Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° stark bewölkt

Navigation:
Zeit der hohen Sommer-Phloxe

Garten im August Zeit der hohen Sommer-Phloxe

"Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum!“ Karl Foerster, der von uns Gartenmenschen damals wie heute verehrte Stauden-Großmeister, hat diesen gern zitierten Satz vor vielen Jahrzehnten in einem seiner Bücher, man ist versucht zu sagen, „ausgerufen“.

Voriger Artikel
Nach Licht und Farbe lechzt der Mensch
Nächster Artikel
Die Feine unter gutgelaunten Grobianen

Amplifolia-Phloxe: „Minnehaha“ und „Weiße Wolke“, im Hintergrund „Winnetou“.

Quelle: Gaißmayer

Nur zu gern würden wir, wie seine Leser damals, diesem indirekten Appell folgen und begeistert Wälder von Phloxen in unseren Gärten pflanzen, uns berauschen an der Vielfalt der Sorten, ihrer Schönheit, dem unverwechselbaren Duft.

Aber, lieber Karl Foerster, lassen Sie es sich postum zu unserer Entlastung gesagt sein: Die Zeiten ändern sich. Leider. Mit den Phloxen ist es schwieriger geworden. Zwar gehören die Foerster-Züchtungen mit ihren blumigen Namen wie „Düsterlohe“, Wenn-schon-denn-schon“, „Schneerausch“, „Dorffreude“ und wie sie alle heißen, im kaum mehr überschaubaren Spektrum immer noch zu den vitalsten, gartenwürdigsten Sorten, aber das sich wandelnde Klima macht diesen herrlichen, charakteristischen Hoch- und Spätsommer-Blühern immer mehr zu schaffen.

Zugegeben, anspruchslos waren sie nie, die hohen Flammenblumen, botanisch wohlklingend Phlox paniculata genannt. Trotz unermüdlicher züchterischer Anstrengungen bewahrten sie sich widerborstig die (genetische) Erinnerung an ihre nordamerikanische Heimat. Dort lebten und leben sie in niederschlagsreichen, meist bewaldeten Regionen wie Neuengland westlich der Appalachen oder auch entlang des Ohio. Nährstoffreiche, mineralhaltige Böden, absonnige, frühjahrsfeuchte Standorte sind ihr Zuhause. Erst im 18. Jahrhundert gelangten die wilden Vorfahren unserer heutigen Gartenschönheiten über das große Wasser nach Europa.

Arbeiten mitleidlos an Untergang

Phloxe lieben Verlässlichkeit. Klima-Schwankungen und dazu noch Frühjahrstrockenheit, wie wir sie jetzt häufiger erleben, sind ihnen ein Gräuel. Kommt noch ein nicht optimaler Standort hinzu, stehen die Feinde grimmig bereit: Nematoden, Viren, diverse Pilze, der Mehltau gern allen voran, sie arbeiten mitleidlos an ihrem Untergang.

Drehen Sie diesem üblen Gelichter eine Nase! Der ebenfalls in Nordamerika beheimatete Großblatt-Phlox (botanisch heißt er „amplifolia“) macht seit einigen Jahren von sich reden. Gut sortierte Staudengärtnereien bieten uns mittlerweile attraktive Züchtungen an. Auf den ersten Blick ist er von seinem Bruder kaum zu unterscheiden, erweist sich aber als weitaus genügsamer und kooperativer, kommt mit Trockenheit, schattigeren Partien und Wurzeldruck von Gehölzen erstaunlich gut zurecht. Die gefürchteten Nematoden verschonen ihn, und eine willkommene Zusatzfreude beschert uns seine lange Blütezeit, denn nach der Hauptblüte bilden sich nochmals üppig blühende Seitentriebe aus.

Die Sorten erreichen eine Höhe von 80 bis zu stattlichen 170 Zentimeter. Ob in gepflegten Rabatten oder am naturnahen Gehölzrand: „Winnetou“ und „Minnehaha“ mit ihren changierenden Rottönen, der herrlich duftende, strahlend weiße „David“ und seine etwas zierlichere Schwester „Weisse Wolke“, um nur einige zu nennen, machen überall eine gute Figur.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hannover 96 überwintert mit 23 Punkten auf Platz 11. Was ist noch drin für die "Roten" in der Saison?