Frühe Blüten zu Beginn des Jahres, aber wenig Duft: der Camellia jap. Bob Hope Strauch. 

Quelle: Callauch

Deutlich an Umfang zugenommen haben die Kätzchen von Hasel und Weiden sowie die pelzigen Ruheknospen von Magnolien. Die ersten Vorfrühlingsblüher recken ihre Glieder, und so schieben der Winterling und Schneeglöckchen Blütenstände, obwohl im Februar oft am meisten Schnee zu erwarten ist. Doch woher sollen sie das auch wissen? Sie stammen ja nicht von hier.

Die Winterlinge stammen aus der Türkei und die Schneeglöckchen oft aus dem Kaukasus. Nur das Kleine Schneeglöckchen kommt aus Südeuropa und hat mit Hilfe des Menschen bereits vor langer Zeit die Alpen überquert.

Eine Reihe von milden Tagen bewirkt jetzt wahre Wunder. Gestern wirkte der Strauch an der Hausecke noch grau und abgestorben, heute trägt er bereits duftende Blüten. Es handelt sich um eine frühblühende Heckenkirsche (Lonicera x purpusii), eine Zuchthybride aus der Gruppe der wohlriechenden, winterblühenden Lonicera-Arten aus China. Sie sind eher selten zu sehen (in Göttingen etwa in den Botanischen Gärten), aber wegen ihres Dufts einen Versuch im Hausgarten wert.

Begegnung beim winterlichen Gartenspaziergang

Einen feinen Duft verströmen manche Zaubernüsse (Hamamelis). Sie sind vielleicht die verbreitetsten Winterblüher unserer Gärten und unbedingt empfehlenswert. Fast unwirklich mutet ihre zitronenfarbene oder rostrote Blüte in der winterlichen Landschaft an. Wie durch einen Zauber trotzen sie Kälte und Dunkelheit. Ebenso wie der bereits blühende Duft-Schneeball (Viburnum farreri) und die Winterblüte (Chimonanthus praecox) bescheren sie uns manch schöne Begegnung beim winterlichen Gartenspaziergang.

In der kalten und dunklen Jahreszeit ist jedes Anzeichen des nahenden Frühlings ein Grund zur Freude und ein Anlass zu lächeln. Ein Besuch im Gewächshaus wirkt wie eine stimmungsaufhellende Psychotherapie, besonders wenn die Blütenpracht nicht nur optische, sondern auch olfaktorische Reize verströmt. Zu einer guten Wintergartenausstattung gehören daher die duftenden Lorbeer-Schneebälle (Viburnum tinus) genauso wie die kleinen Orangen- und Zitronenbäumchen, die heute leicht im Handel zu bekommen sind. Sie alle lieben ein „Kalthaus“, das heißt einen Wintergarten, der nicht ständig beheizt wird, nachts deutlich abkühlt, aber frostfrei bleibt. Eben ein Klima wie auf Mallorca oder in den Gebirgen der Kanarischen Inseln.

Königin unter den Kalthauspflanzen

Die Königin unter den Kalthauspflanzen ist die Kamelie. Leider bleiben die meisten Sorten ohne Duft, doch die Züchter bemühen sich neuerdings darum wie auch um weitere Blütenfarben. Seit einiger Zeit sieht man gelbe Kamelien, aber ob sie sich gegen die traditionellen Sorten in Rosa, Rot und Weiß durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Kamelien stammen aus den Gebirgen Ostasiens und lieben ein wintermildes, feuchtes Klima auf sauren Böden. Ihren Namen verdanken sie dem österreichischen Jesuiten Georg Josef Kamel, der zuerst die Pflanzen Südostasiens beschrieb. Kamelien sind ideale und langlebige Kalthauspflanzen, die im Sommer einen schattigen Platz im Freien mögen. Dann entwickeln sie ihre dicken Blütenknospen, die sich dann im Winter/Vorfrühling öffnen. Experimentierfreudige können im Stadtklima Göttingens versuche, eine ältere, einigermaßen winterharte Pflanze in halbschattiger Lage im Freiland zu kultivieren. Rückschläge und Blütenverluste sind zu befürchten, doch dem wahren Kamelienfreund wird das nicht anfechten. Die Liebe zu Pflanzen ist eine Leidenschaft, und wie jede wahre Liebe erträgt sie alle Höhen und Tiefen mit heiterer Gelassenheit.

Von Rolf Callauch

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
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