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Der Norden Erste inklusive Fußballliga geht in Lingen an den Start
Nachrichten Der Norden Erste inklusive Fußballliga geht in Lingen an den Start
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10:05 09.04.2018
 Tim von JFV Haselüne wird von einem Mitspieler angespielt. Die erste Liga mit inklusiven Fußballteams hat ihren Spielbetrieb aufgenommen.  Quelle: dpa
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Lingen

 Die Nummer 10 des Teams Lucky Löwen vom SV Olympia Laxten startet mit dem Ball auf der linken Seite durch, lässt zwei Gegenspieler der TuS Haren aussteigen und flankt nach innen vor das Tor, wo die Nummer 35 aus aussichtsreicher Position verpasst. Eine Szene, wie sie sich tausendfach auf Sportplätzen an jedem Wochenende abspielt. Doch sie ist nicht alltäglich. Der eine Spieler hat eine Behinderung, der andere nicht. Sie spielen gemeinsam in der neu gegründeten InduS-Emslandliga, die am Sonntag in Lingen an den Start ging. InduS steht für „Inklusion durch Sport“. 

Seit Anfang der 2000er-Jahre setzt sich der Deutsche Fußballbund (DFB) mit seiner Sepp-Herberger-Stiftung dafür ein, dass Behinderte aktiv am Fußball teilnehmen können. Seit 2012 finanziert die Stiftung bundesweit in allen 21 DFB-Landesverbänden Ansprechpartner, so genannte Inklusionsbeauftragte, für Fragen des Behindertenfußballs. Die „Handicap-Liga“ im Fußballverband Niederrhein war 2014 der erste Spielbetrieb, in dem Kicker mit und ohne Behinderungen in Duellen gegeneinander antraten, in denen es nicht nur um Spaß, sondern auch um Punkte und Tabellen ging. An jedem Wochenende im Juni richten die Bundesliga-Klubs RB Leipzig, Hamburger SV, 1. FC Köln, TSG Hoffenheim und FSV Mainz 05 Turniere für inklusive Teams aus. Auch Werder Bremen und VfB Stuttgart engagieren sich in dem Bereich. Mit dem Turnier in Lingen hat nun erstmals eine Liga unter dem Dach des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) den Spielbetrieb aufgenommen.

Spaß steht im Vordergrund

Für die Übungsleiter sei es nicht wichtig, wer Erster oder Zweiter wird, sagt Carsten Hilber, Trainer der Lucky Löwen. „Für die Kinder schon.“ Zwar stehe der Spaß im Vordergrund, aber Fußball sei auch ein Wettkampf. 

„Das Projekt InduS ist vor fünf Jahren im Kreissportbund Emsland entstanden“, sagt Hermann Plagge, Projektleiter von InduS Emsland. Mittlerweile gebe es knapp 70 Sportvereine aus dem Emsland mit inklusiven Sportangeboten. „Fußball ist sicherlich eine große, aber nicht die einzige Facette.“

Ein Beitrag zur Inklusion

In Niedersachsen bemühen sich der Landessportbund und der Behinderten-Verband seit sechs Jahren um ein Vorantreiben der Inklusion, sagt Jutta Schlochtermeyer vom Behinderten-Sportverband Niedersachsen. Dass das Interesse groß sei, belegen die Teilnehmerzahlen bei den Lehrgängen. Der Fußballsport nehme das Thema Inklusion sehr ernst und setze es in die Praxis um.  Das Fußball auch eine ernste Sache ist, war an den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen abzulesen, die am Sonntag in Lingen auf dem Platz standen. Bei manchen Spielerinnen und Spielern war der Ärger über sich selbst groß, wenn der Ball nicht ins Tor ging. 

Doch für die Namensvetter Justus Hilber (14) und Justus Berling (10) von den Lucky Löwen steht der Spaß im Vordergrund, versichern beide Spieler. „Wenn wir verlieren sind wir nicht traurig, sondern gratulieren den anderen“, sagt der Zehnjährige, der bei seiner Geburt mehrere Schlaganfälle erlitt. Seine Arme und Finger sind dadurch taub, erklärt sein Vater Ralf. Außerdem leidet er an einer halbseitigen Lähmung. „Durch den Fußball hält er sein Körpergewicht und er bekommt mehr Körperkoordination.“ Dass die beiden und ihre Mitspieler fair miteinander umgehen, zeigt sich, nachdem die Nummer 35 eine Riesenchance versemmelt hat. Der Flankengeber mit der Nummer 10 reckt den Daumen zur Aufmunterung in die Höhe statt zu meckern. 

Tordiffernez spielt in Tabelle keine Rolle

Die nicht-behinderten Kinder und Jugendlichen in den zwei Teams der Lucky Löwen lernen von ihren Spielkameraden, die Entwicklungsstörungen, Förderbedarf sowie geistige und körperliche Beeinträchtigungen aufweisen, soziales Miteinander, sagt Carsten Hilber. Der Trainer ist auch Heilpädagoge im Christopherus-Werk für Behinderte-, Kinder- und Jugendhilfe in Lingen. Den 4:1-Sieg seines Teams gegen den TuS Haren nimmt er gelassen hin. Seine Schützlinge strahlen dagegen. Der hohe Sieg wird in der InduS-Liga – wie alle anderen Siege – als ein 1:0 gewertet. Die Tordifferenz spielt in der Tabelle keine Rolle.

Von dpa

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