Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Die Kartoffel des Jahres kommt aus der Heide
Nachrichten Der Norden Die Kartoffel des Jahres kommt aus der Heide
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:34 11.03.2018
„Die Ernte gehört den Bauern“: Karsten Ellenberg (r.) und sein Sohn Julius haben eine Auszeichnung für ihre Züchtung „Rote Emmalie“ erhalten.  Quelle: Foto: dpa
Barum

Sie ist länglich und besitzt ein rotes Fruchtfleisch, schmeckt würzig und kommt aus dem Hause eines Idealisten: Die „Rote Emmalie“ wurde bei der Biofach-Messe in Nürnberg zur Kartoffel des Jahres 2018 gekürt. Ihre Heimat ist die Lüneburger Heide. Dort züchtet der Bio-Bauer Karsten Ellenberg seit mehr als 20 Jahren Kartoffeln, und die „Rote Emmalie“ war die Erste, die es von seinem Acker auf die Liste des Bundessortenamts geschafft hat.

Üblicherweise sind es Pflanzenzuchtfirmen oder sogar internationale Konzerne, die neue Sorten von Gemüse, Getreide und Kartoffeln züchten. Karsten Ellenberg, der in Barum im Landkreis Uelzen einen seit dem 15. Jahrhundert ansässigen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, gilt als bäuerlicher Züchter und damit als absolute Ausnahme in Deutschland. Laut der Arbeitsgemeinschaft „Kartoffel des Jahres“ ist er sogar der einzige Bio-Bauer in der ganzen Republik, der überhaupt Kartoffeln züchtet. 

Das mag am großen Aufwand liegen. Etwa zehn Jahre Arbeit und um die 70.000 Euro kostet es den Betrieb, bis Ellenberg mit seinen wiederholten Kreuzungen und Selektionen so weit ist, dass er 500 Knollen einer selbst gezüchteten Kreation zum Bundessortenamt nach Hannover schickt – so viele verlangt die Behörde, um die Pflanzen zwei Jahre lang im Versuchsanbau zu testen.

„Als meine Frau und ich vor mehr als 20 Jahren mit der ersten Kreuzung anfingen, wussten wir ja gar nicht, ob wir überhaupt jemals Erfolg damit haben werden“, erinnert sich der 55-Jährige. Heute stehen nicht nur die gerade prämierte „Rote Emmalie“ aus Barum auf der Bundessortenliste, sondern auch die „Violetta“ und die „Heiderot“. Im Frühjahr hofft der Bauer auf eine positive Nachricht seiner „Blauen Anneliese“, die ebenfalls seit einigen Jahren in Hannover testweise angebaut wird. Das Besondere an den Kartoffeln der Familie Ellenberg ist aber nicht nur ihr Aussehen: Anders als die großen Pflanzenzüchter verzichtet der Erfinder darauf, Gebühren für den Nachbau seiner Sorten zu verlangen. Normalerweise müssen Landwirte nicht nur das Pflanzgut teurer bezahlen als der Verbraucher die Speisekartoffel, sondern auch dafür, wenn sie einen Teil ihrer Ernte wieder auspflanzen. „Das finde ich falsch“, sagt Ellenberg. „Die Ernte gehört dem Bauern. Er muss damit tun dürfen, was er will.“

Die nächsten zwei neuen Sorten aus der Lüneburger Heide sind bereits in Arbeit, und eine von ihnen wird die Schwester der wohl berühmtesten Kartoffel Deutschlands sein: der „Linda“. Die hatte Karsten Ellenberg gemeinsam mit Freunden und Kollegen im In- und Ausland vor dem Aussterben gerettet, als die Pflanzenzuchtfirma Europlant die Kartoffel 2005 vom Markt genommen hatte. Landwirte hatten kein Pflanzgut der „Linda“ mehr kaufen können, bis das Sortenamt sie im Jahr 2010 auf den Antrag ihrer Retter neu zugelassen hatte. 

Von Carolin George

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch an der Unfallstelle ist am Donnerstagabend ein 59 Jahre alter Mann gestorben: Er hatte bei Bad Laer (Kreis Osnabrück) die Vorfahrt missachtet und war gegen einen Sattelzug geprallt.

11.03.2018

Ein 26-jähriger Lehramtsstudent aus Hildesheim ist wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Damit ist der Berufsweg für ihn beendet. 

21.02.2018

Erneut hat der Landesrechnungshof die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und ihren ehemaligen Vorsitzenden Gert Hoffmann ins Visier genommen. Er wirft Hoffmann, der früher Braunschweigs Oberbürgermeister war, Interessenkollision vor

21.02.2018