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Der Norden Bekommt das LKA eine „Cold Case“-Abteilung?
Nachrichten Der Norden Bekommt das LKA eine „Cold Case“-Abteilung?
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16:57 25.09.2018
Polizeibeamte einer Hundertschaft durchsuchen im Jahr 1989 den Wald in der Göhrde nach Spuren der Täter, die ein Hamburger Ehepaar getötet hatten. Mittlerweile sind dort Ermittler wieder im Einsatz. Quelle: dpa
Hannover

Für ungelöste Kriminalfälle sollten nach Ansicht des Opferhilfevereins Weißer Ring Sonderermittler eingesetzt werden. „Wir fordern für jedes Bundesland eine zentrale Einrichtung“, sagte der niedersächsische Landesvorsitzende Rainer Bruckert der Deutschen Presse-Agentur. Viele Angehörige von Verbrechensopfern kämen oft erst zur Ruhe, wenn die Täter ermittelt seien.

FDP fordert „Cold Case“-Abteilung

Auch die FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag fordert mehr Personal und eine zielgerichtete Bearbeitung von sogenannten Cold Cases (deutsch: kalte Fälle). „Unser Wunsch wäre, dass die Landesregierung eine Sonderermittlungsgruppe einrichtet, die sich nur mit solchen ungelösten Fällen beschäftigt“, sagte FDP-Sicherheitsexperte Jan-Christoph Oetjen.

Diese könnte die ungelösten Fälle abseits vom Alltagsgeschäft der Polizei und mit entsprechender Expertise neu aufrollen, erklärte Oetjen. Als Vorbild könnte Hamburg dienen. Dort bearbeiten Kriminalbeamte der Ermittlungsgruppe „Cold Cases“ seit Oktober 2016 ungeklärte Vermissten- und Tötungsfälle.

Cold Cases heißen die oft Jahrzehnte lang ungeklärten Taten. Bundesweit gibt es Schätzungen zufolge Hunderte. Am Donnerstag sind die ungelösten Verbrechen Thema im Innenausschuss des Landtags. Dort soll ein neues Konzept des Landeskriminalamtes (LKA) vorgestellt werden, wie schwere Straftaten, die auch nach längeren Ermittlungen nicht aufgeklärt sind, gelöst werden können.

Mehr als 300 ungelöste Fälle in Niedersachsen

Wie viele Fälle derzeit offen sind, teilte das LKA nicht mit. In einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP vom August ist die Rede von 311 Cold Cases in Niedersachsen - darunter allein 83 nicht aufgeklärte Tötungsdelikte im Bereich der Polizeidirektion Hannover. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2015.

Die kalten Fälle werden nur dann wieder aufgerollt, wenn neue Ermittlungsansätze vorliegen oder etwa neue Methoden zur Untersuchung vorhandener Spuren entwickelt werden, beschreibt die Landesregierung in ihrer Antwort. „Jetzt ist die richtige Zeit, um in den Bereich einzusteigen“, sagte der Landesvorsitzende des Weißen Rings. In den vergangenen Jahren seien viele neue Methoden entwickelt worden.

Ermittlungen zu Göhrdemorden wieder aufgenommen

Ein Beispiel für wieder aufgerollte Fälle waren zuletzt die sogenannten Göhrdemorde: Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders von Lüneburg hatte die Polizei im April das frühere Haus des Verdächtigen durchsucht und mögliche Beweismittel sichergestellt. Zuvor hatten Beamte auf dem Grundstück die vergrabene Leiche einer seit 1989 vermissten Frau gefunden. Der frühere Hausbesitzer gilt auch als Verantwortlicher für die zwei Doppelmorde in der Göhrde von 1989. Der Mann erhängte sich 1993 in Haft. Mittlerweile prüft die Polizei mögliche Verbindungen zu rund hundert ungeklärten Taten.

Auch das Verschwinden einer Familie aus Drage bei Hamburg vor drei Jahren ist immer noch ungeklärt. Im Sommer 2015 zog die Feuerwehr den toten Familienvater aus der Elbe. An seinem Körper war ein Betonklotz befestigt. Seine Frau und seine damals zwölf Jahre alte Tochter werden bis heute vermisst. Bei der Polizei gehen immer wieder Hinweise ein, doch bisher brachten die nach Angaben der Ermittler keine heiße Spur.

Landtag beschäftigt sich mit Cold Cases

Die Bearbeitung von Cold Cases hat nach Angaben des Innenministeriums in Hannover bei der Polizei schon jetzt einen hohen Stellenwert. Profiler und einzelne Polizeidienststellen leisteten sehr gute Arbeit, betonte Opferhilfe-Experte Bruckert. Jedoch fehle manchmal eine Gesamtschau der Fälle. Eine zentral beim LKA angesiedelte Stelle könnte aber genau das leisten.

Wenn die alten Fälle neben der täglichen Arbeit in den Polizeidienststellen behandelt würden, gingen sie oft unter, ergänzte der FDP-Sicherheitsexperte Oetjen. Sein Vorschlag: Mitarbeiter einer Soko könnten sich ausschließlich auf Cold Cases konzentrieren.

Von RND/dpa

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