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Der Norden Hellhound Foundation rettet Problemhunde
Nachrichten Der Norden Hellhound Foundation rettet Problemhunde
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15:31 27.04.2018
Vanessa Bokr (l), Hundetrainerin der „Hellhound Foundation“ und ihre Mitarbeiterin Swantje Borrmann spielen und beobachten Hunde in einem Auslauf.  Quelle: dpa
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Bispingen

  Die Wunden an der Oberlippe von Vanessa Bokr sind gerade verheilt, ihre Mitarbeiterin trägt seit vier Wochen einen Verband am Arm. Bokr, 30 Jahre alt, betreibt eine Einrichtung für verhaltensauffällige Hunde in der Lüneburger Heide, und in vielen Fällen bedeutet das: Die Hunde sind bissig. Beinahe täglich rufen überforderte Halter oder Tierheime an und fragen nach einem Platz im Haus für „Höllenhunde“, wie die Hundetrainerin die vierbeinigen Bewohner ihrer Auffangstation selbst nennt. Doch die Kapazitäten sind längst ausgeschöpft.

Eine schmale Straße zwischen zwei Feldern, die nächste größere Ortschaft liegt kilometerweit entfernt. Ein idealer Ort für das, was Vanessa Bokr aufgebaut hat. Denn das Hundegebell scheint hier niemals zu enden. 40 Vierbeiner vom Dackel-Mischling bis zum Rottweiler hält die Hundetrainerin. Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Swantje Borrmann (36) und vielen ehrenamtlichen Helfern arbeitet Vanessa Bokr mit Tieren, die ansonsten eingeschläfert worden wären.

Bundesweites Aufsehen erregte zuletzt die Einschläferung des Staffordshire-Terriers Chico, der am 4. April seinen Halter und dessen Mutter in Hannover totgebissen hatte. „Ein Hund, der wie Chico zum Schutz gekauft wird, muss klar ausgebildet werden“, sagt Vanessa Bokr. „Das ist nicht passiert. Dann ist die Situation nach jahrelanger falscher Haltung eskaliert.“ Sie und ihr Team der „Hellhound Foundation“ hätten Chico trainieren und resozialisieren können, da ist sich die Spezialistin sicher.

Die Trainerin mit Erlaubnis zum Halten von verhaltensauffälligen Hunden wägt im Fall Chico jedoch ab. „Wir können zurzeit keinen Hund aufnehmen. Dieser hat zwei Menschen getötet. In diesem Fall ist auch Einschläfern eine Lösung“, stellt die schmale, sportliche Frau klar. „Ich mag Hunde, aber wir müssen auch unsere eigene Art schützen. Es gibt viele Chicos, und es wird immer mehr geben.“

Vanessa Bokr ist zierlich, beinahe ein Fliegengewicht. Doch sie kann stärker sein als ein 45-Kilo-Rottweiler. Ihre Stärke liegt vor allem in einer klaren inneren Haltung zum Hund. Doch die fehle vielen Haltern, sagt sie. „Mein Hund ist nicht mein Freund“, sagt die Dunkelhaarige, die schon als Jugendliche wissen wollte, warum ein Hund sich so und nicht anders verhält. Nach der Schule hat sie sich am schleswig-holsteinischen Zentrum für Kynologie, der Lehre der Haushunde, ausbilden lassen. „Seit Jahrtausenden werden Hunde zum Bewachen, Jagen und Hüten gezüchtet“, erklärt sie. „Auf einmal sollen sie Kuscheltier sein oder Kinderersatz. Das funktioniert nicht. Wir dürfen Hunde nicht vermenschlichen.“

Wenn Menschen ihren Hund nach optischen Gesichtspunkten aussuchen statt nach Rasse-Merkmalen, könne vieles schieflaufen, warnt die Expertin. „Hunde besitzen eine Genetik, die eine bestimmte Aufgabe verlangt.“ Mit einem Hütehund wie einem Border Collie etwa müsse der Halter in gewisser Weise umgehen wie ein Schäfer.

Die Probleme mit schwierigen Hunden seien menschengemacht und würden sich stetig verstärken, warnt Vanessa Bokr. „Die wenigsten Menschen trauen sich noch an solche Hunde heran. Deswegen ist unsere Arbeit so notwendig.“ Finanziert wird die „Hellhound Foundation“ über Spenden, außerdem müssen Halter oder Tierheime einmalig 850 Euro plus monatlich 70 Euro für die Aufnahme eines Hundes zahlen.

Eine Sachkundeprüfung vor dem Kauf eines Hundes ist nicht bundesweit verpflichtend. Genau das aber fordert der Deutsche Tierschutzbund. Er unterhält mehr als 550 Tierheime in Deutschland sowie das Tierschutzzentrum Weidefeld im schleswig-holsteinischen Kappeln. Die Einrichtung an der Schlei kann ebenfalls die letzte Chance für Hunde aus Tierheimen sein, die nicht mehr vermittelbar sind.

Auch im Tierschutzzentrum Weidefeld werde die Warteliste immer länger, sagt die Leiterin Katrin Umlauf. „Zu uns kommen vor allem Hunde, die schon in der frühesten Lebensphase schlechte oder gar keine Erfahrungen gemacht haben.“ Neben unsachgemäßer Haltung sieht die Verhaltensbiologin vor allem den Handel aus Massenzuchten im Aus- und Inland als Grund für die zunehmende Anzahl von auffälligen Hunden. „Mit Welpen lässt sich viel Geld verdienen“, sagt Umlauf. „Da geht es nicht um gute Aufzucht, sondern den schnellen Markt. Viele Hunde kennen nichts außer einem Gehege und sind dann draußen total überfordert.“

Von dpa

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