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Der Norden Elternverband: Gymnasien laufen im Notbetrieb
Nachrichten Der Norden Elternverband: Gymnasien laufen im Notbetrieb
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00:17 02.02.2018
Weil an den Grundschulen Lehrer fehlen, müssen Gymnasiallehrer aushelfen. Aber auch an den Gymnasien ist die Lage dramatisch.  Quelle: dpa
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Hannover

 Im zweiten Schulhalbjahr werden noch viel mehr Gymnasiallehrer zeitweise an Grundschulen unterrichten müssen als bislang schon. Die Zahl der Abordnungen werde sich zum 1. Februar 2018 vermutlich verdoppeln, warnt der Verband der Elternräte der Gymnasien nach einer Umfrage an seinen Mitgliedsschulen. Die Folgen für die Gymnasien seien dramatisch: massiver Unterrichtsausfall, Klassen- und Oberstufenkurse müssten zusammengelegt, Oberstufenangebote reduziert werden, einige Fächer würden eingeschränkt oder jahrgangsweise überhaupt nicht unterrichtet, Arbeitsgemeinschaften würden gekürzt oder ganz gestrichen, Profilangebote gekürzt.

Es gebe Eltern von Fünftklässlern, die berichteten, dass sie ihr Kind wegen eines besonderen Profils an einer bestimmten Schule angemeldet haben, das werde aber aufgrund des Lehrermangels nun dort gar nicht angeboten, sagt Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin des Verbandes der Elternräte. Erst die Abordnungen an Gesamtschulen, jetzt an die Grundschulen – durch den monatelangen Unterrichtsausfall gehe an den Gymnasien Bildung unwiederbringlich verloren, niedersächsische Schüler seien nicht mehr wettbewerbsfähig und damit bei zentralen Abiturprüfungen oder an den Hochschulen klar im Nachteil. 

„Die Zahl der Abordnungen verdoppelt sich zum Halbjahr“

Im Schnitt steigen die Wochenstunden, die Gymnasien abordnen müssen, laut der Umfrage von 21 auf 52.  Knapp 60 Prozent der Lehrkräfte wechseln direkt von Gymnasien zu Grundschulen, die meisten für ein halbes Jahr (dies gaben 66,7 Prozent der teilnehmenden Schulen an). Erstmals würden Pädagogen aber auch für ein Jahr oder sogar anderthalb Jahre abgeordnet. Das hatten 25,9 Prozent der Schulen angegeben. Wiedenroth spricht von „Trickserei“ und „Mogelpackung“. Wenn die Gymnasiallehrer bereits über das Schuljahr 2017/2018 hinaus abgeordnet seien, könnte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dann im Sommer zu Beginn des neuen Schuljahres verkünden, dass er weniger Lehrer abordnen müsse.

Dem Kultusministerium sei die schwierige Lage an vielen Schulen bekannt, sagte ein Sprecher. Das gelte insbesondere für die Grund-, Haupt- und Realschulen. Hier herrsche seit Längerem massiver Bewerbermangel, sodass offene Stellen nicht besetzt werden könnten. Da natürlich auch Grundschüler guten Unterricht verdient hätten, werde es bedauerlicherweise auch im kommenden Schulhalbjahr noch notwendig sein, Lehrkräfte von anderen Schulformen an die Grundschulen abzuordnen. Kultusminister Tonne arbeite intensiv an einem Plan, um die Lage zum kommenden Schuljahr deutlich zu verbessern.

Ob die Zahlen des Elternverbandes stimmten, könne man nicht sagen, sagte der Sprecher weiter. Derzeit änderten sich die Zahlen ständig, da immer noch neue Lehrer eingestellt würden und das beeinflusse auch die Abordnungen. An den Gymnasien sollen rund 200 Lehrer zusätzlich eingestellt werden, die in erster Linie für die Abordnungen an die Grundschulen bestimmt seien. Später kämen sie auch den Gymnasien zugute, wenn sie wieder das  Abitur nach 13 Jahren anböten. Der erste Jahrgang, der wieder G 9 macht, hat seine Abiturprüfung 2021.

Kommen die Abordnungen den Grundschulen auch tatsächlich zugute?

Bei der Umfrage des Elternverbandes weisen 28 Prozent der Schulen darauf hin, dass sie zwischen 100 und 130 Stunden, in Einzelfällen sogar 180 Stunden abgeben müssten. Die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien werde auf unter 96 Prozent sinken, warnt der Elternverband. „Wir fragen uns, ob durch diese neue Abordnungswelle der Unterrichtsausfall an den Grundschulen tatsächlich verhindert wird oder dies nur zu weiterem Unterrichtsausfall an den Gymnasien führt“, sagt der Vorsitzende des Verbandes der Elternräte, Hartwig Jeschke. Immer wieder berichteten Elternvertreter, dass Gymnasiallehrer fachfremd an den Grundschulen eingesetzt würden oder Pausenaufsichten machten. Minister Tonne hatte schon im vergangenen Jahr versprochen, dass dies nicht mehr vorkommen werde. Grundschulen sollten nur Lehrer bekommen, die sie zur Sicherung des Kernunterrichts benötigten.

Chaos und Durcheinander machen das Schulklima schlechter

Im zweiten Halbjahr werde es durch die Abordnungen wieder zu vielen Lehrerwechseln kommen, bemängelt Jeschke, Teilzeitkräfte würden ihre Stundenzahl erhöhen, viele Pädagogen leisteten Überstunden und seien am Rande der Belastungsgrenze. Die angespannte Lage führe zu einer Verschlechterung des Schulklimas. Wenn Ganztagsangebote entfielen, müssten viele Familien ihren Alltag neu organisieren. Ab dem 2. Halbjahr „laufen die Gymnasien im Notbetrieb“, warnen die Elternvertreter. An den Schulen herrsche Chaos und Durcheinander.

Von Saskia Döhner

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