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Der Norden Setzt der Moorbrand Strahlung frei?
Nachrichten Der Norden Setzt der Moorbrand Strahlung frei?
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19:38 05.10.2018
Noch immer brennt das Moor: Ein Transporthubschrauber CH-53 der Bundeswehr löscht auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen verbleibende Glutnester.
Hannover

Der Moorbrand auf dem Bundeswehrgelände bei Meppen schwelt seit Wochen. Die Rauchfahne zog tagelang über das Emsland, war noch im 100 Kilometer entfernten Bremen zu sehen und im 200 Kilometer entfernten Hamburg zu riechen. Für mehrere Tage wurde sogar der Katastrophenfall ausgerufen. Der ist inzwischen wieder kassiert – doch jetzt tauchen neue Fragen auf. Die HAZ beantwortet die wichtigsten.

Warum brennt es im Moor?

Anfang September hat das Unternehmen Airbus Helicopters im Auftrag der Bundeswehr Raketen abgeschossen. Der trockene Boden fing Feuer, zwei spezielle Löschfahrzeuge waren nicht einsatzbereit. Bei Moorbränden spielt sich der Brand im Untergrund ab. Im Boden bilden sich Glutnester, die in Breite und Länge wachsen. Die Feuerwehr versuchte zunächst, das Feuer mit Löschhubschraubern zu bekämpfen. Später wurden Schlauchleitungen gelegt, mit denen das Wasser unter anderem aus der Ems ins Moor gebracht wurde. Zwischenzeitlich kämpften bis zu 2000 Einsatzkräfte gegen das Feuer an.

Wie ist die Lage aktuell?

Inzwischen ist die Lage nach Angaben der Bundeswehr stabil, und es gibt keine oberirdischen Feuer mehr. Glutnester unter der Erde müssen aber weiterhin bekämpft werden. Immer noch sind rund 450  Feuerwehrleute im Einsatz, die aber alle der Bundeswehr angehören. Die zwischenzeitlich hinzugezogenen Feuerwehren aus Niedersachsen und das Technische Hilfswerk haben ihre Arbeit abgeschlossen. Die Luftwaffe unterstützt die Löscharbeiten weiter mit einem Transporthubschrauber und Tornado-Aufklärungsflügen.

Bestehen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung?

Nicht nur die Anwohner der nahen Gemeinde Stavern, die tagelang unter beißendem Rauch litten, bekamen die Auswirkungen des Moorbrandes zu spüren. In einem größeren Umkreis, teilweise sogar in Bremen und Oldenburg, wurden die Menschen aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Der Landkreis Emsland teilte nach Messungen zwar mit, dass keine Gesundheitsgefahr bestanden habe, weil Grenzwerte nicht überschritten worden seien. Klar ist aber, dass große Mengen Stickstoffoxide, Kohlendioxid und Feinstaub in die Luft gelangten.

Warum gibt es jetzt eine Debatte über radioaktive Strahlung?

Einsatzkräfte und Anwohner haben sich offenbar besorgt darüber geäußert, dass uranhaltige Munition auf dem Gelände verschossen worden sein könnte. Auch von quecksilberhaltigen Sprengkörpern aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR ist die Rede. Sicher ist offenbar nur, dass in den Siebzigerjahren panzerbrechende Uranmunition auf dem Schießplatz gelagert wurde. Angeblich soll damit aber nicht geschossen worden sein.

Die Bundeswehr hat zur Sicherheit Experten ihrer Strahlenmessstelle Süd ins Emsland geholt, um den Verdacht auszuräumen. Erste Ergebnisse der Tests zeigten keinerlei Hinweise auf mögliche Strahlenbelastungen, heißt es. Das Technische Hilfswerk betonte, es gebe nach den bisher vorliegenden Messergebnissen keine Bedenken wegen Gesundheitsgefährdungen der Einsatzkräfte.

Wurde dennoch zu früh Entwarnung gegeben?

Das Durcheinander ist groß, die Verantwortung wird hin und her geschoben. Alle kritisieren die Bundeswehr. Die soll zu spät und nicht umfassend über den Brand informiert und dann zu früh Entwarnung gegeben haben – bevor überhaupt richtig gemessen wurde.

Letzteres wird auch dem Landkreis Emsland vorgeworfen – was Landrat Reinhard Winter entschieden zurückweist. Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist wegen der Informationspolitik der Bundeswehr in die Kritik geraten.

Von Marco Seng

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