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Der Norden 300 Tassen am Tag: So arbeitet ein Tee-Tester
Nachrichten Der Norden 300 Tassen am Tag: So arbeitet ein Tee-Tester
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11:37 05.12.2018
Stefan Feldbusch, Chief Tea-Taster und oberster Einkäufer bei der Laurens Spethmann Holding (LSH) steht neben einem Aufbau von Teeproben. Quelle: dpa/Philipp Schulze
Seevetal

Feine Düfte überall beim Gang durch das nüchterne Gebäude in dem Industriegebiet, hier dreht sich alles um den Tee. Vom Hafen nach Seevetal sind es nur wenige Kilometer. Hamburg ist die große Drehscheibe für den Tee in Europa und so werden in der Nordheide jedes Jahr Milliarden von Teebeuteln gefüllt. Was darin ist, entscheiden Spezialisten. Bei der Laurens Spethmann Holding ist Stefan Feldbusch Chief Tea-Taster und oberster Einkäufer.

„Es gibt bundesweit nur etwa 20 Teetester und 60 Aspiranten“, sagt Feldbusch. Tester sei kein Lehrberuf. „Der Weg dahin dauert so etwa fünf bis sieben Jahre, dann findet man die Nuancen wieder.“ Der Groß- und Außenhandelskaufmann ist 55, seit 30 Jahren ist er im Teehandel. Unter der weißen Schürze trägt er Anzug und Krawatte. Akkurat aufgereiht stehen vor ihm Tassen und Schalen aus weißem Porzellan, heute geht es vor allem um einen Tee aus Mosambik.

Wo sonst hat man so viel mit dem Produkt zu tun?

„Wir probieren hier ungefähr 300 Tassen am Tag“, sagt Feldbusch. In fünf Minuten schaffe man 30 davon. „Für eine Kaufentscheidung lassen wir uns aber Zeit.“ Er hat fünf Kollegen, vier von ihnen sind bereits fertig ausgebildet. „Man findet immer wieder neue Geschmacksprofile - das wird nie langweilig“, meint er. „Man hat persönlich sehr viel mit dem Produkt zu tun - wo hat man das sonst?“

Auch in die Herkunftsländer reisen die Experten, das sind bei Schwarz- und Grüntee vor allem Indien und China. Weltweit wurden 2017 fast 5,7 Millionen Tonnen produziert, mehr als je zuvor. „Nach Wasser ist Tee weltweit das mit Abstand am meisten konsumierte Getränk“, weiß Maximilian Wittig, Geschäftsführer des Deutschen Teeverbandes. Größter Produzent war auch nach Zahlen des International Tea Committee mit mehr als 2,5 Millionen Tonnen China. Wichtigster Lieferant für Deutschland war 2017 erneut Indien. Insgesamt wurden aus 63 Ländern mehr als 53 000 Tonnen importiert.

Wiegen, riechen, schmecken – Stefan Feldbusch, Chief Tea-Taster und oberster Einkäufer bei der Laurens Spethmann Holding (LSH) gibt einen Einblick in seinen Job.

Laufende Qualitätskontrollen gehören dazu

„Unser Hauptjob ist es, über das Jahr bei unterschiedlicher Herkunft des Tees einen gleichbleibenden Geschmack sicherzustellen“, erklärt Feldbusch. „Zusammen mit dem Marketing schaffen wir auch neue Trends.“ Laufende Qualitätskontrollen gehörten ebenfalls dazu. Bei wichtigen Einkaufsverkostungen testen mindestens zwei Experten, um den persönlichen Geschmack nach hinten zu stellen.

Unter dem Dach der LSH vereint die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG) ihre Marken Meßmer, Milford und OnnO Behrends. OTG und Teekanne sind hierzulande Marktführer. Die LSH erlöste im vergangenen Jahr 483 Millionen Euro, 70 Prozent davon mit Tee. Rund zehn Milliarden Beutel produziert das Familienunternehmen jährlich. Teekanne füllt im Jahr etwa 7,5 Milliarden Beutel und ist ebenfalls in Familienbesitz.

Feldbusch greift zur Handwaage und legt in eines der beiden Schälchen eine alte englische Sixpence-Münze. Sie wiegt 2,86 Gramm, das ist das internationale Maß, die Teekultur kommt aus England. „In Indien und China wird mit der gleichen Menge Tee und Wasser, dem gleichen Geschirr und der gleichen Ziehzeit getestet“, sagt Feldbusch. Die Entscheidung zum Kauf falle aber immer hier. „Wasser und Atmosphäre sind anders. Sonst haben sie mit Blick auf den Himalaya getestet und ein ganz anderes Gefühl als beim Blick auf den Parkplatz.“

Besonders in der Winterzeit trinken die Deutschen vermehrt Tee

Derzeit wird Tag und Nacht in drei Schichten gearbeitet. „Vor allem in der Winterzeit wird in Deutschland vermehrt Tee getrunken“, sagt Feldbusch. Die OTG hat rund 180 Sorten im Angebot, etwa ein Drittel davon wird alle zwei Jahre neu gestaltet, dazu kommen Handelsmarken. Den größten Anteil haben die Kräuter- und Früchtetees. Sie werden in einem anderen Raum verkostet, damit sich die Aromen nicht vermischen.

Nach fünf Minuten wird der aufgebrühte Tee in eine Schale gegossen. Feldbusch kostet laut schlürfend. „Man hat dadurch ein deutlich größeres Geschmacksprofil im Mund, es verteilt sich besser auf die Geschmacksrezeptoren.“ Zielsicher spuckt er die Probe aus. Am Ende sieht es gut aus für den Tee aus Mosambik. „Er hat ein gutes Geschmacksprofil, er ist nachhaltig und kann in vielen Mischungen eingesetzt werden“, sagt Feldbusch. „Gemeinsam mit den Kollegen wird nachher eine Entscheidung fallen.“

Von RND/dpa/Peer Körner