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Der Norden Zecken: Gefährlicher Erreger breitet sich in Niedersachsen aus
Nachrichten Der Norden Zecken: Gefährlicher Erreger breitet sich in Niedersachsen aus
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10:32 14.03.2018
Folge der Infektion kann im schlimmsten Fall eine tödliche Hirnhautentzündung sein. Quelle: Landesgesundheitsamt Niedersachsen
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Hannover

 In Niedersachsen wächst das Risiko, sich über Zecken mit dem FSME-Virus anzustecken – das sagen Experten vor einem am Montag beginnenden „Zeckenkongress“ an der Universität Hohenheim (Baden-Württemberg). Folge der Infektion kann im schlimmsten Fall eine tödliche Hirnhautentzündung sein.

Das Landesgesundheitsamt rät deshalb nun auch für Niedersachsen flächendeckend, sich gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) impfen zu lassen. „Das gilt für alle Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten und solche, die häufig von Zecken befallen werden“, sagte Masyar Monazahian, zuständiger Virologe bei der Landesbehörde, der HAZ. „Die meisten Kassen übernehmen die Kosten.“ 

9 Prozent haben Borrelien

Jetzt im März, bei Temperaturen zwischen 6 und 8 Grad, werden die Blutsauger wieder aktiv und warten auf Wirtstiere, egal ob Mensch oder Tier. Bisher gilt Niedersachsen im Gegensatz zu süddeutschen Regionen nicht als Risikogebiet für FSME. Allerdings übertragen die Parasiten auch im Norden über Bakterien die ebenfalls tückische Borreliose. Rund 9  Prozent der Zecken in Niedersachsen sind Träger der Borrelien, die beim Menschen unter anderem chronische Gelenkentzündungen hervorrufen können. Gegen Borreliose kann im Gegensatz zu FSME nicht geimpft werden, der Erreger wird mit Antibiotika bekämpft.

Infektionen in Niedersachsen

Das FSME-Virus war bislang in Niedersachsen kaum ein Thema. Zuletzt hätten sich aber vermehrt Menschen im Norden auch mit FSME infiziert, beispielsweise an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, sagt Gerhard Dobler, der Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für FSME. „Wir haben eine Dynamik, die wir nicht verstehen“, ergänzt der Zeckenforscher aus München.

Dabei werden nach und nach regionale Schwerpunkte erkennbar: 2016 wurden laut Landesgesundheitsamt insgesamt vier Menschen in den Kreisen Nienburg, Celle und Emsland sowie der Stadt Wolfsburg mit FSME infiziert. Die noch unveröffentlichten Infektionsmeldungen aus 2017 beträfen fünf Menschen, vier davon wiederum aus Celle, Nienburg und dem Emsland, einer aus dem Kreis Hildesheim. Alle hätten sich im heimischen Umfeld angesteckt, berichtet Virologe Monazahian. Es handele sich sowohl um Waldarbeiter, als auch um Spaziergänger und um Menschen, die sich im eigenen Garten infizierten. Auch Kinder seien erkrankt. Der Erreger habe bei einigen Betroffenen eine schwere Hirnhautentzündung ausgelöst, aber bei niemandem zum Tod geführt.

Weniger Risiko durch FSME-Impfung

Das Landesgesundheitsamt vermutet, dass die mit FSME infizierten Zecken über Zugvögel als Wirtstiere nach Niedersachsen gelangt sind. Bei Zeckenanalysen im Emsland war ein in Skandinavien und Osteuropa vorkommender Virustyp entdeckt worden. An der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) untersucht eine Projektgruppe seit dem vergangenen Jahr mögliche Übertragungswege. „Die Zecke kann mit einem Vogel bis zu 14 Tage lang auf Flugreise gehen“, sagt Prof. Stefanie Becker vom Institut für Parasitologie.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin, das deutschlandweit alle offiziellen Impfempfehlungen ausspricht, stuft Niedersachsen bisher nicht als FSME-Risikogebiet ein. „Wir sehen dort zurzeit keinen Anlass für eine Impfempfehlung“, sagt eine Sprecherin. 

Viele Ärzte hatten die FSME-Impfung lange wegen möglicher Nebenwirkungen nur sehr zurückhaltend verabreicht. Inzwischen geht nach Einschätzung des niedersächsischen Landesgesundheitsamts von dem Impfstoff aber kaum noch ein Risiko aus. Die Landesforsten hätten sich bereits für eine Impfung ihrer Mitarbeiter entschieden.

Von Gabriele Schulte

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