Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Erschlich sich die Dschungelcamp-Lehrerin die Krankschreibung?
Nachrichten Der Norden Erschlich sich die Dschungelcamp-Lehrerin die Krankschreibung?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 23.02.2018
Nathalie Volk (2.v.l.) mit ihrer Mutter am Landgericht Lüneburg. Quelle: dpa
Anzeige
Lüneburg

  Als die Saaltür sich öffnet, betritt eine Frau den Raum, die geradeaus in die Kameras der Fernsehleute und Fotografen blickt. Sie trägt ein enges schwarzes Kleid, Stiefeletten mit hohen Absätzen, schulterlange braune Haare und roten Lippenstift. Sie fühlt sich unschuldig. Das ist ihr anzumerken, und das wird an diesem Tag die einzige Erklärung sein, die sie abgibt – vorgetragen von ihrem Anwalt. Die Dschungelcamp-Reise der Mutter von Teilnehmerin Nathalie Volk (21) nach Australien beschäftigt bereits das vierte Gericht. In dem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Lüneburg geht es seit Donnerstag um die Frage, ob die damals krank geschriebene Lehrerin das Attest durch falsche Angaben bekommen hat.

Die Anklage geht davon aus, dass die verbeamtete Studienrätin ihr Attest von einer Ärztin erschlichen hat, in Wirklichkeit sei sie nicht arbeitsunfähig gewesen. Ohne Krankschreibung habe sie aber die bereits gebuchte Reise nicht antreten können. Zuvor hatte die Pädagogin in Soltau vergeblich einen Antrag auf Urlaub eingereicht. Ihre Tochter nahm im Januar 2016 an der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teil.

Auftritt im Fernsehen

Während die Schüler und Kollegen der Pädagogin kurz vor der Verteilung der Halbjahreszeugnisse standen, war die Lehrerin für Mathematik und Physik im Fernsehen zu sehen. Sie hatte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht, vom 7. bis zum 29. Januar 2016. Diagnose: „schwere depressive Erschöpfung“. Ob dieses Attest nun falsch war oder nicht, ob sie bei der Schilderung ihrer Symptome wahrheitswidrige Angaben gemacht hatte oder nicht, darum ging es gestern in der Berufungsverhandlung. Das Amtsgericht Soltau hatte im März vergangenen Jahres eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen à 70 Euro gegen die 48-Jährige verhängt.

Selbst aussagen wollte die Lehrerin vor dem Landgericht nicht – vor dem Amtsgericht hatte sie das noch getan und formuliert, wie gut ihr die Reise nach Australien bekommen sei, und dass sie das alles für ihre Tochter getan habe. „Natürlich kann man mit einer Depression nach Australien fliegen“, meinte jetzt ihr Anwalt Jonas Hennig. Die Diagnose und die Symptome seien wahr, also sei auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung richtig.

Die von der Lehrerin vor zwei Jahren konsultierte Ärztin sah das vor Gericht aber anders: „Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass jemand, den ich drei Wochen krank schreibe, nach Australien fährt.“ Die von ihrer Schweigepflicht entbundene Medizinerin hielt eine Fernreise mit dem Krankheitsbild für unvereinbar. Von dem geplanten Aufenthalt in Australien habe sie nichts gewusst. Sie hatte die niedergeschlagen und erschöpft wirkende Pädagogin im Januar 2016 für drei Wochen bis zum Ende des Schulhalbjahres krankgeschrieben. Wie es zu der Dauer von drei Wochen in dem Attest gekommen sei, konnte sie nicht mehr genau sagen. 

Diverse Gerichtsverfahren

Um die Lehrerin drehen sich seit rund einem Jahr diverse Gerichtsverfahren. Im Juni will das Verwaltungsgericht Lüneburg über eine Entfernung aus dem Beamtenverhältnis verhandeln, erst vor wenigen Wochen entschied das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht, dass die Landesschulbehörde die Lehrerin zu Recht vom Dienst suspendiert hat. In dem aktuellen Verfahren vor dem Landgericht Lüneburg sind bis zum 6. März drei Termine angesetzt.

Von dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Lagermuseum Friedland bei Göttingen soll mit Millionenaufwand ausgebaut werden. In der Ausstellung dort wird an das Schicksal von mehr als vier Millionen Vertriebenen, Heimkehrern, Aussiedlern und Flüchtlingen erinnert.

23.02.2018

Am Mittwochabend hat es in einer Druckerei in Wolfenbüttel angefangen zu brennen. Verletzt wurde niemand, die Mitarbeiter konnten sich ins Freie retten. Die Feuerwehr schließt einen technischen Defekt nicht aus. 

23.02.2018

Nach einem Urteil des Bremer Oberverwaltungsgerichts können Vereine an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligt werden. Niedersachsen will von dieser Möglichkeit allerdings nichts wissen und die Clubs auch nicht zur Kasse bitten.

23.02.2018
Anzeige